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Samstag, 8. November 2025

Heinrich von Kleist als ein Mensch der Krise

Heinrich KleistHeinrich von Kleist

Kleist wurde 1777 in Frankfurt/Oder als Sohn eines preußischen Hauptmannes geboren und verwaiste früh, sein Leben ist durchzogen von Widersprüchen und Brüchen. Er wurde auf eigenen Wunsch aus dem Militärdienst entlassen, beendete auch sein Studium vorzeitig und hoffte, nach einer aufgelösten Verlobung und verschiedenen Reisen, als freier Dichter Anerkennung zu erfahren. Lebenslang wurde er von schweren seelischen Krisen begleitet.

Heinrich von Kleist war ein deutscher Dichter der Weimarer Klassik und Romantik. Kleist war einer der bedeutendesten Dramatiker und Dichter des frühen 19. Jahrhunderts und wurde zum Vorbild zahlreicher Schriftsteller verschiedener Stilrichtungen.

Wer kennt nicht Kleist (1777-1811) und sein ungestümes Denken aus der preußischen Herkunft. Ausbrechen aus der Tradition der Familie und der klaren Ordnung sind seine Maximen, die insbesondere in der Frage der narzisstischen Ausprägung vor allem im kurzen Essay über das Marionettentheater Beachtung finden.

Kleist, das notorisch verkannte Genie, war Seismograph einer Welt im Umbruch. Er war ein Mann der Extreme, kriegserprobter preußischer Offizier einerseits, Erfinder großer Frauenfiguren und einer herzerweichenden Sprache andererseits. Er hasste Napoleon und liebte das entstehende Deutschland. Er war Offzier, Beamter und Journalist, immer wieder scheiternder Sucher und der einzige wirkliche Tragiker der deutschen Literatur.

"Ich passe mich nicht unter die Menschen."

Heinrich v. Kleist

Für den Typus von Schriftsteller, der Kliest werden wollte, gab es kein Vorbild. Es ist der Krise, einer tiefen, grundlegeneden Verunseicherung. Rousseau, mit dem Kleist sich in dieser Zeit beschäftigte, war eine ähnliche Figur. Der junge Schiller war eine ähnliche Figur. S. 98

Kleist konnte von seiner geschaffenen Literatur nicht leben, obwohl seine Werke zeitlos waren. Lebenslang wurde er von schweren seelischen Krisen begleitet. Seine Dramen wie "Penthesilea" oder "Der zerbrochene Krug" und Erzählungen wie "Michael Kohlhaas" gehören heute zur Weltliteratur, während sein Werk zu Lebzeiten unverstanden blieb. Seine Dramen wie "Penthesilea" oder "Der zerbrochene Krug" und Erzählungen spielten häufig in einer anderen Zeit.

Heinrich von Kleist war ein Mensch der Krise, der Großes geschaffen hat, aber auch oft enttäuscht. Nämlich dann, wenn er allzu vollmundige Versprechungen machte, denen keine Taten folgten oder die geweckten Erwartungen wieder einmal enttäuschte. Sein ganzes Leben war ein unruhiges, ein ungestüm voranstürmendes, aber gleichzeitig auch friedlich plätscherndes Bächlein, ein alles mit sich reißender Strom auf der einen Seite, eine stille und romantische Naturschönheit auf der anderen.

Er legte seine Verzweiflung, seinen Hass, seine Hoffnung, seine Liebe und seine Seele zuerst in Tragödien, dann in Komödien und dann in Erzählungen. So entfaltete sich sein eigenartiges Wesen, mit befremdlichen Gebärden, eigenartigen Figuren, ungekannten Gefühlen.

Kleists Biografie ist die eines Schwankenden, eines unablässig Suchenden, der, eines eingesperrten Wiesels gleich, "das verschreckt am Gitter hin und her läuft", sich zeitlebens unruhig gebärdet und dessen wichtigster Teil letztendlich durch das Schreiben zur Welt kommt.

Lebenslang wurde er von schweren seelischen Krisen begleitet. Mit Todesverachtung

Seine zeitlosen Dramen wie "Penthesilea" oder "Der zerbrochene Krug" und Erzählungen wie "Michael Kohlhaas" gehören heute zur Weltliteratur, während sein Werk zu Lebzeiten unverstanden blieb.

Der Dichterruhm wurde ihm versagt. Kleist versäumte es, sich in dichterischen Kreisen beliebter zu machen. Wieland war der einiige, der Kleists Talent als Dichter zu Lebzeiten erkannte.

Kleist nannte sich selbst einen "unaussprechlichen Menschen", "in der Welt, auf die er hoffte, nie ankommen sollte und auch nicht ankommen konnte." "Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war."

Heinrich von Kleist war einer jener Rebellen in der deutschen Literatur, für die es selbst nicht gut ausging. Als preußischer Offizier und Freund der Wahrheit, gebeutelt von einer tiefen Depression, setzte er seinem in literarischer Hinsicht viel versprechenden Leben viel zu früh ein gewaltsames Ende. Was von ihm übrig blieb, sind seine an Zahl überschaubaren, an Aussagekraft und Form überwältigenden Werke.

Kleist führte ein ratloses Leben, das tragisch endete.
Nachdem Kleist seine Tätigkeit als Tageszeitungsredakteur verlor, nahm er sich am 21. November 1811 das Leben.


Weblinks:

Der rätselhafte Kleist und seine Dichtung - Ein Beitrag von 1977 zum 200. Geburtstag - www.literaturkritik.de

Kleist.EineBiografie - www.deutschlandfunk.de

>Seelen unterwegs zum Himmel - www.fr-online.de/kultur

Heinrich von Kleist 200. Todestag - literatenwelt.blogspot.com


Weblinks:

Heinrich von Kleist-Biografie - www.die-biografien.de

Heinrich von Kleist-Zitate - www.die-zitate.de

Michael Kohlhaas - www.wikiwand.com


Literatur:

Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher
Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher
von Peter Michalzik


Dienstag, 28. Oktober 2025

Leo Tolstoi bricht zu seiner letzten Reise auf

Leo Tolstoi

Im Morgengrauen eines Oktobermorgens steigt Leo Tolstoi in die Kutsche und bricht auf zu seiner letzten Reise. Es ist kurz nach vier Uhr am 28. Oktober 1910, als er plötzlich beschließt, sein Landgut Jasnaja Poljana zu verlassen. Es ist das Ende eines unglücklichen Familiendramas.

Eilig kramt der alte Mann die nötigsten Habseligkeiten zusammen, Tochter Sascha und sein Leibarzt helfen beim Packen. Tolstoi schreibt einen letzten Brief an seine Frau Sofja. "Unerträglich" sei die Situation im Haus geworden, begründet er seine Flucht, die ein tragisches Ende finden sollte.

Begonnen hatte das Familiendrama schon viele Jahre vor dieser Oktobernacht. Die Protagonisten sind der weltberühmte und verehrte Lew Nikolajewitsch Tolstoi und seine Frau Sofja Andrejewna Tolstaja. Daneben noch Tochter Alexandra, Sascha genannt, die dem Vater treu ergeben ist, ebenso wie der intrigante Wladimir Grigorjewitsch Tschertkow, Begründer des Tolstojanismus, einer Art christlicher Anarchismus.

Graf Tolstoi pflegte bis zum Beginn der 1880er Jahre auf seinem Landgut Jasnaja Poljana den Lebensstil eines russischen Adligen, lud Aristokraten und Künstler zu Bällen und zur Jagd. Später vollzog er jedoch eine Abkehr zu einem einfachen und geistigen Leben.

Weblink:

Krieg und später Frieden - www.sueddeutsche.de

Freitag, 8. November 2024

Kazuo Ishiguro 70. Geburtstag

Kazuo Ishiguro

Kazuo Ishiguro wurde am 8. November 1954 in Nagasaki geboren. Ishiguro ist ein britischer Schriftsteller japanischer Herkunft.

1960 wanderte seine Eltern aus Japan aus und er kam mit seiner Familie nach Großbritannien. Er studierte Anglistik und Philosophie, danach Kreatives Schreiben und war hauptberuflich Sozialarbeiter, bevor er sich ab 1983 rasch als freier Schriftsteller etablierte.

Kazuo Ishiguro ist ein Schriftsteller, der beides glänzend beherrscht: tiefgründig und zugleich packend zu erzählen. Er gilt als Meister der Melancholie.

Internationale Berühmtheit erlangte er durch seinen Bestseller „Was vom Tage übrig blieb“, für den er 1989 den renommierten Booker Prize erhielt und der ebenso erfolgreich verfilmt wurde wie sein 2005 veröffentlichter dystopischer Roman „Alles, was wir geben mussten“.

Nachdem Ishiguro mit seinem Debüt „Damals in Naga­saki“ beeindruckte, dem Porträt einer von späten Schuldgefühlen heimgesuchten Mutter, umfasst sein Œuvre nunmehr sieben Romane, Kurzgeschichten, daneben Drehbücher und Liedtexte.

