Die langen Seufzer der Violinen des Herbstes versehren mein Herz mit ihrer monotonen Schläfrigkeit.
Ganz atemlos und fahl, beim Stundenschlag, kommen mir alte Zeiten in den Sinn und ich weine ...
Und ich mache mich auf den Weg im stürmischen Wind, der mich hin und her treibt wie ein totes Blatt.
»Herbstlied« von Paul Verlaine
Das »Herbstlied« von Paul Verlaine ist eine treffende Beschreibung seines Lebens. Im Mief der Amtsstuben als Beamter hielt er es nicht mehr aus, das Wirtshaus wurde zur zweiten Heimat.
Seine ersten Gedichtsammlungen zeigten bereits die ganze Meisterschaft des unglücklichen Lyrikers. Seinen Worten wohnt Musik inne, so begann seine Dichterkarriere im dennoch unsteten Leben.
Goethe schrieb über 60 Jahre an seinem »Faust« und nannte "diese sehr ernsten Scherze" am Ende sein "Hauptgeschäft". Goethes »Faust« ist ein Klassiker.
1797 – also 22 Jahre nach dem »Urfaust« – nahm Goethe die Arbeit am »Faust« wieder auf, ermuntert durch Friedrich Schiller. Er fügte dem »Fragment« die einleitenden Szenen »Zueignung«, »Vorspiel auf dem Theater« und »Prolog im Himmel« hinzu. Aus der Geschichte um ein unglücklich gemachtes Mädchen und einen verzweifelten Wissenschaftler war ein Menschheitsdrama zwischen Himmel und Hölle geworden.
Die endgültige Fassung der bereits im »Urfaust« und im »Fragment« enthaltenen Szenen sowie die Ausführung der »Walpurgisnacht« erfolgt bis 1806. Das Werk ging als »Faust. Eine Tragödie« für die Ostermesse 1808 in Druck.
Dr. Heinrich Faust, ein wissbegieriger Akademiker, resigniert über die Tatsache nicht alles wissen zu können. Da kommt ihm das Angebot vom hinterlistigen Mephisto ganz gelegen: Er verjüngt den alten Faust und zeigt ihm die "kleine und die große Welt", in Teil I die irdischen Freuden der Liebe. Dafür soll Faust ihm im Jenseits dienen. Schade nur, dass der Plan nicht aufgeht, weil Gretchen das Opfer der Begierde ist.
In dem Buch »Faust - Der Tragödie erster Teil« geht es um den Herrn Magister Doktor Faust, welcher als Lehrer, Schwarzmagier und in vielen beriechen der Wissenschaften arbeitet und denkt er wisse sogut wie als über die Welt und ihre Funktions weisen, was ihn so sehr verzweifelt, dass er einen Selbstmord zu begehen versucht aber scheitert.
Faust, auf dem tiefsten Punkt seiner theoretischen Verzweilfung, hat beschlossen, sich umzubringen. Die Chöre der Osternacht halten ihn von seiner Absicht zurück, als er das Giftfläschen schon an den Lippen hat. Er kehrt ins Leben zurück.
Um diesen Doktor dreht sich auch eine Wette zwischen dem Herren und Mephistopheles, dem Teufel, der sich um die Dienste des Faustes für den Herren dreht. Mephistopheles schleicht sich dann als Pudel in das Haus des Faustes ein, zeigt ihm seine (fast) wahre Gestalt und versucht ihn zu verderben. Er bringt ihm dazu das Gebräu einer Hexe zu und Alkohol zu trinken. Der Geist hilft seinem Helden aus der Klemme.
Goethe legte seinem Faust, der zweifellos Züge Fichtes aufweist, die folgenden Worte in den Mund:
Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!
Ausserdem bringt Mephistopheles den Suchenden mit Magarete zusammen. Der Faust ist darauf hin in Magarete so verliebt, das er ihren Bruder Valentin in einem Duell umbringt. Worauf hin Magarete verrückt wird und in den Kerker wandert und als Faust versucht sie zu befreien stirbt.
Mephistopheles ist ein wahrer Verwandlungskünstler, der sich laufend verwandelt und andere Gestalt annimmt fluorezierendes Wesen, das ganz in seinen Wandlungen lebt. Er entsteigt einem Hund. Sloterdijk, S. 331 f.
Die Tragödie mit immer währenden Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse hat bis heute nicht ihren Reiz verloren. Immer wieder ist der Mensch Versuchungen ausgesetzt und muss zwischen Kopf und Bauch abwägen.
Ende August ist der erste Band der Neapolitanischen Saga »Meine geniale Freundin« von Elena Ferrante über die Kindheit und frühe Jugend erschienen. Die Autorin Elena Ferrante hat mit dem ersten Teil eines vierbändigen Neapel-Epos ein weltweites Lesefieber ausgelöst. Die Neapel-Tetralogie »L'Amica Geniale« ist in Italien zwischen 2011 und 2014 erschienen. In deutscher Übersetzung kam der erste Band Ende August dieses Jahres auf den Markt.
