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Samstag, 26. Juni 2021

»Drei Schwestern« von Anton Tschechow

Drei Schwestern
Drei Schwestern


»Drei Schwestern« von Anton Tschechow ist ein Theaterstück in vier Akten. Es erzählt die Geschichte der drei Schwestern Olga, Mascha und Irina, die gemeinsam mit ihrem Bruder Andrej weitab in der russischen Provinz von der großen Stadt Moskau träumen und darauf hoffen, dorthin zurückzukehren. Der Wunsch scheint zunächst greifbar, rückt aber immer mehr in weite Ferne. Die Geschichte lebt von der Tragik, bringt aber auch zuweilen heitere Untertöne mit.

Als Drama bezeichnet ist das Stück doch eher eine Tragikkomödie. Mit ihm betritt die Provinz die Weltbühne. Wie schön ist doch die Provinz, schwärmen die Städter. Die Sommerfrische. - Und wie ist es mit den Menschen, die dort in der Provimz leben? Sie träumen natürlich von Moskau, den großen Bällen, dem wirklichen Leben.

Das 1900 entstandene Schauspiel »Tri Sestry« zeichnet das Leben der drei Schwestern Olga, Mascha und Irina nach, die nach dem Tode des Vaters gemeinsam mit ihrem Bruder Andrej in der russischen Provinz leben. Natascha, die Frau Andrejs, drängt die Schwestern nach und nach aus dem eigenen Hause.

Das Stück beginnt mit Irinas Geburtstag. Die drei Schwestern leben in der Provinz. Sie sind damals mit ihrem Vater aus Moskau hierher gekommen. Ein Jahr nach dessen Tod bleibt die Sehnsucht nach Moskau zu gehen. Ihr Bruder bleibt nach seinem Studium in der Stadtverwaltung hängen.

Der Traum eines wissenschaftlichen Berufs in Moskau bleibt unerfüllt. Die Schwestern können sich mit der Situation nicht abfinden. Dann kommt das Militär in die Stadt und es birgt bei den Schwestern die Hoffnung ein anderes Leben zuführen. Werschinin bringt Mascha auf andere Gedanken. Leider ist sie schon verheiratet und gibt sich einem Trugbild hin.

Er ist wie die Schwestern aus Moskau und die alten Erinnerungen kommen wieder in ihnen hoch. Olga, die Älteste, ist Lehrerin, sie wir später die Schule leiten. In der jüngeren Irina bleibt die Hoffnung nach Moskau zu kehren erhalten. Sie hat mit Tusenbach die Vorstellung von einem Leben, das durch die Arbeit bestimmt ist. Beide leben in ihren öden Leben nur vor sich hin. Der Gedanke an ein anders Leben ist so stark, dass sie in ihrem jetzigen Leben erstarren. Tusenbach kommt am Ende durch ein Duell um. Er und Irina können nicht mehr heiraten. Der Traum ist zerplatzt. Im letzten Akt zieht das Militär ab.

Der Traum vom Leben in Moskau ist ausgeträumt. Irina nimmt sich vor zu arbeiten. Es ist die letzte Hoffnung in ihrem Leben. Die drei Schwestern leben das Bild vor, dass man sich in späteren Zeiten an die Leute erinnern wird, die gelebt haben. Die Melancholie bleibt. Maschas Frage nach dem Sinn im Leben findet keine Erwiderung.

Anton Tschechows »Drei Schwestern« träumen vom Glück und einem erfüllten Leben – tagaus, tagein, jahrelang. Jobs, Männer, nichts funktioniert: »Ich bin schon vierundzwanzig Jahre, ich arbeite schon lange, und mein Hirn ist ausgetrocknet, ich bin mager, hässlich, alt geworden und nichts, nichts, nicht die geringste Befriedigung, und die Zeit vergeht, und immer ist das Gefühl da, du entfernst dich von dem wahren, schönen Leben, du entfernst dich immer weiter und weiter auf einen Abgrund zu.«

Drei Schwestern
Drei Schwestern



Wegen des Todes des eigenen Vaters in die russische Provinz verschlagen, an der Seite eines Bruders, der sich in dieser Umgebung einzurichten versteht, indem er sich neben einer Heirat dem Glücksspiel verschreibt und das Erbe verspielt, bietet die Stationierung eines Regiments in dieser Abgeschiedenheit, die einzige Abwechslung. Doch so trügerisch stabil Tschechows Welten daherkommen, desto schneller stürzen sie ein.