Sein dritter und berühmtester Roman „Was vom Tage übrigblieb“ wurde 1989 mit dem Booker Prize ausgezeichnet.


Kazuo Ishiguro

Kazuo Ishiguro lebt heute in London.

Donnerstag, 22. August 2024

Ephraim Kishon 90. Geburtstag

Ephraim Kishon

Ephraim Kishon - eigentlich Ferenc Hoffmann - wurde vor 90 Jahren am 23. August 1924 in Budapest als Sohn eines Bankdirektors in eine ungarisch-jüdische Familie geboren und wuchs dort auch auf. Ephraim Kishon ist ein berühmter israelischer Schriftsteller und Erzähler des 20. Jahrhunderts. Er ist ein israelischer Satiriker ungarischer Herkunft und gilt als einer der bedeutendsten Satiriker des 20. Jahrhunderts.

Im Alter von 20 Jahren erlitt der junge Ephraim Kishon einen schweren Schicksalschlag. 1944 wurde er in ein Konzentrationslager nach Polen deportiert. Er überlebte, da ihm im letzten Kriegsjahr 1945 auf dem Weg ins Vernichtungslager Sobibor die Flucht gelang. Ein Großteil seiner Familie aber kam in den Gaskammern von Auschwitz ums Leben.

Ab 1945 feierte er erste schriftstellerische Erfolge mit Theaterstücken und Satiren. 1947 gewann er den ersten Preis des landesweiten ungarischen Romanwettbewerbs mit "Mein Kamm". 1948 machte Kishon sein Diplom als Metallbildhauer und Kunsthistoriker. Wegen der Kommunisten folgte im Mai 1949 die Auswanderung mit einem Flüchtlingsschiff nach Israel. 1949 verließ Hoffmann das kommunistische Ungarn, kam in Israel in einen Kibbuz und lernte ein Jahr lang gründlich Hebräisch. Ephraim Kishon wurde in Ungarn geboren und in Israel »neugeboren«, wie er selbst sagt.

Kishon wurde für das deutschsprachige Publikum zum wichtigsten Zeugen des Lebens im Staat Israel. Die kleine Form, die er zeitlebens pflegte, war dieser Rezeption sehr zuträglich. Ephraim Kishon lebte und arbeitete als Journalist, Schriftsteller und Regisseur (Theater, Film) in Israel und Appenzell (Schweiz).

Sein Schwerpunkt lag in der humoristischen Darstellung der israelischen Alltagsrealität und seines Familienlebens. Kishon schafft es, in seinen Satiren die Absurdität menschlichen Denkens und Handelns in spielerischer, amuesanter Form zum Ausdruck zu bringen.

Er schrieb zumeist Kurzgeschichten, aber auch Theaterstücke und Drehbücher. Kishon erhob die Satire des Alltags und der Politik zum literarischen Stilmittel. Er schrieb heiter-boshafte Wahrheiten über kleine Leute und die grosse Welt, eine Mischung aus Lebensnähe und Realabsurdem. Seine hunorvolle Geschichten stecken voller Pointen und mit Charme.

Zielscheibe von Kishons Satiren waren neben den kleinen Ärgernissen des Alltags vor allem die Bürokratie und die große und kleine Politik, speziell diejenige in Israel. Daneben war der Kunsthistoriker Kishon seit seinem Theaterstück »Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht« (1965) ein scharfer Kritiker der modernen Kunst und des dazugehörigen Kunstmarktes.



"Erfolg haben heißt, dass man immer öfter

Pausen machen kann - so lange, bis man nur noch Pausen macht."





Weltweit bekannt sind die »Familiengeschichten«, Kishons meistverkauftes Buch. Es ist, abgesehen von der Bibel, auch das meistverkaufte Buch in hebräischer Sprache. Sein im deutschen Sprachraum wohl bekanntestes Werk ist die Bürokratie-Satire »Der Blaumilchkanal«.

Großen Anteil an Ephraim Kishons Erfolg im deutschen Sprachraum hat der österreichische Schriftsteller und Theaterkritiker Friedrich Torberg, der bis zu seinem Tod im Jahre 1979 die Bücher Kishons aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte. Nach 1979 schrieb Kishon selbst auf Deutsch.

Ephraim Kishon veröffentlichte zahlreiche satirische Bücher, u.a. »Die heilige Bürokratie« un die »Familiengeschichten«. Bekannt wurde der beliebte Autor durch seine Satire »Das Kamel im Nadelöhr«. Beliebt wurde Kishon auch durch seine heiteren und humorvollen Aphorismen.

Sein Altersdomizil fand Kishon in der Nähe von Appenzell in der Schweiz. Ephraim Kishon starb am 30. Januar 2005 im Alter von 80 Jahren in Meistersrüte im Kanton Appenzell Innerrhoden in der Schweiz.

Freitag, 2. August 2024

James Baldwin 100. Geburtstag


James Baldwin wurde am 2. August 1924 in Harlem, New York City geboren. Baldwin war einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus bekannt wurde.

James Baldwin

James Baldwin war ein verehrter, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und eine Ikone der Gleichberechtigung aller Menschen, ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Herkunftsmilieus. Er war der erste schwarze Künstler auf einem Cover des ›Time Magazine‹.


Beale Street

Viele seiner Arbeiten behandeln Themen wie Rassismus und Sexualität. Seine Erzählungen sind berühmt für den persönlichen Stil, in dem Fragen der Identität von Schwarzen und Homosexuellen und damit verbundener sozialer und psychologischer Druck zur Sprache kommen, lange bevor die soziale, kulturelle oder politische Gleichstellung dieser Gruppen erkämpft wurde.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören »Go Tell It on the Mountain« Gehe hin und verkünde es vom Berge« (1953), »Giovanni's Room« (1956), »Another Country«, (1962), »Tell Me How Long the Train's Been Gone« (1968) und »Beale Street Blues« (1973).

»Gehe hin und verkünde es vom Berge«, 1953 erschienen, ist der Debütroman des afroamerikanischen Schriftstellers James Baldwin. In seinem ersten Roman schildert der afroamerikanische Schriftsteller die Auseinandersetzung des vierzehnjährigen John Grimes mit seinem Stiefvater, dem Laienprediger Gabriel Grimes, der mit seiner zweiten Frau Elizabeth und drei Kindern in Harlem lebt.
James Baldwin war nicht nur einer der begabtesten Schriftsteller seiner Generation. Er war und ist auch eine Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

James Baldwin starb am 1. Dezember 1987 in Saint-Paul-de-Vence in der Provence-Alpes-Côte d’Azur.

Literatur:




Von dieser Welt


Von dieser Welt: Roman

https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/411HLLs497L._AC_US218_.jpg
Der Drahtzieher: Ein Gabriel-Allon-Thriller
Daniel Silva Politthriller

Samstag, 22. Juni 2024

»Die Odyssee« von Homer

Die Odyssee
Die Odyssee

Das griechische Epos »Odyssee« schildert die abenteuerliche Irrfahrt des griechischen Gottes Odysseus und die Kämpfe um die kleinasiatische Stadt Troja.

Odysseus gerät nach dem Sieg über Troja, da ihm einige Götter missgünstig sind, in allerlei Abenteuer in der Ägäis und sonstwo (wer erinnert sich nicht an die Kirke, die Sirenen, den Zyklopen, Skylla und Charybdis etc.), die ihn am Heimkehren hindern, während zu Hause allerlei Freier sein Haus und seine Gattin belagern, um sich in beider Bessitz zu bringen, während sie schmausend und trinkend seinen Vieh- und Weinbestand verprassen.
Am Ende kehrt aber Odysseus dann doch heim und dank Tricks und Beistands der göttlichen Athene sowie einiger Getreuer ermordet er die unbewaffneten Freier und lässt auch noch die wehrlosen Mägde, die seiner während der Abwesenheit spotteten, am Halse aufhängen.

Jahre nach dem Ende des Trojanischen Krieges ist der griechische Held Odysseus noch immer nicht nach Ithaka zurückgekehrt. Die meisten Leute denken, dass er tot ist. Schon bald lässt uns Homer wissen, dass Odysseus auf der Insel der Göttin Calypso gefangen gehalten wird. Oh, und der Meeresgott Poseidon ist bei Odysseus verärgert und sieht keinen Grund, ihn nach Hause zu lassen.

Bei seiner Rückkehr nach Ithaka 20 Jahre späterwird Odysseus' Frau Penelope von einer Horde unerwünschter Freier überhäuft, bereit, den "toten" Odysseus zu ersetzen und natürlich nach Penelopes Hand und dem Thron der Insel zu suchen! Die Freier haben sich im Palast niedergelassen und weigern sich zu gehen, bis Penelope einen von ihnen als ihren Ehemann akzeptiert.

