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Donnerstag, 31. März 2011

»Störfall« von Christa Wolf

Störfall






Es war, endlich, ein sonniger Frühlingstag nach einem langen, zu langen Winter.

"Man hat sehen können", so erinnert sich die Autorin,
"dies würde einer der schönsten Tage des Jahres."




Im Frühling 1986, auf dem mecklenburgischen Land, sind die Blüten an den Kirschbäumen förmlich explodiert - aber das Wort vom Explodieren wagt man nicht einmal mehr zu denken, seit sich die schreckliche Nachricht von einem Atomunfall verbreitet hat:

Im Kernreaktor von Tschernobyl hat eine Explosion stattgefunden. Und während die Erzählerin den stündlichen Warnungen im Radio lauscht, muß sich ihr Bruder einer riskanten Gehirnoperation unterziehen.

Zwei Störfälle, eine kollektive und eine individuelle Katastrophe, an einem Tag: Christa Wolfs Erzählung schildert den Einbruch des Unfaßbaren in das menschliche Leben: plötzlich entfesselte Kräfte, über die Menschen keine Kontrolle mehr haben.

Viele Worte werden der Schriftstellerin durch die Katastrophe von Tschernobyl, die zunächst nicht Katastrophe heißen darf, suspekt oder verleidet: "Eine unsichtbare Wolke von ganz anderer Substanz ... hat die weiße Wolke der Poesie ins Archiv gestoßen."

Gerade ist Ihre Tschernobyl-Erzählung »Der Störfall« von 1987 neu erschienen.

Dieses Buch ist aufgrund der Atomkatastrophe in Japan sowie des 25. Jahrestages des Reaktorunglückes von Tschernobyl in Monat April beklemmend aktuell.


Störfall


"Störfall"
Nachrichten eines Tages
von Christa Wolf

Suhrkamp, 7,00 EUR.
ISBN-13: 978-3-518-46079-X
Weblinks
Bösartiger Himmel - SPIEGEL-Kommentar
Christa Wolf-Portrait - SPIEGEL-Portrait
"Bücher helfen uns auch nicht weiter" - ZEIT-Interview

Samstag, 26. März 2011

Tennessee Williams vor 100 Jahren geboren

Tennesee Williams


Tennessee Williams, eigentlich Thomas Lanier Williams, wurde am 26. März 1911 in Columbus im Bundesstaat Mississippi geboren. Den prägnanten Spitznamen "Tennessee" erhielt er von College-Freunden an der University of Missouri, weil sein Vater im Bundesstaat Tennessee geboren wurde.

Tennessee Williams gilt als Autor des Südens der USA. Schauplätze seiner Stücke sind New Orleans, das Delta des Mississippi und die Küste des Golfs von Mexiko. Und so diente neben den autobiographischen Bezügen vor allem das Bild der puritanisch-bürgerlichen Südstaatengesellschaft als Vorlage zahlreicher seiner Theaterstücke.

Tennessee Williams, der eine schwierige Kindheit hinter sich hatte, beschrieb in seinen melancholischen Seelenstücken den seelisch-moralischen Verfall Amerikas. Die Figuren in seinen melancholischen Stücken sind am Leben Verzweifelte und Gescheiterte.


Die Katze auf dem heißen Blechdach

Im Jahre 1955 gewann er den Pulitzer-Preis für das Drama »Die Katze auf dem heißen Blechdach« (»Cat on A Hot Tin Roof«) und im Jahre 1948 für »A Streetcar Named Desire«.

Tennessee Williams starb am 25. Februar 1983 in New York.


    Tennesee Williams-Werke






Memoiren
Memoiren
Endstation Sehnsucht
Endstation Sehnsucht
Die tätowierte Rose
Die tätowierte Rose
Süsser Vogel Jugend. Forever Young
Süsser Vogel Jugend
Die Nacht des Leguan
Die Nacht
des Leguan

Weblinks:

Die Katze auf dem heißen Blechdach - Drama von Tennessee Williams

Tennesee Williams-Biografie - Biografien-Portal - www.die-biografien.de

Tennesee Williams-Zitate - Zitate-Portal - www.die-zitate.de

Freitag, 25. März 2011

Siegfried Lenz gilt als heimatverbundener Autor

Siegfried Lenz

Siegfried Lenz ist ein heimatverbundener Autor, der in zahlreichen anekdotischen Erzählungen von seiner Heimat Ostpreußen berichtet, wo er 1926 geboren wurde.