Der Roman erzählt von einer innigen Beziehung zwischen zwei Frauen. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein und sie sind doch unzertrennlich, Lila und Elena, schon als junge Mädchen waren sie beste Freundinnen. Und sie werden es ihr ganzes Leben lang bleiben, über sechs Jahrzehnte hinweg, bis die eine spurlos verschwindet und die andere auf alles Gemeinsame zurückblickt, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen.
Immer wieder ist Neapel Schauplatz eines dicht gewebten Netzes aus realen und fiktiven Geschichten.
Im Neapel der fünfziger Jahre wachsen sie auf, in einem armen, überbordenden, volkstümlichen Viertel, derbes Fluchen auf den Straßen, Familien, die sich seit Generationen befehden, das Silvesterfeuerwerk artet in eine Schießerei aus. Hier gehen sie in die Schule, die unangepasste, draufgängerische Schustertochter Lila und die schüchterne, beflissene Elena, Tochter eines Pförtners, beide darum wetteifernd, besser zu sein als die andere. Bis Lilas Vater seine noch junge Tochter zwingt, dauerhaft in der Schusterei mitzuarbeiten, und Elena mit dem bohrenden Verdacht zurückbleibt, eine Gelegenheit zu nutzen, die eigentlich ihrer Freundin zugestanden hätte.
Ihre Wege trennen sich, die eine geht fort und studiert und wird Schriftstellerin, die andere wird Neapel nie verlassen, und trotzdem bleiben Elena und Lila sich nahe, sie begleiten einander durch erste Liebesaffären, Ehen, die Erfahrung von Mutterschaft, durch Jahre der Arbeit und Episoden politischer Bewusstwerdung, zwei eigensinnige, unnachgiebige Frauen, die sich nicht zuletzt gegen die Zumutungen einer brutalen, von Männern beherrschten Welt behaupten müssen.
Sie bleiben einander nahe, aber es ist stets eine zwiespältige Nähe: aus Befremden und Zuneigung, aus Rivalität und Innigkeit, aus Missgunst und etwas, das größer und stiller ist als Lieben. Liegt hier das Geheimnis von Lilas Verschwinden?
Elena Ferrante hat ein literarisches Meisterwerk von unermesslicher Strahlkraft geschrieben, ein von hinreißenden Figuren bevölkertes Sittengemälde und ein zupackend aufrichtiges Epos – über die rettende und zerstörerische, die weltverändernde Kraft einer Freundschaft, die ein ganzes langes Leben währt.
Francis Scott Fitzgerald wurde vor 130 Jahren am 24. September 1896 in St. Paul, Minnesota, geboren. Francis Scott Fitzgerald war ein amerikanischer Schriftsteller.
Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Journalist in New York, 1920 erschien sein erster Roman "This Side of Paradise". Seine Werke geben das Lebensgefühl der sog. Lost Generation wieder - ein Ausdruck, den Gertrude Stein für die Generation zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Wirtschaftskrise geprägt hat.
In seinen Gesellschaftromanen wie "Der große Gatsby" schilderte Fitzgerald die genusssüchtige Oberschicht der USA in den 1920er Jahren - inklusive der Ahnung eines baldigen Endes, das mit dem Schwarzen Freitag dann auch eintraf. Persönliche Rückschläge wie sein Alkoholismus, die Geisteskrankheit seiner Ehefrau Zelda und der Verlust seines Vermögens, gaben seinem Werk zunehmend einen melancholischen Ausdruck.
Francis Scott Fitzgerald starb am 21. Dezember 1940 in Hollywood bei Los Angeles.
Jaroslav Seifert wurde vor 125 Jahren am 23. September 1901 in Prag geboren. Jaroslav Seifert war ein tschechischer Dichter, Schriftsteller, Journalist und Übersetzer.
In den frühen Jahren war Seifert ein bedeutender Vertreter der tschechischen Proletarischen Poesie, um später zu einem der wichtigsten Dichter des Poetismus zu werden.
Seifert zählte zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe "Devetsil" ("Neunkräfte"), einer einflussreichen Gruppierung innerhalb der tschechoslowakischen Avantgardebewegung.
Als Gründungsmitglied der Künstlergruppe Devětsil wurde er zusammen mit Karel Teige zu ihrem Sprecher und redigierte 1922 den Almanach "Devětsil". Gleichzeitig übersetzte er französischsprachige Poesie ins Tschechische. Gegen Ende der 1920er Jahre zählte er bereits zu den wichtigsten Vertretern der Tschechoslowakischen Kunstavantgarde.
1929 unterschrieb Seifert zusammen mit sechs weiteren kommunistischen Schriftstellern das Manifest der Sieben gegen den neuen Führungsstil in der kommunistischen Partei unter Klement Gottwald und wurde daraufhin aus der Partei ausgeschlossen.
In Folge trat er der Tschechoslowakischen Sozialdemokratischen Partei der Arbeiter bei.