Odysseus wird viel gelobt. Von Göttern, von seinen Untergebenen, seiner Frau, den Lesern des Texts über Jahrhunderte. Doch wenn man sich sein Verhalten und seine Gedanken mal genauer anschaut, ergibt sich kein so wirklich erbauliches Bild: Das erste, auf das er sinnt, als er nach jahrelanger Irrfahrt nach Hause kommt, ist nicht, seinen Familie in die Arme zu schließen. Nein, er denkt an Rache. Blutige Rache, und eine seiner Ängste dabei ist, dass er allein nicht alle Freier seiner Frau erschlagen können wird, dass er dazu Hilfe braucht.

Dass Homers Texte an Brutalitäten nicht sparen, sollte jedem Leser, der die eigentlich unbedingt vorher zu lesende Ilias kennt, klar sein. Dagegen gehts in der "Odyssee" doch recht zivil zu, nur der Schluss glänzt in bester Arnold-Schwarzenegger-Manier mit einem wirklich gut gemachten Showdown, der sogar heutigen, abgehärteten Lesern kurz den Atem stocken lässt, weil er in dieser Form etwas unerwartet kommt.

Die größte Überraschung vieler Leser wird allerdings sein, dass sich die Odyssee eigentlich nur zweitrangig mit den Irrfahrten des Titelhelden beschäftigt. Viele der Szenen, die heute jeder aus Film, Fernsehen und anderen Adaptionen kennt, wie die Blendung des Kyklopen oder die Wachspropfen in den Ohren der Mannschaft, um den Sirenengesang zu mildern, werden auf wenigen Seiten abgehandelt.

Das Hauptaugenmerk liegt für Homer nicht in den Abenteuern der Irrfahrt, sondern in der Heimkehr eines verloren geglaubten Helden, mit dessen Art, mit Verlust und Heimweh umzugehen, und mit einem Umfeld in der Heimat, das sich völlig verändert und still vom einst geschätzten Hausherrn entfremdet hat. Dabei entsteht ein dichtes Psychoprofil eines trotz endloser Widerstände nie aufgebenden Menschen, das trotz seines Alters von 3.000 Jahren unglaublich modern, aktuell und vor allem kraftvoll ist:

Zuhause ist Odysseus mehr ein Fremder in einem fremden Land (geschickt vom Dichter wird die innere Entfremdung durch Odysseus' äußere Verwandlung durch Athene angedeutet), als auf all den vielen Stationen seiner Reise. Viele Kriegsrückkehrer aus allen Jahrhunderten werden seine Gefühle verstehen können.

Trotz des bluttriefenden Endes erweist sich der Dichter Homer als virtuoser Geschichtenerzähler, der mit seiner blumigen Sprache die prangenden, mannhaften Helden in ihren pferdenährenden Landschaften adjektivtriefend zur Geltung kommen lässt. Jeder Literaturfreund sollte daran seine Freude haben. Auch ist die Geschichte, die ja am Ursprung der abendländischen Dichtung steht, auch heute noch aktuell und gut verständlich, eröffnet auch einen malerischen Blick auf die altgriechische Gesellschaft und ist ein Stück Sittenbild.

Diese Modernität und Kraft spürt man allerdings kaum, wenn man sich mit der uralten, für mich zumindest kaum lesbaren versmaßtreuen Übersetzung von Voss Homer nähert. Dort geht alles in einem Gewust von toten Wörtern, gezwungenen, künstlichen Reimen und undeutscher Satzstellung unter - man beschäftigt sich so sehr damit, das Deutsch Vossens zu verstehen, dass man den Sinn und die Atmosphäre des Texts gar nicht mehr würdigen kann.

Daher ist Wolfgang Schadewaldt um so mehr zu danken, der mit dieser Prosaübersetzung eine wunderbar lesbare und trotzdem nicht zu modernisierte Fassung des uralten Epos vorlegt. Man spürt das Alter des Texts, den Rhythmus, die Sprachgewalt, und es geht nichts verloren, wenn Schadewaldt den Hexameter fallen lässt. Der heutige Leser darf daher keine Sprache wie in einem modernen Roman erwarten.


Weblinks:

Eine Reise in die Mythologie; Ithaka & Homers Odyssee - www.itinari.com

Homer -Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de



Homer-Zitate - Zitate-Portal - www.die-zitate.de


Literatur:

Die Odyssee
Die Odyssee
von Homer

Ilias Odyssee
Ilias Odyssee
von Homer

Sonntag, 28. April 2024

Karl Kraus zum 150. Geburtstag


Karl Kraus


Karl Kraus war wohl einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts. Denn er war nicht nur einfach so Publizist, sondern darüber hinaus auch Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprachforscher und Kulturkritiker, sowie vor allem ein analytischer, scharfzüngiger Beobachter der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückte, der Journaille. Ich möchte euch heute ein bisschen was über den Mann erzählen der heute vor 99 Jahren den Epilog über "Die letzten Tage der Menschheit" veröffentlichte.

Karl Kraus wurde am 28. April 1874 im böhmischen Jicín als Sohn eines örtlichen wohlhabenden jüdischen Papierfabrikanten und angesehenen Kaufmanns geboren. 1877 zogt die Familie nach Wien um, wo Kraus ab 1892 zuerst Jura, dann Philosophie und schließlich Germanistik studierte, ohne jedoch jemals das Studium wirklich abzuschließen. 1897 wurde er stattdessen Korrespondent der Breslauer Zeitung. 1899 verließ er ziemlich desillusioniert die jüdische Glaubensgemeinschaft und konvertiert übrigens zwölf Jahre später, also im Jahre 1911 zum Katholizismus.

Wieder zwölf Jahre später, im Juni 1923, trat er dann auch wieder aus diesem Verein aus, weil er erkennt das auch hier letztlich derselbe Dogmatismus herrschte wie im Judentum. Sein Privatleben war übrigens primär geprägt von der langjährigen Beziehung zur böhmischen Baronin Sidonie Nádherny von Borutin, die er bereits 1913 kennen lernt. Zwar erwiderte die seine Liebe nicht, doch bleiben sich die beiden eng verbunden, besuchten sich häufig und unternehmen gemeinsame Urlaubsreisen. Bereits seit 1892 für die Wiener Literaturzeitung immer wieder journalistisch tätig, gründete er im April 1899 die Zeitschrift „Die Fackel“.

Auf dieser Plattform wendet er sich gegen die Verlogenheit, Dummheit und Korrumpierbarkeit, den Militarismus und den Bürokratismus der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Zeitschrift erscheint immerhin 37 Jahre lang mit Kraus als dem verantwortlichen Herausgeber und ab 1911 sogar mit ihm als primären Autor welcher im Grunde die meisten Beiträge wohl auch letztlich entscheidend geprägt haben dürfte. Zielrichtung seiner über 500 Artikel ist von Anfang an die Bekämpfung der seiner Meinung nach eklatanten sprachlichen Verwahrlosung seiner Zeit. Kraus ist im Grunde von den Möglichkeiten mit Sprache ein und denselben Sachverhalt auf unterschiedliche Art und Weise darzustellen geradezu besessen und führt das Unheil der Welt letztlich auf den gedankenlosen Gebrauch der Sprache in der zwischenmenschlichen Kommunikation innerhalb der Gesellschaft zurück. Die "Fackel" macht Kraus bei seinen Gegnern gefürchtet. Immer wieder wird er in Prozesse verwickelt, die er aber wegen seiner guten Recherche allesamt gewinnt. Eine der bekanntesten Skandale im wilhelminischen Kaiserreich war die "Affäre Eulenburg", in der Kraus den Publizisten Maximilian Harden argumentativ buchstäblich demontierte und so quasi literarisch "hinrichtete". Für seine Bewunderer hingegen wird Kraus spätestens jetzt durch die scharfzüngigen Beiträge zu einer zornigen Autorität, die im Wien der Jahrhundertwende ihresgleichen suchte.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs schwieg Karl Kraus zunächst in der Öffentlichkeit, seine Zeitschrift „Die Fackel“ erschien auch nach der üblichen Sommerpause nicht. Erst am 19. November 1914 hielt er in seiner 80. Vorlesung als Gastdozent an der Berliner Uni einen sehr analytischen Vortrag über diese vermeintlich so große Zeit, welcher dann auch in der Nr. 404 von "Die Fackel" am 5. Dezember 1914 unter dem Titel „ Die Anrede“ als Artikel erschien. Darin wandte er sich entschieden gegen den Krieg, was er übrigens durch Fakten und nicht durch Polemik belegte. Aber auf die Katastrophe des Ersten Weltkriegs antwortet Karl Kraus letztlich mit der bitterbösen Realsatire "Die letzten Tage der Menschheit“. Die Realität des Krieges als Farce? Nicht ganz. Er beschrieb alles, die Gasangriffe, der zähe Stellungskampf oder das Sterben im aufgeweichten Sumpf der Schützengräben. Er brachte es auf den Punkt oder kurz gesagt, seine Credo lautete schlicht, was sie nicht sofort tötete, zermürbte die Soldaten und daheim verhungern derweil die Familien. Die Lage war letztlich von Anfang an hoffnungslos.