Siegfried Lenz war ein Erzähler und Chronist des alten Ostpreußen. In seinem Erzählband "So zärtlich war Suleyken" (1955) werden Menschen in Masuren, Traditionen und Lebensweisen in Schelmenstücken, Märchen und Anekdoten unterhaltsam beschrieben.

Das heitere Werk wurde für das Fernsehen verfilmt, ebenso wie "Der Geist der Mirabelle" (1975). Zu den anekdotischen Erzählungen von seiner Heimat zählt auch das 1971 entstandene Stück "So war das mit dem Zirkus".

Zuvor wurde er im Jahr 1951 gleich mit seinem ersten mehrfach prämiierten Roman "Es waren Habichte in der Luft" bekannt. Darin kommen die Erlebnisse des Autors vom Krieg und der Zeit danach zur Sprache. Sie handeln von seiner Desertation nach Dänemark und vom Widerstand.

Siegfried Lenz Portrait

Siegfried Lenz

Siegfried Lenz, der am 17. März 1926 in Lyck, einer kleinen Stadt im masurischen Ostpreußen geboren wurde, ist einer der bekanntesten deutschen Nachkriegs-Schriftsteller. Lenz zählt seit langem zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur.

Nachdem Lenz aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, ging er nach Hamburg und studierte Philosophie, Anglistik und deutsche Literaturgeschichte, ehe er 1950/51 als Redakteur für die "Welt" arbeitete.


Seit 1951 lebt Siegfried Lenz als freier Schriftsteller in Hamburg. Bereits mit seinem ersten Roman "Es waren Habichte in der Luft" gelang es ihm, die Kritik und die Leser für sich einzunehmen, und bis heute zeichnet sich Lenz' Werk dadurch aus, dass es menschliche Schicksale und aktuelle gesellschaftliche Fragen auf eine Weise verknüpft, die literarisch ambitioniert die Bedürfnisse breiter Leserschichten nicht vernachlässigt.


Er schreibe, um die Welt zu verstehen, hat Siegfried Lenz einmal gesagt. Sein Interesse an den Menschen, seine Neugierde und seinen Fleiß hat er sich bis heute bewahrt. "Weitermachen ist das Prinzip", erklärt der Autor. "Voller Zufriedenheit darüber, dass du die Möglichkeit hast, weiter zu schreiben. Was ja auch nicht selbstverständlich ist. The fight goes on."

Weblink:

Siegfried Lenz-Biografie - Biografie dtv-Verlag

Mittwoch, 23. März 2011

Siegfried Lenz Autor der Deutschstunde

Siegfried Lenz

Siegfried Lenz, geboren 1926 in Lyck Ostpreussen, ist ein deutscher Schriftsteller und einer der bekanntesten deutschsprachigen Erzähler der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur.

Deutschstunde

Sein Roman »Deutschstunde« machte Siegfried Lenz nach dem Krieg zum gefeierten Star des Literaturbetriebs. Durch seinen Erfolgsroman »Deutschstunde« erlangte er sogar weltweiten Ruhm. Unermüdlich präsentierte der Autor seinen Bestseller bei Lesungen, auf Literaturfestivals und Buchmessen.

Von nun an wurden fast alle seine Bücher große Erfolge: Lenz schreibt über seine Kriegserfahrung, die verlorene Heimat Ostpreußen und immer wieder über Menschen in Grenzsituationen. Seine Popularität im Ausland machte ihn fortan zum Botschafter eines neuen, demokratischen Deutschlands.





Deutschstunde
Deutschstunde
dtv, 9,90
Deutschstunde
Deutschstunde
Welt Edition, 9,95
Die Erzählungen
Die Erzählungen
Hoffmann, 20,00
Schweigeminute
Schweigeminute,
dtv, 7,90


Siegfried Lenz-Dossier - SPIEGEL-Dossier

Donnerstag, 17. März 2011

Janosch wird 80 (II)



Aber Janosch schreibt und malt nicht nur Kinderbücher. Seine deftigen Zeichnungen für Erwachsene haben oft erotische Themen. Und auch in seinen Texten nimmt Janosch, wie im Leben, kein Blatt vor den Mund. Mit Kindern hätte er eigentlich keinen Kontakt, sagte Janosch der »Zeit«: "Ich hab' Kontakt mit mir. Das reicht.". Von dem Erfolg seiner Bücher hatte Janosch wenig - zumindest finanziell, denn er hat die Nutzungsrechte an seinem Werk längst verkauft.