Die große Liebe zieht entweder mit dem Regiment ab, oder wird beim Duell erschossen oder immer nur herbeigesehnt. Die Drei Schwestern von Anton Chechov spiegeln eine Welt, bevor die großen Umwälzungen einsetzen. Fast spürt man einen Hauch von Revolution, die nicht sichtbar ist, doch kommen muß, damit sich etwas ändert. Nur bleiben die Menschen hier so wie sie sind. Olga, Irina, Mascha sind nicht darauf geeicht, ihr Leben zum Einsturz zu bringen. Sie nehmen sich überallhin mit, selbst wenn sie an Ort und Stelle bleiben.

Die drei Schwestern Olga, Mascha, Irina so unterschiedlich Tschechow sie auch zeichnet, so tragen sie alle jene Melancholie in sich, die seine Bühnenfiguren prägen.

Auf der Bühne schafft Tschechow eine sehr emotionale spannende Stimmung, die eine kommende Veränderung vorahnen lässt. Es gibt nicht viel Action. Die Spannung wird hauptsächlich durch Dialoge und Emotionen der Charaktere erzeugt.

Eine Karikatur auf die Langeweile und die Schicht, die sich diese leisten kann,

Literatur:

Drei Schwestern
Drei Schwestern
von Anton Tschechow

Drei Schwestern
Drei Schwestern
von Anton Tschechow

Drei Schwestern
Drei Schwestern
von Anton Tschechow


»Liebeskunst« von Ovid

»Liebeskunst« ist ein Versepos von Ovid. Seine »Ars Amatoria« beruhen auf den Erfahrungen des von Frauen recht begehrten Liebskünstlers Ovid. Ovid, der schwungvolle Dandy, vor dem keine der interessanten Frauen des antiken Rom sicher sein konnte, verdingt sich in diesem Gedicht als Lehrer der Liebeskunst, von der er, wie dieses Buch zeigt, ebenso viel verstand wie von der Dichtkunst.

Er nimmt die Form des Lehrgedichts zum Anlaß, eine ungeheuer witzige Parodie auf der Liebe Lust und Leid zu schreiben. Besonders empfehlenswert ist das Buch deshalb für melancholische Schwerenöter, die aufgebaut werden wollen: "Zuerst soll dich das Vertrauen durchdringen, daß alle Frauen erobert werden können".

Ovids Werk gehört damit zu den Lehrdichtungen wie auch Lukrez es tat, auch zu den Liebesdichtungen, wie seine Amores und letztendlich gewinnt es aus den Erfahrungen des Dichters selbst. Ovid will hier umfassend lehren und informieren, möchte aber auch als Liebesdichter zärtliche Gefühle besingen, ähnlich einer Sappho oder eines Pindar. Ovid zählt bereits zu Lebzeiten zu den meistgelesenen Dichtern seiner Zeit.

Ovid hätte als Verführer der Frauen

befunden, dass Geiz sehr ungeil ist.



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können auch gerne woanders gaffen gehen.

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Ihre Billigheimer Redaktion


"Nun habe ich ein Werk vollendet, das nicht Iuppiters Zorn, nicht Feuer, nicht Eisen, nicht das nagende Alter wird vernichten können. Mit meinem besseren Teil werde ich fortdauern und mich hoch über die Sterne emporschwingen. Mein Name wird unzerstörbar sein und durch alle Jahrhunderte im Ruhm fortleben."

Dieses Selbstbild des Dichters wurde glanzvoll bestätigt. Dante zitierte seinen Schicksalsahnen in der "Göttlichen Komödie" immer wieder. Luther adelte den Poeten 1537 in seinen "Tischreden", und Shakespeare ehrte ihn 1593 in "Der Widerspenstigen Zähmung". "Meister geiler Lüsten" wurde er genannt, Diderot erfreute sich 1760 am "Feuer seiner Leidenschaft".