Aber für die beiden Hauptverbündeten, also das deutsche und das österreichisch-ungarische Kaiserreich, gab es halt kein Zurück mehr. Das Verheizen von Menschen und Material ging weiter, dabei unterstützt von einem Propagandaapparat, den heuchlerische Kriegsberichterstatter und andere Claqueure mit einseitigen Berichten fütterten. Kritischere Texte verhinderte die Zensur der Mittelmächte. Deshalb konnte der österreichische Realsatiriker Karl Kraus seine in den Jahren ab 1915 verfasste bitterböse Abrechnung eben auch erst nach dem Waffenstillstand veröffentlichen. Aber immerhin gleich vier Wochen später, am 13. Dezember 1918, brachte er den Epilog als ersten Teil seiner monumentalen Antikriegstragödie "Die letzten Tage der Menschheit" in einer Sondernummer seiner Zeitschrift "Die Fackel" heraus. So eilig hatte er es, diesen apokalyptischen Abgesang, der zu großen Teilen heute noch aktuell wirkt, unter die Leute zu bringen. Es ihnen endlich um die Ohren zu hauen, was er von ihnen hielt, von den Mächtigen, die "mit Munition regieren", von den Fabrikanten, die vom Sterben profitieren, von den Kriegstreibern und Höflingen, die die "Sprache durch ihr Sprechen beschmutzen", von all den Händlern, Helden und Bombenwerfern. Hüben wie drüben hätten sie, so zumindest lässt er eine "Stimme von Oben" predigen:

"Im Frevel geeint, von Süden bis Norden
den Geist nur verwendet, um Leiber zu morden
und einverständlich von Osten bis Westen
die Luft mit Rache und Rauch zu verpesten".


Karl Kraus entwarf hier letztlich ein fast visionäres Szenarium. Ein letztes Mal treten die zynischsten aller Subjekte auf und wie die auftreten. Journalisten schießen Fotos anstatt Sterbenden zu helfen, fliehende Generäle holpern mit dem Automobil wild hupend über Leichen und ein Ingenieur namens Abendrot präsentiert stolz seine neueste Erfindung. Einfach per Knopfdruck tötet er geräuschlos Tausende von Soldaten. Am Horizont erscheinen Flammenwände und später, als das Inferno einsetzt, das die Erde und ihre Bewohner komplett zerstören wird, regnet es Blut und Asche. Der Mars schickt ein Meteoritenbombardement samt Weltendonner. Klingt toll, aber das auf die Bühne zu bringen, Puh! Was für eine Herausforderung für Regie und Bühnenbild! In mehr als zweihundert nur lose zusammenhängenden Szenen, die größtenteils auf authentischen zeitgenössischen Quellen beruhen, wird die Unmenschlichkeit und Absurdität des Krieges ohne falsches Pathos, ja schon fast klinisch steril, dargestellt. Über ein Drittel des endgültigen Textes ist übrigens tatsächlich aus echten Zitaten montiert. Nämlich aus Zeitungen, militärischen Tagesbefehlen, Gerichtsurteilen, eigenen und fremden Briefen, Verordnungen und Erlässen, Verlautbarungen des Kriegspressequartiers, Anordnungen der Zivilbehörden, Kriegspredigten, Ansprachen, Prospekte, aber auch Postkarten, Fotos, Plakaten, usw. Kraus schrieb darüber im Vorwort: „Die unwahrscheinlichsten Taten, die hier gemeldet werden, sind wirklich geschehen; ich habe gemalt, was sie nur taten. Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt werden, sind wörtlich gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate.“ Das Stück ist übrigens einem fiktiven „Marstheater“ zugedacht und führt in "hundert Szenen und Höllen", seine Helden sind "Operettenfiguren, welche die Tragödie der Menschheit aufführen". Der Text der Weltkriegstragödie ist authentisch, noch die grellste Erfindung ein Zitat. Dennoch sei, was aus dieser "Versuchsstation des Weltunterganges" dringt, so gestand Karl Kraus, das "Echo meines blutigen Wahnsinns". Nach "irdischer Zeitrechnung", so schätzte der Wiener Moralist, müssten für „Die letzten Tage der Menschheit“ zehn Abende vergehen. In der vorzüglichen Hörspielfassung des Österreichischen Rundfunks, für die 1974 alle 220 Szenen vom Blatt gesprochen wurden, sind es exakt 22 Stunden und 12 Minuten. Aber als echtes Theaterstück ist es übrigens bisher auch noch nie komplett auf der Bühne aufgeführt worden.

Natürlich lässt sich dieses Stück nicht aufführen. Die spärlichen Versuche, es in Ausschnitten auf eine Theaterbühne zu zwingen, blieben stets unbefriedigend. Denn der fragmentarische Charakter dieser Aufführungen reduzierte es noch in jedem Fall auf groteske Anekdoten, welche die kosmische Dimension, die der Autor seinem Werk zugedacht hatte, zerstörten. Das Weltgericht verkümmert zum schrillen Panoptikum kakanischer Unwürdenträger, die allesamt so authentisch sind, wie es einst die spaßigen Soldatenkarikaturen eines Fritz Schönpflug in der Muskete waren. Aber das war letztlich nicht das Problem des Verfassers. Vielmehr knabberte Karl Kraus an der Frage, wer genau für den Terror und Horror auf den Schlachtfeldern verantwortlich zu machen wäre. Lange dachte er es wäre das jüdische Großbürgertum, speziell Kapital und Presse, und noch spezieller der "Antichrist" Moriz Benedikt, seines Zeichens Chefredakteur der Neuen Freien Presse in Wien, gewesen. Die erste Fassung des Dramas ist dabei noch wesentlich geprägt von Kraus’ konservativer Haltung, die er bis in die zweite Hälfte des Weltkriegs beibehielt.

Er war nämlich, so kurios es klingen mag, ein Verehrer des Thronfolgers Franz Ferdinand gewesen, ja mehr noch, er schätzte die Habsburger und das österreichische Militär extrem hoch ein. Erst ab etwa dem Beginn des Jahres 1917 löste er sich von dieser Sicht und näherte sich an die Sozialdemokratie an. Neben der Presse machte er jetzt eben wie gesagt auch die Habsburger, verantwortungslose Politiker und Militärs für den Krieg verantwortlich. Besonders scharf griff er den deutschen Kaiser Wilhelm II. an, dem er, übrigens gestützt auf Erinnerungen seiner Zeitgenossen an ihn, totale Inkompetenz, Größenwahn und Sadismus vorwarf. Aber das reichte ihm scheinbar immer noch nicht. Denn in dem Epilog, den er im Sommer 1917 schrieb, modifizierte erstmals seine antisemitischen Attacken. Nicht der Jude als solcher, sondern die Menschheit an sich sei schuldig.

Denn gibt es neben den Großkotzigen nicht unzählige schweigende Kleingeister, die die Katastrophe nicht verhinderten? Trotz aller Polemik, der Autor selbst spielte natürlich eine Sonderrolle. Während Millionen jubelten und starben, dokumentierte er ja den Aberwitz des Krieges für seine in der Tat einzigartige Tragödie von den "letzten Tagen der Menschheit". Bei der Uraufführung des Epilogs sprach Karl Kraus denn auch den allerletzten Satz, mit dem Gott das Drama höchstpersönlich abschließt, indem er Wilhelm II., den deutschen Kaiser, zitiert, der seine Hände so verlogen in Unschuld wusch: "Ich habe es nicht gewollt." So klingt entweder bitterböse Ironie, oder nihilistische Menschenverachtung!

Bedingt durch seine stark veränderte Einstellung zu den Habsburgern und dem Militär sowie auch durch erst nach Kriegsende zugängliche Informationen veränderte Kraus in den nächsten Monaten die Letzten Tage wesentlich. Rund 50 Szenen kamen neu hinzu, während nur eine gestrichen wurde. Die Szenenabfolge wurde völlig verändert. Die Dialoge zwischen dem Optimisten und dem Nörgler wurden wesentlich ausgebaut, ebenso die deutschlandkritischen Bereiche. Die Verehrer der Reichspost wurden eingefügt, um neben der liberalen Neuen Freien Presse nun auch die christlich-soziale Reichspost bloßzustellen. Die sogenannte Buchausgabe erschien am 26. Mai 1922 in einer Auflage von 5.000 Stück, eine zweite, gleich hohe Auflage folgte im Dezember. Die dritte Auflage 1926 von 7.000 Stück blieb bis zum Tode von Kraus lieferbar.