Von all den Tigerenten-Produkten und Kinofilmen hat er nichts mehr. Aber die Wut darüber dürfte so langsam verflogen sein. Denn eigentlich ist Janosch ein friedfertiger Mensch, der am liebsten in der Hängematte liegt - so jedenfalls sagt er es von sich. Und das Alter? "Das ist die beste Zeit meines Lebens, das Alter", sagt Janosch. "Das ist so schön, das kann ich jedem nur empfehlen."



„Du kannst auf dieser Welt nur leben,

wenn du sie zu deiner Geliebten machst.“



Zahlreiche Preise und Auszeichnungen hat Janosch für seine Bücher über Freundschaft, Liebe und Sehnsucht nach Geborgenheit erhalten, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis (1979), den französischen Prix Jeunesse (1980) und den Andreas-Gryphius-Preis (1992). 1993 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Insgesamt hat der Autor Janosch rund 300 Bücher geschrieben, die in 40 Sprachen übersetzt wurden. In <em>"Komm', wir finden einen Schatz"</em> suchen Tiger und Bär überall auf der Welt nach Geld und Reichtum, bis sie das wahre Glück daheim bei ihren Freunden finden. Janosch selbst wohnt seit mehr als 30 Jahren mit seiner Lebensgefährtin - und einer Hängematte - auf Teneriffa. Seit dreißig Jahren liegt er nun ganz unbeschwert und kinderleicht in seiner Hängematte auf der Kanareninsel Teneriffa.

Der Vater von Tiger und Bär ist am 11. März 80 Jahre alt geworden.
Vor kurzem überraschte er die Welt mit der eher traurigen Ankündigung, daß er nie wieder ein Buch schreiben wolle.

Weblink:

"Alter? Die beste Zeit meines Lebens!" - Janosch, der Erfinder der Tigerente, wird 80 - 3 Sat

Dienstag, 15. März 2011

Janosch wird 80



Janosch, der eigentlich Horst Eckert heisst, ist einer der beliebtesten Kinderbuch-Autoren Deutschlands. Er wurde 1931 im schlesischen Zabrze (dem ehemaligen Hindenburg) geboren. Der Vater trank und prügelte, die Mutter war streng katholisch. Schon früh wurde die Sehnsucht nach einer harmonischen Welt geweckt.

Der Schlüssel für Janoschs literarisches Schaffen liegt in seiner Kindheit, gegen die er anschrieb, weil sie eines gewiss nicht war: eine freundliche Idylle. Die schwere Kindheit und eine tiefe Sehnsucht nach Harmonie prägen ihn und sein Werk bis heute: In dem wohl bekanntesten Buch Panama" (1979) brechen die beiden Freunde Tiger und Bär aus ihrer Welt aus, um den Ort ihrer Träume zu finden - nur um ihn am Ende im eigenen Zuhause zu entdecken.

„Wenn ich's mir recht überlege,
hat das ganze Überlegen keinen Sinn.“

Janosch schrieb romantisch verspielte Tiergeschichten für Kinder und versuchte in seinen Büchern, die Welt ein bisschen harmonischer zu beschreiben - um den Blessuren der eigenen Kindheit zu entkommen, wie Kritiker immer wieder betonen. Seine Kinderbücher handeln von Freundschaft und Liebe, seine Figuren sind kleine Tiere, die vom großen Glück träumen.

Mit seinen Figuren Tiger und Bär hat Janosch Millionen Menschen glücklich gemacht. Tiger und Bär sind dicke Freunde und sie fürchten sich vor nichts, weil sie zusammen wunderbar stark sind. So erfinden Tiger und Bär in "Post für den Tiger" beispielsweise die Briefpost, die Luftpost und auch noch das Telefon, damit ihre Freunde nicht mehr einsam sind.


Ach, so schön ist Panama: Alle Tiger und Bär-Geschichten in einem Band


Ach, so schön ist Panama: Alle Tiger und Bär-Geschichten in einem Band
von Janosch

Beltz Verlag, 17. Dezember 2010

Gebundene Ausgabe,
282 Seiten, 14,95 EUR.
ISBN-13: 978-3407799647

Weblink:

"Alter? Die beste Zeit meines Lebens!" - Janosch, der Erfinder der Tigerente, wird 80 - 3 Sat

Montag, 14. März 2011

Japanischer Dichter und Schriftsteller Masaoka Shiki

Masaoka Shiki war ein japanischer Dichter, Schriftsteller, Literaturkritiker und Essayist der Meiji-Zeit. Sein wirklicher Name lautete Masaoka Tsunenori.