Den Rest dieses Artikels - fünf Textblöcke - können Sie als
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Literatur:

Liebeskunst
Liebeskunst
von Ovid

»Nachtflug« von Antoine de Saint-Exupéry

Antoine de Saint-Exupéry



Nachtflug


Antoine de Saint-Exupéry war ein Pilot aus Leidenschaft. Über das Fliegen kam Antoine de Saint-Exupéry zur Schriftstellerei. Seine Erlebnisse und Erfahrungen als Verantwortlicher für die ersten, trotz aller Gefahren pflichtgemäß durchgeführten Nachtflüge verarbeitete er zu dem Roman »Nachtflug« (1931), der den tödlichen letzten Flug eines Piloten ins Zentrum stellt. Mit diesem Buch gelang dem Flieger der Durchbruch als Autor.

Das Buch wurde mit dem renommierten »Prix femina« ausgezeichnet und brachte ihm den Durchbruch als Autor. -->
In seinem bewegten Leben arbeitete de Saint-Exupéry zumeist als Postflieger - eine Erfahrung, die er auch literarisch verarbeitete. Als Autor versuchte er sich erstmals 1925 mit der Novelle »L’ Aviateur« (»Der Flieger«).

Bereits sechs Jahre später erhielt er mit dem Roman »Vol de nuit« (»Nachtflug«), dessen Handlung um den tödlichen letzten Flug eines Piloten kreist, den renommierten französischen Literaturpreis »Prix femina«.


Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er eingezogen meldete er sich Pilot bei einem Aufklärungsgeschwader.
Antoine de Saint-Exupéry war ein bekennender Pazifist, für den der Krieg eine Krankheit bedeutete.

Donnerstag, 24. Juni 2021

Ernest Sabato 110. Geburtstag



Ernesto Sabato wurde vor 110 Jahren am 24. Juni 1911 als zehntes von elf Kindern in der Kleinstadt Rojas in der Provinz Buenos Aires geboren. Seine Eltern gehörten zur Generation der Einwanderer. Der Vater stammte aus Italien, die Mutter aus Albanien. Ernesto Sabato galt als einer der wichtigsten argentinischen Schriftsteller der Gegenwart. Ernesto Sábato gilt als letzter Vertreter der großen argentinischen Schriftsteller-Generation.

Er gilt als „Mann mit drei Leben“: zunächst Physiker, 1937 promoviert, der über radioaktive Strahlung forschte und lehrte, dann folgte in den 40er Jahren die Hinwendung zur Literatur sowie der Bruch mit der Physik, bis schließlich gegen Ende der 70er Jahre Sabatos letzter Text erschien und er sich fortan nur noch der Malerei widmete. Sábato vertrat die Idee der Synthese von Literatur und Philosophie.

Er studierte Mathematik und Physik und forschte als Atomphysiker in Paris und Boston eine Tätigkeit, die er nach dem Zweiten Weltkrieg zugunsten der Literatur aufgab.

Sabato war nicht nur Autor, Essayist und auch Maler, er war auch Skeptiker und Romanist und spielte auch politisch eine wichtige Rolle.

Auf Bitten des ersten Präsidenten nach der Militärdiktatur (1976-1983), Raúl Alfonsín, übernahm Sabato 1983 die Leitung der Conadep-Kommission, die das Schicksal der Verschwundenen der Diktaturzeit untersuchte und zahlreiche Menschenrechtsverbrechen der Militärs nach Zeugenbefragungen erstmals protokollierte.

Dieser unter dem Titel "Nunca Más" ("Nie wieder") weltweit bekanntgewordene Bericht gilt bis heute als das wichtigste Dokument über die Menschenrechtsverletzungen der Militärs und ist Grundlage für zahlreiche Prozesse gegen die Täter.

Sein Roman »Über Helden und Gräber« gilt als einer der bedeutendsten Romane der argentinischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Als Schriftsteller wurde Sabato unter anderem 1984 mit dem Cervantes-Preis ausgezeichnet, einer der wichtigsten Ehrungen der spanischsprachigen Welt, die mit Jorge Luis Borges zuvor erst ein Argentinier erhalten hatte. In späteren Jahren betätigte er sich hauptsächlich als Maler. Im Alter erblindete Sabato fast vollständig.