In seinen nachfolgenden Essays zu Literatur, Dichtern und Zeitgeschehen profilierte er sich auch später nicht nur als sarkastischer Satiriker, sondern wendet sich auch immer wieder gegen prominente Zeitgenossen. Legendär ist zum Beispiel seine Fehde mit dem Berliner Feuilletonisten Alfred Kerr. Kraus beschäftigt sich auch intensiv mit Shakespeare, dessen teilweise jahrzehntealte Übersetzungen etlicher Dramen er nicht nur grundlegend überarbeitet, sondern falls notwendig auch Shakespeares Sonette nachdichtet, um sie so seinem deutschsprachigen Publikum überhaupt erst mal verständlich zu machen. Im Alter wurde Kraus immer verbitterter. Vor allem die Machtergreifung der Nationalsozialisten deprimierte ihn stark. Schon zwei Wochen nach der Machtergreifung im Jahr 1933 erklärten die Nationalsozialisten in der logischen Konsequenz seine Werke daraufhin für unerwünscht und schädlich. Von den Bücherverbrennungen werden sie jedoch verschont, was Kraus allerdings nun weniger gefiel.

Seinen bereits im Druck befindlichen Essay "Die dritte Walpurgisnacht", in dem er sich Ende 1933 hart mit den Nazis auseinandersetzte und der mit dem berühmten Satz "Mir fällt zu Hitler nichts ein" begann, zog er kurz vor der Auslieferung am 13. Dezember 1933 doch noch zurück. Er verzichtete deswegen auf eine Veröffentlichung, weil er nämlich zurecht fürchtet, die Faschisten könnten sich für dieses Werk mit der Ermordung von Juden rächen. Am 12. Juni 1936 starb Karl Kraus in Wien und erlebte so nicht mehr, wie sein Heimatland von den Deutschen kurzerhand übernommen wurde.

Freitag, 7. Juli 2023

»Dem Ziel entgegen« von Hermann Hesse

Hermann Hesse

»Immer bin ich ohne Ziel gegangen,
wollte nie zu einer Rast gelangen,
meine Wege schienen ohne Ende.

Endlich sah ich, daß ich nur im Kreise
wanderte, und wurde müd der Reise.
Jener Tag war meines lebens Wende.

Zögernd geh ich nun dem Ziel entgegen,
denn ich weiß: Auf allen meinen Wegen
steht der Tod und bietet mir die Hände.«


»Dem Ziel entgegen« von Hermann Hesse (1877 - 1962)


Mittwoch, 31. Mai 2023

Ludwig Tieck 250. Geburtstag

Ludwig Tieck

Ludwig Tieck wurde vor 250 Jahren am 31. Mai 1773 in Berlin als Sohn eines Seilers geboren.

Ludwig Tieck war ein deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Früh-Romantik. Er zählte zu den vielseitigsten und produktivsten Dichtern des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts. Er bewegte sich in Kreisen der Frühromantiker und war einer der wichtigsten Vertreter der sogenannten Jenaer Romantik.

Tieck wurde u. a. durch seine Shakespeare-Übersetzungen und als Herausgeber einer Vielzahl von Texten der Frühromantiker bekannt. Er selbst schrieb Bühnenstücke, Gedichte, Romane, Novellen und Märchen. Seine Märchen und Erzählungen machten Ludwig Tieck zu einem der bedeutendsten Dichter der Frühromantik in Deutschland.

Er studierte Theologie, Philosophie und Literatur. 1799 bewegte er sich in Jena im Kreis der Frühromantiker. Er hielt sich 1799 und 1800 in Jena auf, wo er zu den beiden Schlegel-Brüdern Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Novalis, Clemens Brentano, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling in freundschaftliche Beziehungen trat. Zusammen bildete der Kreis die sogenannte Jenaer Frühromantik. Für die von den Schlegels entwickelten Theorien lieferte Tieck die literarischen Beispiele.

Ab 1792 studierte er Geschichte, Philologie, alte und neue Literatur in Halle (Saale) (1792), Göttingen (1792/1793, 1793/1794) und Erlangen (1793, dort zusammen mit Wackenroder. Das eigentliche Ziel des Studiums war ihm wohl die Ausbildung zum freien Schriftsteller. Schon damals beschäftigte er sich eingehend mit Shakespeare.

Zur selben Zeit erschienen seine ersten Erzählungen und Romane »Peter Lebrecht, eine Geschichte ohne Abenteuerlichkeiten« (1795, zwei Bände), »William Lovell« (1795–1796, drei Bände) und »Abdallah« (1796). Seit dieser Zeit beteiligte sich Tieck an Wackenroders Schriften »Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders«, Ende 1796 erschienen, und »Phantasien über die Kunst, für Freunde der Kunst« (1799).

Seinen Übergang zur eigentlichen Romantik vollziehend, unternahm Tieck nun die bald dramatisch-satirische, bald schlicht erzählende Bearbeitung alter Volkssagen und Märchen, die er unter dem Titel Volksmärchen von »Peter Lebrecht« 1797 in drei Bänden veröffentlichte.

Während der Studienzeit in Erlangen unternahm er zusammen mit Wackenroder Reisen nach Nürnberg sowie durch die Fränkische Schweiz bis ins Fichtelgebirge, aber auch zum barocken Schloss Weißenstein bei Pommersfelden. Die Erlebnisse auf diesen Touren hielt er in nachmals berühmten Reisebeschreibungen fest.

1793 ritten Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck in die Fränkische Schweiz. Sie machen sich 1793 auf den Weg in die Fränkische Schweiz. Bekannt wurde die Reise durch die Schilderung ihrer »Pfingstreise von 1793 durch die Fränkische Schweiz, den Frankenwald und das Fichtelgebirge«.

1794 brach Tieck das Studium ab und kehrte nach Berlin zurück. Dort begann er noch ein Jurastudium, das er ebenfalls abbrach.

Tieck wurde u. a. durch seine Shakespeare-Übersetzungen und als Herausgeber einer Vielzahl von Texten der Frühromantiker bekannt. Er selbst schrieb Bühnenstücke, Gedichte, Romane, Novellen und Märchen. Bekannte Werke sind beispielsweise die Romane »Die Geschichte des Herrn William Lovell« (1795/96) und »Franz Sternbalds Wanderungen« (1798), die Novelle »Die Gesellschaft auf dem Lande« (1824) oder die Märchen »Der gestiefelte Kater“ (1797), »Ritter Blaubart« (1797) und »Der blonde Eckbert« (1797).
Der Roman »Peter Lebrecht« wurde erstmalig in zwei Teilen veröffentlicht in Leipzig/Berlin 1795/96.

Der vielstimmige Briefroman »William Lovell« wurde 1795 und 1796 in drei Bänden veröffentlicht und schildert die Verbildung eines empfindsamen Charakters zu Libertinage, Genußphilosophie und Verbrechen. Der melancholische Phantast William Lovell ist eine Vorform des romantischen Künstlers - wie z. B. des Titelhelden von Tiecks Roman »Franz Sternbald« - und beeinflußte unmittelbar Hölderlins »Hyperion«, Jean Pauls »Titan«, Büchners »Leonce und Lena« und andere mehr.

Der Künstler- und Bildungsroman »Franz Sternbalds Wanderungen« wurde 1798 veröffentlicht.

1804/05 Aufenthalt in Italien. 1817 in England, Beschäftigung mit Shakespeare. Seit 1825 war er Dramaturg des Hoftheaters Dresden.

1841 rief König Friedrich Wilhelm IV. den Dichter nach Berlin, wo er, durch Kränklichkeit zumeist an das Haus gefesselt und durch den Tod fast aller näheren Angehörigen sehr vereinsamt, ein zwar ehrenvolles und sorgenfreies, aber im ganzen sehr resigniertes Alter verlebte. König Friedrich Wilhelm IV., der ihn sehr schätzte, berief ihn am 31. Mai 1842 in den neugegründeten preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste als Gründungsmitglied.

Ludwig Tieck starb am 28. April 1853 in Berlin.



   Bücher von Ludwig Tieck

William Lovell
William Lovell
Franz Sternbalds Wanderungen
Franz Sternbalds Wanderungen
Der gestiefelte Kater
Der gestiefelte Kater
Peter Lebrecht, eine Geschichte ohne Abenteuerlichkeiten
Peter Lebrecht
Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders
Herzensergießungen eines
kunstliebenden Klosterbruders


Weblinks:

Ludwig Tieck-Biografie - www.die-biografien.de

Ludwig Tieck-Zitate - www.die-zitate.de

Romantik - wortwuchs.net

Heidelberger Romantik - wortwuchs.net

Freitag, 28. April 2023

Ludwig Tieck 170. Todestag

Ludwig Tieck

Ludwig Tieck starb vor 170 Jahren am 28. April 1853 in Berlin.

Ludwig Tieck war ein deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Früh-Romantik. Er zählte zu den vielseitigsten und produktivsten Dichtern des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts. Er bewegte sich in Kreisen der Frühromantiker und war einer der wichtigsten Vertreter der sogenannten Jenaer Romantik.