Shiki betätigte sich in zahlreichen literarischen Disziplinen und übte großen Einfluss auf die moderne japanische Literatur aus. Er ist der Begründer der modernen Haiku- und Tanka-Dichtung und wird neben Buson, Issa und Bashl zu den vier großen Haiku-Meistern gezählt. Er gründete die Haiku-Zeitschrift »Hototogisu« und bereitete den Weg vor für die spätere Tanka-Zeitschrift »Araragi«.

In den letzten sieben Jahren seines Lebens litt er an Tuberkulose und verstarb bereits im Alter von 34 Jahren.

Sein Todestag wird im Japanischen auch Hechimaki (dt. „Schwammkürbis-Trauertag“) genannt, nach dem kurz vor seinem Tode entstandenen Sterbegedicht:




„Der Schwammkürbis blüht,
und ich werde zu Buddha,
dem der Auswurf den Atem nahm.“




Ein anderer Name für den Todestag lautet Dassaiki, nach einem der Künstlernamen Shikis.

Donnerstag, 10. März 2011

"Meine Jahre mit Hamburg-Heiner" von Sven Regener

Meine Jahre mit Hamburg-Heiner
Meine Jahre mit Hamburg-Heiner

Sven Regener ist ein erfolgreicher Musiker und Literat, der als Sänger der Band "Element Of Crime" und als Autor und Schöpfer von "Herr Lehmann" einem breiten Publikum bekannt wurde.

Ganz nebenbei betätigt sich Sven Regener auch noch als Blogger. Fünf Jahre lang hat er im Internet geistreich-witzige Blogs (Logbücher) zu den verschiedensten Themen verfasst. Nun ist daraus eine "Mischung zwischen Tagebuch und Roman" entstanden: "Meine Jahre mit Hamburg-Heiner".

Regners Werk liefert Einblicke in das Leben auf Tour mit seiner Band, nimmt uns mit auf die Suche nach dem richtigen Stand auf der Frankfurter Buchmesse und erklärt, wie der Autor höchstselbst Deutschland und Österreich miteinander versöhnt. Und dann ist da ja noch Hamburg-Heiner, der täglich einmal anruft, um sich mit Regener über die korrekte Notation für "Oh Tannenbaum" zu unterhalten oder über die Bedeutung österreichischer Herrschaft über Hamburg-Altona in den Jahren 1864 bis 1866 diskutiert.

In dem Buch - halb Tagebuch, halb Roman - sind verschiedene Blogs zusammengefasst, die Regener in den Jahren 2005 bis 2010 verfasst hat - unter anderem für Spiegel.de, taz.de und Standard.at. In den Logbüchern ist z.B. zu lesen wie Regener in einen Paranoia-Rausch gerät oder wie er Deutschland und Österreich versöhnt. Hamburg-Heiner hält Regener bei seinem Seemannsgarn auf Kurs. Er ist so etwas wie das telefonische Korrektiv.




Meine Jahre mit Hamburg-Heiner


Meine Jahre mit Hamburg-Heiner>
von Sven Regener

Galiani Berlin, 14. März 2011

Gebundene Ausgabe,
432 Seiten, 19,95 EUR.
ISBN-13: 978-3869710358


Herr Lehmann
Herr Lehmann Trilogie
45,00 EUR
Herr Lehmann
Herr Lehmann
8,95 EUR
Neue Vahr Süd
Neue Vahr Süd
9,95 EUR
Der kleine Bruder
Der kleine Bruder
9,95 EUR

Liest man die Logbücher alle auf einen Schlag, dann bemerkt man plötzlich, dass da etwas ganz Eigenes entstanden ist, ein Hybrid zwischen Tagebuch und Roman, ein Seemannsgarn in der Tradition der großen Fabulierer und Schwadronierer, der Quatschköppe und Knalltüten, oder wie Hamburg- Heiner es sagen würde: »Wenn schon Jahrhundert, dann ja wohl das 18.!«"

Weblink:

Meine Jahre mit Hamburg-Heiner - www.single-generation.de

Mittwoch, 9. März 2011

Über die Kifaya-Bewegung in Ägypten

Alaa al-Aswani

"Kifaya hat die Sehnsüchte der ägyptischen Gesellschaft artikuliert", sagt al-Aswani. "Es war eine Bewegung von Künstlern, Literaten und Gebildeten - keine Massenbewegung, aber ihr kommt das Verdienst zu, als erstes die Abschaffung des Regimes gefordert zu haben." Die Leiden der ägyptischen Gesellschaft beschreibt al-Aswani auch in seinen Romanen.