»Der Tunnel« ist der erste von Sabato verfasste Roman, dem noch zwei weitere folgten. Das Buch gilt als herausragender Roman der existenzialistischen Literatur Lateinamerikas. Auf Deutsch erschienen unter anderem seine Romane "Der Tunnel" und "Über Helden und Gräber".

Sabato lebte in Buenos Aires und galt bis zu seinem Tod 2011 als Anwärter auf den Nobelpreis.

Der argentinische Schriftsteller Ernesto Sabato starb am 30. April 2011 im Alter von 99 Jahren in seinem Haus bei Buenos Aires.



[ 1 ]   [ 2 ]


Weblinks:

Ernesto Sabato ist tot - www.taz.de

Mittwoch, 23. Juni 2021

»Romeo und Julia« von William Shakespeare

Romeo und Julia


»Romeo und Julia« ist die bekannteste Liebesgeschichte der Weltliteratur, die in vielen Fassungen unterschiedlicher Autoren und Kulturkreise erhalten und historisch überliefert ist.

»Romeo und Julia« von William Shakespeare erzählt die Geschichte der beiden Liebenden aus Verona, die wegen einer Familienfehde nicht zusammenkommen konnten. Diese traurige Liebesgschichte ist dank William Shakespeare weltberühmt geworden.

»Romeo und Julia« ist eine Tragödie, neben »Hamlet« die bekannteste und beliebteste, die Shakespeare je geschrieben hat. Romeo und Julia, die tragisch Verliebten, gehören zwei verfeindeten Familien an, den Montagues und Capulets, die verhindern, dass sie ihre Liebe offen leben. Heimlich lassen sie sich trauen.

Um der vom Vater geplanten Hochzeit mit einem Dritten zu entgehen, trinkt Julia einen Betäubungstrank, der sie für vierzig Stunden in einen todesähnlichen Schlaf versetzt. Doch Romeo kommt zu spät. Wie tot liegt Julia vor ihm und aus Verzweiflung trinkt er Gift. Wenige Augenblicke später erwacht sie und erblickt das Unglück. Mit seinem Dolch folgt sie ihm nach.


Die Geschichte endet tragisch durch den Liebestod der beiden Liebenden: Romeo, durch einen fatalen Zufall nur unzureichend über den Plan informiert, glaubt Julia tot und vergiftet sich in ihrer Gruft. Julia erwacht und ersticht sich mit Romeos Dolch.

Verona Balkon


William Shakespeares »Romeo und Julia« ist die berühmteste und beliebteste Liebestragödie der Weltliteratur, auch heute noch, mehr als 400 Jahre nach ihrer Entstehung. Das Stück wurde schon zu Shakespeares Zeit häufig gespielt, hat viele Bearbeitungen erfahren und wurde zur Grundlage zahlreicher Novellen, Musikkompositionen und Verfilmungen. Shakespeare aber erfand zu seiner Zeit mit ›»Romeo und Julia« etwas völlig Unbekanntes: die erste englische Liebestragödie.

Das Stück wurde schon zu Shakespeares Zeit häufig gespielt, hat viele Bearbeitungen erfahren und wurde zur Grundlage zahlreicher Novellen, Musikkompositionen und Verfilmungen.

Das Motiv der Liebenden, die durch widrige Umstände getrennt werden, wurzelt tief in Mythologie und Märchen. Beispiele oder Entsprechungen für solche Liebespaare finden sich etwa in den Sagen von Hero und Leander, Pyramus und Thisbe, Tristan und Isolde, Flore und Blanscheflur und Troilus und Cressida.

In der Novellenliteratur der Renaissance wird die Geschichte in den grundlegenden Zügen bereits im »Novellino« des Masuccio von Salerno (ca. 1474 – 1476) dargeboten. Durch neue Eigennamen und zusätzliche Handlungselemente wie etwa die Balkonszene oder den doppelten Selbstmord am Ende erhält sie bei Luigi da Porta um 1535 ihre vertraute Gestalt.