Tieck wurde u. a. durch seine Shakespeare-Übersetzungen und als Herausgeber einer Vielzahl von Texten der Frühromantiker bekannt. Er selbst schrieb Bühnenstücke, Gedichte, Romane, Novellen und Märchen. Seine Märchen und Erzählungen machten Ludwig Tieck zu einem der bedeutendsten Dichter der Frühromantik in Deutschland.

Er studierte Theologie, Philosophie und Literatur. 1799 bewegte er sich in Jena im Kreis der Frühromantiker. Er hielt sich 1799 und 1800 in Jena auf, wo er zu den beiden Schlegel-Brüdern Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Novalis, Clemens Brentano, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling in freundschaftliche Beziehungen trat. Zusammen bildete der Kreis die sogenannte Jenaer Frühromantik. Für die von den Schlegels entwickelten Theorien lieferte Tieck die literarischen Beispiele.

Ab 1792 studierte er Geschichte, Philologie, alte und neue Literatur in Halle (Saale) (1792), Göttingen (1792/1793, 1793/1794) und Erlangen (1793, dort zusammen mit Wackenroder. Das eigentliche Ziel des Studiums war ihm wohl die Ausbildung zum freien Schriftsteller. Schon damals beschäftigte er sich eingehend mit Shakespeare.

Zur selben Zeit erschienen seine ersten Erzählungen und Romane »Peter Lebrecht, eine Geschichte ohne Abenteuerlichkeiten« (1795, zwei Bände), »William Lovell« (1795–1796, drei Bände) und »Abdallah« (1796). Seit dieser Zeit beteiligte sich Tieck an Wackenroders Schriften »Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders«, Ende 1796 erschienen, und »Phantasien über die Kunst, für Freunde der Kunst« (1799).

Seinen Übergang zur eigentlichen Romantik vollziehend, unternahm Tieck nun die bald dramatisch-satirische, bald schlicht erzählende Bearbeitung alter Volkssagen und Märchen, die er unter dem Titel Volksmärchen von »Peter Lebrecht« 1797 in drei Bänden veröffentlichte.

Während der Studienzeit in Erlangen unternahm er zusammen mit Wackenroder Reisen nach Nürnberg sowie durch die Fränkische Schweiz bis ins Fichtelgebirge, aber auch zum barocken Schloss Weißenstein bei Pommersfelden. Die Erlebnisse auf diesen Touren hielt er in nachmals berühmten Reisebeschreibungen fest.

1793 ritten Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck in die Fränkische Schweiz. Sie machen sich 1793 auf den Weg in die Fränkische Schweiz. Bekannt wurde die Reise durch die Schilderung ihrer »Pfingstreise von 1793 durch die Fränkische Schweiz, den Frankenwald und das Fichtelgebirge«.

1794 brach Tieck das Studium ab und kehrte nach Berlin zurück. Dort begann er noch ein Jurastudium, das er ebenfalls abbrach.

Tieck wurde u. a. durch seine Shakespeare-Übersetzungen und als Herausgeber einer Vielzahl von Texten der Frühromantiker bekannt. Er selbst schrieb Bühnenstücke, Gedichte, Romane, Novellen und Märchen. Bekannte Werke sind beispielsweise die Romane »Die Geschichte des Herrn William Lovell« (1795/96) und »Franz Sternbalds Wanderungen« (1798), die Novelle »Die Gesellschaft auf dem Lande« (1824) oder die Märchen »Der gestiefelte Kater“ (1797), »Ritter Blaubart« (1797) und »Der blonde Eckbert« (1797).
Der Roman »Peter Lebrecht« wurde erstmalig in zwei Teilen veröffentlicht in Leipzig/Berlin 1795/96.

Der vielstimmige Briefroman »William Lovell« wurde 1795 und 1796 in drei Bänden veröffentlicht und schildert die Verbildung eines empfindsamen Charakters zu Libertinage, Genußphilosophie und Verbrechen. Der melancholische Phantast William Lovell ist eine Vorform des romantischen Künstlers - wie z. B. des Titelhelden von Tiecks Roman »Franz Sternbald« - und beeinflußte unmittelbar Hölderlins »Hyperion«, Jean Pauls »Titan«, Büchners »Leonce und Lena« und andere mehr.

Der Künstler- und Bildungsroman »Franz Sternbalds Wanderungen« wurde 1798 veröffentlicht.

1804/05 Aufenthalt in Italien. 1817 in England, Beschäftigung mit Shakespeare. Seit 1825 war er Dramaturg des Hoftheaters Dresden.

1841 rief König Friedrich Wilhelm IV. den Dichter nach Berlin, wo er, durch Kränklichkeit zumeist an das Haus gefesselt und durch den Tod fast aller näheren Angehörigen sehr vereinsamt, ein zwar ehrenvolles und sorgenfreies, aber im ganzen sehr resigniertes Alter verlebte. König Friedrich Wilhelm IV., der ihn sehr schätzte, berief ihn am 31. Mai 1842 in den neugegründeten preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste als Gründungsmitglied.

Ludwig Tieck wurde am 31. Mai 1773 in Berlin als Sohn eines Seilers geboren.

   Bücher von Ludwig Tieck

William Lovell
William Lovell
Franz Sternbalds Wanderungen
Franz Sternbalds Wanderungen
Der gestiefelte Kater
Der gestiefelte Kater
Peter Lebrecht, eine Geschichte ohne Abenteuerlichkeiten
Peter Lebrecht
Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders
Herzensergießungen eines
kunstliebenden Klosterbruders

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Sonntag, 2. April 2023

György Konrád 90. Geburtstag


György Konrád wurde vor 90 Jahren am 2. April 1933 in Debrecen geboren. György Konrád war ein ungarischer Schriftsteller, Essayist und Soziologe jüdischer Herkunft. Er gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller und Essayisten seines Landes, wurde für seine literarischen Werke vielfach ausgezeichnet und genießt weltweite Anerkennung als einer der wichtigsten Theoretiker eines "neuen Mitteleuropas".

Im Jahr 1944 entging er nur knapp der Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz durch das Eichmann-Kommando und dessen ungarische Helfer. Mit seinen Geschwistern floh er zu Verwandten nach Budapest und lebte dort in einer Wohnung unter dem Schutz des Schweizer Vizekonsuls Carl Lutz. Seine Eltern waren am 15. Mai 1944 deportiert worden und überlebten die Zwangsarbeit. Die Ereignisse dieser Jahre beschrieb er in seinen Romanen "Heimkehr" und "Glück".

Studium der Literatur, Soziologie und Psychologie in Budapest (bis 1956), danach Tätigkeiten als Fürsorger, Soziologe und Psychologe. Von 1959 bis 1965 Jugendschutzinspektor für die Vormundschaftsbehörde in einem Budapester Stadtbezirk; nebenher Publikation erster Essays. 1965 wurde er als Soziologe im Budapester Institut und Planungsbüro für Städtebau beschäftigt.

Sein viel beachtetes Romandebüt gab er 1969 mit „Der Besucher“; fortan konzentrierte er sich zunehmend auf die literarische Arbeit. Zwischen 1978 und 1988 in Ungarn mit Publikationsverbot belegt, unternahm er ausgedehnte Studien und Reisen durch Westeuropa, Amerika und Australien.

Konráds Romane sind vom Mitleid mit den Ausgestossenen der modernen Stadt geprägt. Er verarbeitete dabei seine Erfahrungen als Sozialarbeiter, so z.B. in "Der Besuch" (1969). Der systemkritische Essay "Die Intelligenz auf dem Wege zur Klassenmacht" kostete ihn 1973 seinen Arbeitsplatz.

1975 erschien "Der Stadtgründer", eine literarische Verarbeitung seiner Erfahrungen mit der sozialistischen Stadtplanung.

Konrad bekam in seiner Heimat Publikationsverbot. In dieser Zeit entstand der Roman "Der Komplize", der sich mit dem Schicksal der Intellektuellen innerhalb der Staatskultur befasst.

Seine Kritik am Staat und die Sympathie für die polnische "Solidarnosc"-Bewegung verschärften die Angriffe der Kommunisten gegen ihn.

Sein Essayband "Antipolitik. Mitteleuropäische Meditationen" (1985) trug wesentlich zur Demokratisierung Ungarns bei.

Nach dem demokratischen Aufbruch in Mittel- und Osteuropa wurde er im Mai 1990 zum Präsidenten des Internationalen PEN-Clubs gewählt (bis 1993, seither Vizepräsident), 1997 wurde er Präsident der Akademie der Künste.

Im Mai 1990 wurde Konrád Präsident des Internationalen PEN-Clubs - eine Reverenz an den intellektuelle Opposition.

Mit dem "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" 1993 wurde sein Engagement für die Überwindung der europäischen Teilung nach 1945 gewürdigt.

Seine autobiografische Trilogie "Geisterfest", "Melinda und Dragoman", "Steinuhr" hielt ihn auch als Schriftsteller im Gespräch.

György Konrád starb am †13. September 2019 in Budapest.