»Der Jakubijân-Bau« ist sein bekanntester. Kein anderes Werk aus der Region wurde - mit Ausnahme des Korans - öfter verkauft. Das Buch, das 2006 auch auf Deutsch erschien, rüttelte an allen Tabus: Korruption, Polizeigewalt, Folter, soziales Elend.

"Meine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt", so der Autor. "Ich habe immer wieder auch im Westen an Gesprächen über die Zustände in Ägypten teilgenommen. Leider lief die Analyse dort immer darauf hinaus, dass Mubarak die einzige Alternative zu den Islamisten ist. Ich habe immer wieder versucht zu erklären, dass das falsch ist, dass das Schreckgespenst der islamistischen Gefahr vom Regime selbst geschaffen wurde, um ihre eigene Fortdauer zu rechtfertigen."



Der Jakubijân-Bau


Der Jakubijân-Bau, von Alaa Al-Aswani
Lenos Verlag,
Broschiert - Juni 2010,
372 Seiten, 12,00 EUR.
ISBN-1

Weblink:

"In besonderer Weise herzlich willkommen" - Deutschland und die Despoten des Nahen Ostens - www.tagesschau.de

Dienstag, 8. März 2011

125 Jahre S. Fischer Verlag

Der S. Fischer Verlag wurde 1886 von Samuel Fischer in Berlin gegründet und stieg schon bald zum führenden Verlag des Naturalismus und der klassischen Moderne auf. Ein Anliegen des Verlegers war es, preisgünstige Ausgaben seiner Bücher einer breiten Leserschaft anzubieten und das Volk so mit anspruchsvollen Schriften vertraut zu machen.

Da der Verlagsgründer Samuel Fischer sein Gespür für literarische Strömungen bewies, wurde der Verlag schon bald nach seiner Gründung erfolgreich. In den ersten Jahren konnte der Verleger sofort erfolgreiche deutsche und europäische Autoren wie Émile Zola, Fjodor Dostojewski, Tolstoi, Karl Bleibtreu und Max Kretzer für sein Programm gewinnen.

Von Anfang an veröffentlichte der Verleger zeitgenössische Autoren sowie Werke der Weltliteratur. 1898 erschien Thomas Manns Erstlingswerk »Der kleine Herr Friedemann« in der Collection Fischer, 1901 folgte sein erster Roman »Buddenbrooks«.


Zu den wichtigsten Schriftstellern der Gründerzeit gehörten die beiden führenden Vertreter des deutschen Naturalismus Gerhart Hauptmann und Henrik Ibsen. Bald machte sich S. Fischer einen Namen als führendes Verlagshaus des Naturalismus und neben Ibsens »Frau vom Meer« erschien 1889 das Stück »Vor Sonnenaufgang« von Gerhart Hauptmann.

Samstag, 5. März 2011

»Der alte König in seinem Exil« von Arno Geiger

Der alte König in seinem Exil
Der alte König in seinem Exil

Arno Geiger hat ein anrührendes Buch über seinen demenzkranken Vater geschrieben . Sein Vater August Geiger ist dement, sein Sohn Arno hat nun ein Buch darüber geschrieben: "Der alte König in seinem Exil".

Sehr unterschiedliche Autoren haben die Alzheimerkrankheit ihrer Väter auf ganz unterschiedliche Weise literarisch verarbeitet, mal anklagend, mal klinisch und mal romantisierend. Tilman Jens' Buch "Demenz" war eine Abrechnung mit seinem Vater Walter, dem er vorwarf, er habe sich aus Scham über seine Mitgliedschaft in der NSDAP in die Demenz geflüchtet. Jonathan Franzens Essays "Das Gehirn meines Vaters" war der Versuch, "die individuelle Einzigartigkeit von Earl Franzen vor der Generalisierung durch einen benennbaren Befund zu schützen". Und Martin Suters Kriminalroman "Small World" war eine poetische Wiedergutmachung für die Ungerechtigkeit des Lebens.

Nun hat auch Arno Geiger ein Buch über seinen dementen Vater geschrieben, mit einem sehr einfühlsamen Titel "Der alte König in seinem Exil" - ein Buch, das auf eine Gattungsbezeichnung verzichtet und gegen Ende immer mehr ausfranst, als wolle Geiger die Krankheit literarisch nachzeichnen und als habe Geiger den Verlauf der Krankheit in der Struktur des Buches nachbilden wollen. Mit der offenen Form scheint Geiger auf den ersten Blick seinen Respekt vor dem Vater zu bezeugen, dessen Geschichte öffentlich zu machen den Sohn mit begründeter Scheu erfüllt. Doch beim Lesen erweist sich die vorgebliche Scham davor, das Krankheitsbild zu literarisieren, als eine Strategie, um das Tabu konsequent zu unterlaufen.