Von diesem Jahr an arbeitete er als Redakteur der Theater "Revue Nová scéna", der Zeitschrift "Panoráma" und für die sozialdemokratische Presse.
Während der Zeit der deutschen Okkupation der Tschechoslowakei wirkte Seifert in der Redaktion der Tageszeitung Národní práce und nach 1945 dann als Redakteur der Tageszeitung Práce. Von 1946 bis 1948 redigierte er die monatlich erscheinende Kulturzeitschrift "Kytice".
Unter dem Druck der Kommunistischen Machtübernahme gab Seifert 1949 seine journalistische Laufbahn auf und widmete sich fortan ausschließlich der Literatur. Gleichzeitig engagierte er sich jedoch weiterhin öffentlich. So rief er das kommunistische Regime zur Freilassung gefangener Schriftsteller auf.
In diesem Sinne äußerte er sich auch auf dem Schriftstellerkongress im Jahre 1956. Damit blieb er in den 1950er Jahren ein unbequemer, aber geduldeter Kritiker des Regimes.
Im Verlauf des Prager Frühlings unterstützte Seifert die Reformbemühungen der kommunistischen Führung und verurteilte scharf die Invasion der Warschauer-Pakt-Staaten im August 1968. Im selben Jahr wurde er Vorsitzender des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes und blieb dies bis zu dessen Auflösung 1970.
Dem gleichgeschalteten Nachfolgeverband verweigerte er seine Mitgliedschaft.
In den 1970er Jahren wurde Seiferts literarische Tätigkeit behindert. Es durften lediglich Reeditionen seiner älteren Werke publiziert werden, nicht jedoch seine neuen Arbeiten. Die Einschränkungen nahmen zu, nachdem Seifert als einer der Ersten die "Charta 77" unterzeichnete.
Er zog sich gezwungenermaßen zurück und publizierte seine Poesie fortan regelmäßig im "Samisdat".
Als mit Beginn der achtziger Jahre seine Werke wieder offiziell erscheinen durften, griff die Zensur stellenweise in den Text ein und begrenzte auch die Auflagen.
1984 erhielt Seifert als bislang einziger Tscheche den Literaturnobelpreis.
»Der Nachsommer« mit dem Untertitel »Eine Erzählung (1857)« ist ein Roman in drei Bänden von Adalbert Stifter. Das Werk gehört zu den großen Bildungsromanen des 19. Jahrhunderts. Beschrieben wird ein idealisierter, vom Leben abgeschirmter, teilweise synthetischer Weg eines jungen Menschen in das Erwachsenwerden.
»Der Nachsommer« ist der letzte große deutschsprachige Bildungsroman in der Nachfolge von Goethes »Wilhelm Meisters Lehrjahre« (1795 / 96). Darin entfaltet Adalbert Stifter sein Konzept einer planvollen Erziehung und umfassenden Bildung, dessen Ziel die harmonische Entwicklung des Menschen ist.
Die Erzählung ist ein Werk mit einem nie wieder erreichten Höchststand deutscher Sprachkultur.
Dieser Roman kommt ganz ohne Handlung aus, ohne alles aus, was man eine „Geschichte” nennen könnte. allein die Rundgänge beim ersten Besuch des Ich-Erzählers, auf denen der Hausbesitzer seinem Gast die verschiedenen Kunstsammlungen, den weitläufigen Garten und den Betrieb zur Restauration alter Möbel und Kunstwerke zeigt, nehmen nicht weniger als 110 Seiten ein. Die Handlungsarmut des Buches, seine ausschweifenden Beschreibungen haben von Anfang an spöttische Kritik hervorgerufen.
Ebenso häufig aber wurde der »Nachsommer« von seinen Lesern - insbesondere von den Schriftstellern unter ihnen - als einer der schönsten Romane deutscher Sprache gewürdigt.
»Der Nachsommer« wurde gerade von Schriftstellern bewundert und geliebt. Die Bewunderer Stifters unter den Lesern, die selbst schreiben, sind und waren zahlreich. Schließlich geht es hier um die Sprache als seine Weise der Vergegenwärtigung der Welt.
Friedrich Nietzsche, dessen eigener im Vergleich zu Stifters Stil so unterschiedliche, der für mich doch zum Schönsten gehört, was in deutscher Sprache je erreicht wurde, hat dieses Buch geliebt wie kein anderes.
"Ein Klassiker ist ein Buch, das jeder lobt und niemand liest.", sagte Mark Twain einmal.
Dieses Buch ist ein Klassiker und verdient es, nicht nur gelobt, sondern auch gelesen zu werden.
In der Tat macht es der Autor dem Leser nicht leicht, in erster Linie deswegen, weil man zur Lektüre braucht, was vielen in der heutigen Zeit abgeht, Zeit und Muße. Wie jedes große Kunstwerk erschließt sich das Buch nicht sofort und nicht beim flüchtigen Lesen.
Literatur:
Der Nachsommer von Adalbert Stifter - Gebundene Ausgabe - 1. Januar 2007