Weblinks:

György Konrád konradgyorgy.hu

Biographie von György Konrád (Karlspreis 2001)

Montag, 5. Dezember 2022

Peter Handke 80. Geburtstag

Peter Handke


Peter Handke wurde vor 80 Jahren am 6. Dezember 1942 in Griffen in Kärnten nahe der slowensichen Grenze geboren. Peter Handke ist ein bekannter österreichischer Lyriker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur. Er gilt als vielseitiger Schriftsteller und als Meister der Form.

Zwischen 1954 und 1959 besuchte Handke das Gymnasium in Tanzenberg (Kärnten) und das dazugehörige Internat. Nach dem Abitur im Jahr 1961 studierte er in Graz Jura. Im März 1966, als Peter Handke sein Studium vor der letzten und abschließenden Prüfung abgebrochen hatte, erschien sein erster Roman "Die Hornissen". Im selben Jahr 1966 erfolgte die Inszenierung seines inzwischen legendären Theaterstücks "Publikumsbeschimpfung" in Frankfurt am Main unter der Regie von Claus Peymann.

Nach seinem Romandebüt "Die Hornissen" (1966) versuchte er sich vom deutschsprachigen Literatur-Establishment zu distanzieren. Er verfremdete literarische Vorbilder und benutzte optische und akustische Medien, um seine Poetik des Sehens zu verwirklichen.


Schon in frühen Jahren sorgte der junge Handke im Literaturbetrieb für Aufsehen, u.a in der »Gruppe 47«. Der blutjunge Anfängerpoet Handke, damals schon mit Sonnenbrille selbst bei Regen, beschimpfte und beleidigte seine älteren Kollegen, die schon über einen kleinen Nachkriegsruhm verfügten. Einmal warf er den Schriftstellern "Erkenntnisunfähigkeit" vor. Seitdem hat er über 100 Erzählungen und Prosawerke verfaßt:

"Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" (1970), "Wunschloses Unglück" (1972), "Der kurze Brief zum langen Abschied" (1972), "Die linkshändige Frau" (1976), "Das Gewicht der Welt" (1977), "Langsame Heimkehr" (1979), "Die Lehre der Sainte-Victoire" (1980), "Der Chinese des Schmerzes" (1983), "Die Wiederholung" (1986), "Versuch über die Müdigkeit" (1989), "Versuch über die Jukebox" (1990), "Versuch über den geglückten Tag" (1991), "Mein Jahr in der Niemandsbucht" (1994), "Der Bildverlust" (2002), "Die Morawische Nacht" (2008), "Der Große Fall" (2011), "Versuch über den Stillen Ort" (2012), "Versuch über den Pilznarren" (2013).

Auf die "Publikumsbeschimpfung" 1966 folgt 1968 das Stück "Kaspar"- ebenfalls in Frankfurt am Main uraufgeführt. Von hier spannt sich der Bogen weiter über "Der Ritt über den Bodensee" (1971), "Die Unvernünftigen sterben aus" (1974), "Über die Dörfer" (1981), "Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land" (1990), "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten" (1992), über den "Untertagblues" (2004) und "Bis daß der Tag euch scheidet" (2009) über das dramatische Epos "Immer noch Sturm" (2011) bis zum Sommerdialog "Die schönen Tage von Aranjuez" (2012) zu "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße" (2016).


Darüber hinaus hat Peter Handke viele Prosawerke und Stücke von Schriftsteller-Kollegen ins Deutsche übertragen: Aus dem Griechischen Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides, aus dem Französischen Emmanuel Bove - unter anderem "Meine Freunde", René Char und Francis Ponge, aus dem Amerikanischen Walker Percy. Handke ist ein großartiger Übersetzer: Bove, Char, Goldschmidt, Ponge, Mondiano, Duras, Genet, Julien Green, Walker, Sophokles, Euripides, Shakespeare.

Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen - auch als Lyriker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur ist Peter Handke aufgetreten - erklärte er selbst 2007 mit den Worten: »Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.« Seine wahre Könnerschaft entfaltet Peter Handke in der kurzen Form. "Seine Politik der kleinen Schritte", wie er sie in seinem soeben erst zu seinem 80. Geburtstag erschienenen Notizbuch "Die Zeit und die Räume" von 1978 nennt, ließ ihn immer wieder lange Strecken zu Fuß gehen, ob in Spanien, Jugoslawien, Griechenland oder Frankreich.

Literatur und Aufmüpfigkeit, Sprache und Rebellion - sie begleiten Peter Handke sein Leben lang. Handke deckt in seine Schreiben gegen den Zeitgeist seine Wunden schonungslos auf, lässt teilhaben an seinen Verletzungen. Seine ständige literarische "Aufarbeitung" ist ein großer Gewinn für die Literatur.

"Das Kunstwerk als die sanfte Lebensohrfeige, als die Backpfeife hin zum Leben. Es muss ja nicht immer die Axt für das gefrorene Meer in uns sein." So heißt es in Peter Handkes Aufzeichnungen "Gestern unterwegs" einmal in Anspielung an Franz Kafkas berühmte Wendung in einem Brief vom 27. Januar 1904, ein Satz, der übrigens damit beginnt, dass Bücher uns aufwecken sollten wie "ein Faustschlag auf den Schädel".

Handkes Werk umfaßt bislang 102 Romane und 135.000 Notizseiten. Mit "Wunschloses Unglück" und "Die linkshändige Frau" schrieb Peter Handke moderne Klassiker. Einige seiner Romane wie »Die Angst des Tormannes vor dem Elfmeter« und »Wunschloses Unglück« sind in die Umganssprache eingegangen.

Die Zeit und die Räume: Notizbuch. 24. April – 26. August 1978

Anlässlich des 80. Geburtstags des Nobelpreisträgers wird nun eines seiner Notizbücher erstmals vollständig in einer Transkription der Handschrift veröffentlicht. Es dokumentiert vor allem eine ausgedehnte Reise, die Peter Handke im Sommer 1978 zu Fuß, mit dem Bus und per Bahn unternahm und die ihn von seiner Herkunftsgegend Kärnten nach Slowenien, in den Karst und weiter nach Norditalien führte. Neben dem fortlaufend Niedergeschriebenen erweisen sich auch die vielen, teils ganzseitigen Zeichnungen als wichtige Vorarbeiten für die später erschienenen Erzählungen, insbesondere »Langsame Heimkehr« und »Die Wiederholung«.



Literatur: [ >> ]:

Wunschloses Unglück
Wunschloses Unglück
von Peter Handke

Die Zeit und die Räume: Notizbuch. 24. April – 26. August 1978
Die Zeit und die Räume: Notizbuch. 24. April – 26. August 1978
von Peter Handke

Blog-Artikel:

Handke-Drama - Handke-Drama-Blogspot.de

Peter Handke

Sonntag, 24. Juli 2022

Alexandre Dumas der Ältere 220. Geburtstag

Alexandre Dumas der Ältere

Alexandre Dumas der Ältere wurde vor 220 Jahren am 24. Juli 1802 in Villers-Cotterêts, Département Aisne, geboren. Alexandre Dumas war ein französischer Schriftsteller. Alexandre Dumas schrieb historische Romane, Abenteuerromane, Reiseliteratur und Novellen. Heute ist er vor allem durch seine zu Klassikern gewordenen Historienromane bekannt. Alexandre Dumas' mitreißend erzählter Historienroman aus dem Jahr 1844 ist die wohl beste und meistgelesene Mantel- und Degengeschichte aller Zeiten.

1830 war Dumas aktiv an der Julirevolution beteiligt. Schon 1832 jedoch ging er auf Distanz zu seinem ehemaligen Protektor König Louis-Philippe. Dies hinderte ihn nicht, 1833 seinen neuen Status als Erfolgsautor mit einem Fest für die Pariser Literatenkollegen zu demonstrieren.

Dumas d. Ä. unternahm Reisen an den Rheins im Jahre 1838, in die Schweiz, eine Reise in den Kaukasus, nach Spanien und Nordafrika, und eine Reise durch Rußland.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Historienromane »Die drei Musketiere« (1844) und »Der Graf von Monte Christo« (1845–46), »Königin Margot« (1845), »Der Mann mit der eisernen Maske« und »Das Halsband der Königin« (1848–50).

»Der Graf von Monte Christo« ist der klassische Abenteuerroman um Verrat und Rache. Dumas Roman ist als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung erschienen und ist seit seinem Erscheinen zu einem der meistgelesenen Werke der Abenteuerliteratur geworden.

Viele wesentliche Episoden und Persönlichkeiten in seinen Werken sind durch das Leben und die militärische Laufbahn seines Vaters inspiriert worden.

Alexandre Dumas der Ältere starb am 5. Dezember 1870 in Puys bei Dieppe im Département Seine-Maritime.