Der Schriftsteller Arno Geiger fühlt sich durch die Krankheit des Vaters zugleich inspiriert und herausgefordert. Die Inspiriertheit führt dazu, dass er fast auf jeder Seite mit einem bildungshuberischen Zitat prunkt. Der Herausforderung stellt er sich, indem er jedem Kapitel einen kurzen Dialog zwischen Vater und Sohn voranstellt. Dabei setzt Geiger den Vater so in Szene, wie es ehrgeizige Eltern mit ihrem Wunderkind tun: Der Sohn führt Regie und gibt die richtigen Stichworte, und darin liegt schon auch eine unterschwellige Aggression.




Der alte König in seinem Exil



Der alte König in seinem Exil
von Arno Geiger

Hanser Verlag,
7. Februar 2011

Gebundene Ausgabe,
192 Seiten, 17,90 EUR.
ISBN-13: 978-3446236349

Weblinks:

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil - - www.sueddeutsche.de/kultur

"Das Ende des Lebens ist auch Leben" - Bestseller-Autor Arno Geiger - www.spiegel.de/kultur

Mark Twain als guter Amerikaner

Mark Twain

Mark Twain war Amerikas größter Schriftsteller. Seine Leser feierten ihn hymnisch wie einen Rockstar. Er galt als Humorist, aber den imperialen Größenwahn seiner Zeit attackierte er grimmig.

Er war die Stimme Amerikas, dessen Wahrnehmung des Landes viele Leser von ihm bezogen. Und er als den Amerikanern kräftig die Leviten. - Amerika könnte ihn heute, 100 Jahre nach seinem Tod, gut gebrauchen. Er wäre Balsam auf Amerikans Seele.

Samuel Langhorne Clemens (1835 bis 1910), bekannter unter dem Namen Mark Twain, ein Kenner von Welt und Spezialist übrigens auch für Zeitreisen, würde das aktuelle Geschehen auf seiner Zeitreise süffisant und spöttisch kommentieren.

Die Nation, deren Aufstieg Mark Twain begleitet hat, durch Goldrausch, Rassismus und Bürgerkrieg, durch die industrielle Revolution hin zu immensem Reichtum und imperialer Geltung, diese Nation scheint verwundet und aus den Fugen. Was würde der scharfzüngige Humorist wohl heute zu ihrem Abstieg sagen?

Eines ist sicher, er würde sich einmischen, pointiert, nach der Devise seines Bewunderers George Bernard Shaw, der sagte: "Die Wahrheit zu erzählen, das ist der größte Witz in der Welt."

Mark Twain war der Shakespeare Amerikas, ein eigener Kosmos. Ralph Waldo Emerson - verweht. Walt Whitman - allenfalls ein Comeback für die Beatniks in den Sixties. Herman Melville, erst Jahrzehnte nach seinem Tod gewürdigt. Mark Twain blieb ein Schriftsteller von Rang, denn er war nie wirklich weg.

Die gute Seele Amerikas sagte von sich empathisch: "Ich bin kein Amerikaner - ich bin der Amerikaner." Tatsächlich, er war die amerikanische Stimme schlechthin, mal prahlerisch, dann verzweifelt, ein echter Unternehmertyp. Er hätte heute weider seinen Spass mit seinen Amerikanern und diese wohl auch mit ihm.

Weblinks:

Der gute Amerikaner - www. spiegel.de

Mark Twain-Biografie - www.die-biografien.de

Freitag, 4. März 2011

»Der Knacks« von Roger Willemsen

Der Knacks
Der Knacks

Roger Willemsens Buch »Der Knacks« ist ein literarischer Essay mit stark autobiografischen Hintergrund über die inneren Vorgänge in einem Menschenleben.

Roger Willemsen der die Beobachtungen und die Veränderungen des Menschen mit sozialer Kompetenz, Empathie und intellektuellem Background auf die wesentlichen entscheidenden Momente eines Menschenlebens konzentriert, schlägt einen wundervollen Bogen über die Veränderungen des Menschenbildes und die schleichenden durch homöopathische Dosierungen prägenden Lebenseinflüsse.

Willemsen stellt verschiedene Momente dar, die einen Knacks auslösen können. »Als mein Vater starb, war ich 15, sah aus wie Janis Joplin und war gerade in der Schule sitzengeblieben«, erinnert sich Roger Willemsen an den Urknacks seinen eigenen Lebens.