Arthur Brooke, The Tragicall Historye of Romeus and Juliet, 1562
Arthur Brooke, The Tragicall Historye of Romeus and Juliet, 1562


Das Schicksal von Troilus und Cressida wurde bereits von Geoffrey Chaucer in seinem Epos »Troilus and Criseyde« dargestellt. Dieses Werk beeinflusste stark Shakespeares unmittelbare Vorlage, Arthur Brookes Epos »The Tragical History of Romeus and Juliet« von 1562.

Sowohl Brooke als auch sein Landsmann William Painter mit Rhomeo and Julietta von 1567 benutzten die französische Fassung von Pierre Boaistuau (1559), die wiederum auf Matteo Bandellos Romeo e Giulietta (1554) und Luigi da Portos Giuletta e Romeo (um 1530) zurückgreift. Die unter diesen Versionen bekannteste Fassung von Bandello weist bereits im Wesentlichen den gleichen Handlungsverlauf und das gleiche Figurenensemble auf wie Shakespeares »Romeo und Julia«.

Weblink:

We read Romeo and Juliet ! »Romeo und Julia« Text zum Nachlesen - wereadromeoandjuliet.blogspot.de


Literatur:

Romeo und Julia
Romeo und Julia
von William Shakespeare

Samstag, 19. Juni 2021

William Shakespeares »Hamlet«

William Shakespeare


Shakespeares »Hamlet« gilt als Höhepunkt seines dramatischen Schaffens. Das 1600 / 1601 entstandene und 1602 uraufgeführte Werk ist ein zeitloses Drama umd Liebe, Rachsucht, Tod und Vergänglichkeit.

William Shakespeares »Hamlet« - kaum ein Werk wurde so häufig gespielt und dabei so unterschiedlich interpretiert, ob auf der Bühne, der Kinoleinwand oder als Gerüst für einen Serienplot. Shakespeares Träume in die moderne Welt zu transponieren ist eine der größten Herausforderungen. Manche Zitate gehören wie selbstverständlich zu unserem Wortschatz.

Es sind kaum zwei Monate seit dem plötzlichen Tod seines Vaters, des Königs von Dänemark, vergangen, als der dänische Thronprinz Hamlet von einer neuen persönlichen Tragödie heimgesucht wird: Seine Mutter verheiratet sich mit seinem Onkel Claudius, dem Bruder des verstorbenen Königs.

Hamlets Welt bricht zusammen und er beginnt damit, am Sinn seines eigenen Lebens zu zweifeln. Erst als ihm der Geist seines verstorbenen Vaters erscheint und ihm davon berichtet, dass er von Claudius ermordet worden ist, wird der junge Prinz aus seiner Lethargie herausgerissen. Er soll den Tod seines Vaters am neuen König Claudius rächen.

Der Racheauftrag entpuppt sich aber als eine neue Hürde für Hamlets geistige Verfassung. Während der kluge und vorsichtige Prinz absichtlich vortäuscht, wahnsinnig zu sein, um im Verdeckten gegen Claudius ermitteln zu können, kann er nicht verhindern, dass er dabei immer schwermütiger wird. Er verstößt seine Geliebte, denkt kontinuierlich über den Tod nach, beleidigt fast alle Mitglieder der Hofgesellschaft und scheint am Ende billigend in Kauf zu nehmen, daß auch andere seiner Rache zum Opfer fallen.

Sein berühmtes »Sein oder nicht sein« ist zu dem Theaterklischee schlechthin geworden. Allein der Totenschädel in der Hand signalisiert eindeutig, es geht um den Dänenprinzen und sein schweres Schicksal, das nach guter Shakespeare-Manier am Ende allen Hauptfiguren das Leben kostet. Viele Akteure verlieren in dem düsteren Drama ihren Kopf.

Der Vater wurde vom Onkel gemeuchelt, Hamlet ist ahnungslos, bis der Geist der Vater ihm sein Schicksal kündet. Hamlet fühlt sich einsam und am Hof nicht verstanden. Der Prinz verzweifelt an seiner hoffungsnlosen Lage, verstellt sich und gibt sich irr Gewordener.