Literatur:

Die drei Musketiere
Die drei Musketiere
von Alexandre Dumas

Der Graf von Monte Christo
Der Graf von Monte Christo
von Alexandre Dumas

Samstag, 2. Juli 2022

Henry David Thoreau und das Leben in den Wäldern

Henry Thoreau

Mit achtundzwanzig Jahren zieht sich Henry David Thoreau an den Walden-See in den einsamen Wäldern von Massachusetts zurück, um fern aller Zivilisation ein Leben im Einklang mit der Natur zur erproben. Der Bericht seines radikalen Selbstexperiments ist zum Klassiker und Kultbuch des alternativen Lebens geworden.

Nach seinem Studium war Henry David Thoreau kurze Zeit Privatsekretär bei dem amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson. Danach sagte er der Zivilisation ade und führte als Naturmensch ein Leben einsam in den Wäldern.


Der Dichter schildert, wie er sich mit Fischfang, Getreide- und Gemüseanbau selbst versorgt, und erteilt Ratschläge, wie es gelingt, die Bedürfnisse auf ein Minimum zu reduzieren. So erhält der Leser tatsächlich recht handfeste Tipps zur Bewältigung des kargen Alltags. Das generationenübergreifende Kultbuch vieler Wandervögel und Strickpulloverträger hat aber auch eine gewichtige philosophisch-religiöse Seite: Thoreau beschreibt, wie er in der Waldeinsamkeit zu einem erweiterten Verständnis seiner selbst und der ihn umgebenden Natur gelangt.

So fällt es dem Naturmenschen mit der Zeit immer leichter, auf den gewohnten Luxus zu verzichten und sich den bescheidenen Verhältnissen anzupassen. Auch wenn man es ihm nicht gleichtun möchte und man auf die Annehmlichkeiten des modernen Lebens nur ungern verzichtet: Walden ist nichts weniger als ein Ratgeber für ein besseres Leben.

Walden oder Leben in den Wäldern
Walden oder Leben in den Wäldern


"Der Weise bleibt zu Hause, das Reisen ist des Narren Paradies", schrieb der Philosoph Ralph Waldo Emerson und überließ seinem Freund Henry David Thoreau großzügig ein Grundstück, auf dem dieser sesshaft wurde und die Bibel der Sesshaftigkeit schrieb: "Walden oder Leben in den Wäldern". Emerson selbst reiste unverdrossen weiterhin.

„Eine landläufige, wenn auch unbewusste Verzweiflung steckt

auch in dem, was man Spiel und Vergnügen nennt."



Am 4. Juli 1845, dem Unabhängigkeitstag, bezog Thoreau seine selbsterbaute Blockhütte "Walden Hut" bei Concord am Walden-See, auf einem Grundstück Emersons. Hier lebte er etwa zwei Jahre zwar allein und selbständig, aber nicht abgeschieden.

Thoreau zog in den Wald, weil er den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, dem wirklichen Leben näherzutreten, vom Leben selbst zu lernen, was es zu lehren hat, damit man nicht zur Stunde seines Todes erkennen muss, dass man nicht gelebt hat. Dabei geht es ihm nicht um die Entsagung an sich, außer sie ist unumgänglich; Thoreau wollte sich auf die Essenz des Lebens konzentrieren und alles ausschließen, was nicht Leben ist.

Dort pflanzt er Bohnen, er vermisste den See vor seiner Hütte, er besuchte seine Nachbarn in anderen Hütten und erzählte deren Geschichte, er hörte dem Regen zu, beobachtete den Schneesturm, schilderte den Besuch eines Eichhörnchens, er fischte, und er schrieb „Walden".

Thoreau ist ein radikaler Kultur- und Zivilisationskritiker. Er ist einer der vielen, die der Frage vom richtigen Leben nachgehen.

Literatur:

Walden. Ein Leben mit der Natur
Walden. Ein Leben mit der Natur
von Henry D. Thoreau

Montag, 2. Mai 2022

Novalis 250. Geburtstag

Novalis


Am 2. Mai jährt sich der Geburtstag des Dichters Novalis zum 250. Mal. Novalis wurde vor 250 Jahren am 2. Mai 1772 geboren. Novalis - eigentlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg - war ein berühmter Dichter des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Novalis gilt als einer der wichtigsten deutschen Frühromantiker.

Novalis von einem unerschütterlichen Glauben an die eigene Mission angetrieben, die Welt zu Romantisieren.


Novalis wurde.
Novalis begeisterte sich schon früh für alles Schöngeistige, insbesondere die Dichtung, wovon seine vielen Jugendgedichte (Jugendwerk 1788-1791) ein lebendiges Zeugnis ablegen.

Novalis hatte viele Talente: er war Jurist, Bergwerksdirektor und Philosoph. Bekannt wurde er als ein bedeutender Dichter der Frühromantik.

Dieser schon mit 28 Jahren verstorbene Genius des wahren Mitteleuropas war der Prophet eines magischen Idealismus. Novalis wurde aber auch der Verkünder eines allertiefsten Christentums – eines von jeglicher konfessionellen Gebundenheit freien Geist-Christentums. Magischer Idealismus ist zugleich tiefste Religion – Menschheits-Liebe, Erden-Verwandlung, Gottes-Erkenntnis.

Novalis war neben den Schlegel-Brüdern und Ludwig Tieck ein führender Vertreter der Romantik. Die romantische Bewegung begann im ausgehenden 18. Jahrhundert und reifte parallel mit der Aufklärung, dem Nützlichkeitsstreben und der beginnenden Industrialisierung.

Novalis war angetrieben von einem unerschütterlichen Glauben an die eigene Mission, der Romantisierung der Welt.

Seine poetischen und philosophischen Gedichte übten einen starken Einfluss auf die Romantik aus. Während seines Jura-Studiums in Jena, Leipzig und Wittenberg lernte er Friedrich Schiller und Friedrich von Schlegel kennen und befasste sich mit den philosophischen Ideen von Kant und Fichte. Anschließend übernahm er eine Stelle im Salinenwerk in Weissenfels.

Novalis

In den Werken von Novalis spiegelt sich die romantische Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, dem Phantastischen, dem Ahnungsvollen, nach der Kindheit, nach der Philosophie und Religion wieder.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören der Roman »Heinrich von Ofterdingen«, »Hymnen an die Nacht« und seine Fragmente »Blüthenstaub« und »Die Lehrlinge zu Sais«.

Sein bedeutendstes Werk ist der unvollendete Roman »Heinrich von Ofterdingen« (1802) mit dem Symbol der Blauen Blume. Charakteristisch für seine von der Mystik beeinflussten Dichtkunst sind vor allem die »Hymnen an die Nacht« (1800).

Novalis


Novalis-Blog
In dem Roman »Heinrich von Ofterdingen« schickt er seinen Helden auf eine lange Reise in exotische Länder. immer auf der Suche nach der geheimnisvollen blauen Blume, ein zentrales Symbol der Romantik. Sie steht für Sehnsucht und Liebe und für das metaphysische Streben nach dem Unendlichen. Die "blaue Blume" symbolisiert die romantische Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, dem Phantastischen, dem Ahnungsvollen, nach der Kindheit, nach der Philosophie und Religion und dem Unendlichen.

Für die Veröffentlichung der Fragmentsammlung »Blüthenstaub« in der von den Schlegel-Brüdern herausgegebenen Literaturzeitschrift »Äthenäum« wählte er erstmal das Pseudonym »Novalis«. Novalis war ein Pseudonym, das nicht in erster Linie einen Gegensatz in der Persönlichkeit betont, sondern zunächst sicherlich auch und vor allem als Schutz gedacht war, dem 'ehrbaren Beamten von Hardenberg' nicht den nötigen Respekt zu verweigern, denn diese 'zivile' Existenz war keine Last, sondern durchaus auch Lust für von Hardenberg.

Eine Krankheit setzte seinem hoffnungsvollen Leben früh ein Ende. Seit August des Jahres 1800 erkrankte Novalis an Schwindsucht. Novalis starb am 25. März 1801 in Weißenfels.

Novalis' Schriften wurden erst nach seinem Tode veröffentlicht. Sie erschienen erstmals 1802 und wurden von Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck herausgegeben.

Novalis von Wolfgang Hädecke

Die eigentliche Wirkungsgeschichte seines Werkes begann erst nach seinem Tode, als Ludwig Tieck und Friedrich Schlegel 1800, einige der nachgelassenen Werke herausgaben, den in seinem ersten Teil fertiggestellten Roman »Heinrich von Ofterdingen«, das Romanfragment »Die Lehrlinge zu Sais« und die »Geistlichen Lieder«. Den Aufsatz »Die Christenheit oder Europa« ungekürzt der Öffentlichkeit bekannt zu machen, wagten die Herausgeber nicht.

Literatur:

Novalis - Poesie und Poetik
Novalis - Poesie und Poetik
von Novalis

Novalis Werke
Novalis Werke
von Novalis


Weblinks:

Die grossen Meister der Feder I - www.wissen.de

Novalis Weissenfels - www.novalis-weissenfels.de

Novalis-Museum Schloß Oberwiederstedt