»Der Knacks«, das ist der Moment, in dem das Leben die Richtung wechselt und nichts mehr ist wie zuvor. Aber mehr noch als die großen Brüche interessieren Willemsen die fast unmerklichen, namenlosen Veränderungen: die feinen Haarrisse in einer Beziehung, das Altern von Menschen, Städten, Kunstwerken, die Enttäuschung, der Verlust, die Niederlage - die unaufhaltsame Arbeit der Zeit.

Der Knacks ist auch der Wendepunkt vom Werden zum Vergehen. Es ist der Beginn vom Abschiednehmen. Abschiednehmen von den Möglichkeiten, die man nicht mehr wahrnehmen kann. In der Jugend macht man sich nicht allzu viele Gedanken über die Endlichkeit der Möglichkeiten oder des Lebens. In der Mitte des Lebens stellen sich dann aber kleine Erkenntnisse ein, die einem diese Endlichkeit vor Augen führen.

Zumeist nicht als ein schockierendes Erlebnis, sondern in vielen kleinen "Niederlagen" wie dem endgültigen Abschied von einem Traum, einer Liebe, der nachlassenden Sehkraft, der Entdeckung der Langsamkeit, weil die Kinder plötzlich schneller laufen können usw. All diese kleinen und großen Haarrisse stellen jeweils einen "Knacks" dar.

Ein großer literarischer Essay über die Zeit und das, was sie mit uns macht: Mal autobiographisch erzählend, mal beobachtend und reflektierend schreibt Roger Willemsen sein vielleicht persönlichstes Buch.
Ein empfehlenswertes Buch für Menschen, die sich nicht scheuen mit offenen Augen in ihre eigenen inneren Abgründe zu sehen.

Der Knacks



Der Knacks
, von Roger Willemsen

S. Fischer Verlag,
1. Oktober 2008

Gebundene Ausgabe,
304 Seiten, 18,90 EUR.
ISBN-13: 978-3100921055

Weblink:

Roger Willemsen - Alle Artikel, Hintergründe und Fakten - www.spiegel.de

Max Frisch - Rückblick auf sein Leben

Es sei ein Glück, hat er einmal gesagt, wenn man die Schriftstellerei nicht als "Berufung" empfinde, sondern einfach als einen Beruf, den Leute wie er "ausüben, weil ihnen schreiben noch eher gelingt als leben". Was immer er schrieb, war zuerst und zuletzt auf ihn selber bezogen; er sträubte sich gegen die Rollen, die der Erfolg jedem Autor aufdrängt, die Rollen als öffentlicher Besserwisser, Seelsorger, Eheberater oder Rattenfänger; er erlag nicht der Versuchung des Ruhms, sich selber als Größe zu setzen.

Der 1911 in Zürich geborene Frisch arbeitete zunächst als Architekt, bevor er mit dem Roman "Stiller" im Jahr 1954 erfolgreich war. Fortan konzentrierte er sich auf das Schreiben. Frisch galt als streitbarer Moralist. Seine bekanntesten Stücke für das Theater sind wohl "Biedermann und die Brandstifter" (1958), eine entlarvende Analyse des Spießbürgers, der das Eindringen des Bösen in seine Welt nicht wahrnehmen will, und "Andorra" (1961), das sich mit dem Antisemitismus auseinandersetzt. Nahezu in Vergessenheit geraten ist "Die Chinesische Mauer" (1946), in dem Frisch die menschheitsvernichtende Gefahr der Atombombe in den Mittelpunkt rückt.

Berühmt wurden neben "Stiller" seine Romane "Mein Name sei Gantenbein" (1964) und "Homo Faber" (1957). In letzterem wird der rationalitätsgläubige Ingenieur Walter Faber, geprägt vom technisch-wissenschaftlichen Weltbild, mit der unlogischen Macht des Schicksals konfrontiert und scheitert. Frischs literarische "Tagebücher" (1946-49 und 1966-71) machen einen wesentlichen Bestandteil seines Oeuvres aus. Sie verknüpfen autobiografische und fiktionale Elemente, viele spätere Werke sind hier bereits skizzenartig angelegt. Weitere, 1982 begonnene Aufzeichnungen, wurden unter dem Titel "Entwürfe zu einem dritten Tagebuch" im vergangenen Jahr posthum veröffentlicht.
Der breite internationale Erfolg in den fünfziger und sechziger Jahren, den ihm einerseits die farbigen, facettenreichen Romane "Stiller" (1954) und "Homo Faber" (1957), andererseits die theaterkräftigen Politparabeln "Biedermann und die Brandstifter" (1958) und "Andorra" (1961) brachten, hat Max Frisch zu einer öffentlichen Figur gemacht, neben Böll zum angesehensten deutschschreibenden Autor seiner Generation.

Daß er Schweizer war, gab ihm seine Sonderstellung, wenn er sich zu Wort meldete, weil ihm eine Sache wichtig war: nicht als Künstler, sondern als Zeitgenosse, als skeptischer Demokrat, der Zivilcourage nicht als Phrase verstand. Wenn er Stellung bezog zu Erschütterungen im Ostblock, zu Miseren der westlichen Luxusgesellschaft, mit besonderer Neugier zu Deutschlands Selbstwerdungs-Problemen, mit besonderem Groll, bis zuletzt, gegen den Eigendünkel der Schweiz, dann hatten seine Bedenken Gewicht. Ein untersetzter Mann mit eigentümlich breitem Gesicht trat da auf, den Blick hinter schwerer Brille geschützt, und die Bedächtigkeit seiner Rede kam nicht nur aus dem Schweizer Naturell: Sein Impuls war der Zweifel, sein Stil nicht die klotzige Feststellung, die einen Sachverhalt plattmacht, lieber die vorsichtige Formulierung, in der eine Frage mitschwingt. "Ohne Utopie wären wir Lebewesen ohne Transzendenz."

Dienstag, 1. März 2011

Hans Magnus Enzensberger über seine „Lieblings-Flops“

Meine Lieblings-Flops
»Meine Lieblings-Flops«

Es bedarf schon einiger Chupze und einer gewissen Souveränität im Literaturbetrieb, auch seine Flops und gescheiterten Ideen aufzutischen und zu veröffentlichen. Dazu bedarf es seiner Grundhaltung, auch über seine künstlerischen Fehlschläge souverän lächeln und selbstironisch-verschmitzt schreiben können.

Man muss wohl ein gewisses Lebensalter erreicht haben, um die nötige Gelassenheit für solch ein Buch aufzubringen. Hans Magnus Enzensberger kann über seine künstlerischen Fehlschläge nur müde lächeln. Deshalb hat nun seine »Meine Lieblings-Flops, gefolgt von einem Ideen-Magazin« veröffentlicht.


»Ich behaupte, daß mir meine Flops im Lauf der Zeit
geradezu ans Herz gewachsen sind.«


In diesem Schwarzbuch nimmt Enzensberger ein Thema ins Visier, das viele Künstlerkollegen scheuen, den Mißerfolg: »Wenigen Erfahrungen verdanke ich so viel; ich behaupte sogar, daß mir meine Flops im Lauf der Zeit geradezu ans Herz gewachsen sind. Sie gewähren Einblick in die Produktionsbedingungen, Manieren und Usancen des Kulturbetriebs und helfen dem Ahnungslosen, die Fallstricke, Minenfelder und Selbstschußanlagen einzuschätzen, mit denen er auf diesem Terrain zu rechnen hat.«
 
Das demonstriert der Autor anhand von Geschichten und Einfällen, Exposés, Treatments, Szenen und Projekten aus fünfzig Jahren. Vieles von dem, was auf dem Weg zur Kinoleinwand, zur Theater-, Opern- und Operettenbühne, zum Magazin oder zur verlegerischen Unternehmung verworfen wurde oder versandet ist, sei's zu Recht oder zu Unrecht, passiert in diesem schwarzen Buch an ihm vorüber.

Hans Magnus Enzensberger beherrscht die Kunst, auch über das Scheitern kunstvoll schreiben zu können. Wer oder was war schuld an den kleinen und großen Niederlagen? Lag es am Geld, an der Justiz oder am eigenen Übermut? Aber das ist für Enzensberger nicht der springende Punkt. Jammern, sagt er, sei ungesund. Er amüsiert sich lieber und überläßt dem Publikum zu guter Letzt noch Ideen, aus denen sich jeder gratis und frei Haus bedienen kann.


Meine Lieblings-Flops


Meine Lieblings-Flops
von Hans Magnus Enzensberger

Suhrkamp Verlag, 12. Dezember 2010

Gebundene Ausgabe,
241 Seiten, 19,95 EUR.
ISBN-13: 978-3518422113

Weblinks:

>Meine Lieblings-Flops, gefolgt von einem Ideen-Magazin

Hans Magnus Enzensberger - Alle Artikel, Hintergründe und Fakten