Was hat uns das Werk heute noch zu sagen, warum vergeht keine Spielzeit ohne einen »Hamlet« auf der Bühne? Was sagt ein Psychologe zu dieser Figur, wo findet man sie vielleicht in der heutigen Politik wieder, und wie setzen sich Musiker mit dem traurigen Prinzen, der auf Vergeltung sinnt, auseinander?

Bei Shakespeare erleben die Helden eine tragische Situation, sie sterben, doch die Verhältnisse verändern sich nicht, sondern bleiben bestehen. Es ist eine besondere Tragik: Shakespeares Figuren ändern nichts an den Verhältnissen.

Die Klassiker der Theaterliteratur sind zeitlos, allgemeingültig über Jahrhunderte hinweg und behandeln archaische Konflikte, die sich damals am Königshof ebenso abspielten wie heute in der Konzernzentrale. Manche Dramen verlieren mit der Zeit nicht an Bedeutung, lassen einen nicht los, überraschen immer wieder aufs Neue, sind verhaftet in den Köpfen, im kulturellen Gedächtnis, Allgemein- und Kulturgut.



Blog-Artikel:

»Hamlet« von William Shakespeare - Literatenwelt-Blog - literatenwelt.blogspot.de

Rezension:

Hamlet Rezension - lektuerehilfe.de

E-Book:


Hamlet - Prinz von Dänemark - William Shakespeare
Hamlet
von William Shakespeare

»Frühstück bei Tiffany« von Truman Capote


In der flirrenden Atmosphäre des New Yorker Hochsommers lässt sich die 18-jährige Holly Golightly vom Strom des leichten Lebens treiben. Mit Charme und Einfallsreichtum schlägt sie sich durch zwischen Bohemiens und Playboys. Sie weiß, wie man eine Party feiert. Und sie weiß, was hilft, sobald sie vom »roten Elend« überfallen wird, dieser unbestimmten Furcht: ein Abstecher zu Tiffany.

Das Buch handelt von der Freundschaft eines Schriftstellers (Ich-Erzähler) mit einer 19-jährigen jungen Frau namens Holly Golightly, die in der Wohnung unter ihm haust. Holly, die als Kind von zu Hause weglief, mit 14 Jahren einen mehr als 30 Jahre älteren Mann heiratete (und dadurch Mutter von vier Kindern wurde, die älter waren als sie), schlägt sich zum Zeitpunkt der Erzählung (= Zeit des Zweiten Weltkrieges) durch das New Yorker Leben, indem sie zahlreiche Männer gleichzeitig schamlos ausnutzt.

In New York lebt Holly in den Tag hinein und lässt sich ihren aufwendigen Lebensstil durch reiche Verehrer finanzieren. Doch dann verliebt sie sich in einen mittellosen Schriftsteller.

Holly Golightly, ein freches, aber liebenswertes Callgirl, verbringt ihre New Yorker Nächte mit Partys und reichen Männern. Ihr liebster Ort in der Millionenstadt ist vor dem Schaufenster des Nobel-Juweliers Tiffany. Nach einer durchfeierten Nacht schlendert sie dort gern zum Frühstücken vorbei.

Frühstück bei Tiffany
Frühstück bei Tiffany

Hollys neuer Nachbar, der Schriftsteller Paul Varjak, ist fasziniert von der stilbewussten jungen Frau. Bald verbindet die beiden eine enge Freundschaft. Als eines Tages Hollys Ex-Ehemann vor der Tür steht, erfährt Paul mehr über Hollys Vergangenheit und ihre ärmliche Herkunft. Paul fühlt sich immer mehr zu Holly hingezogen. Doch sie verfolgt weiterhin den Plan, einen reichen Mann zu heiraten. Ein einflussreicher brasilianischer Großgrundbesitzer scheint der Richtige zu sein.


»Frühstück bei Tiffany« von Truman Caopot ist ein moderner Großstadtdtroman.

Der Roman wurde 1961 verfilmt. Audrey Hepburn in ihrer wohl bekanntesten Rolle revolutionierte das Frauenbild der 1960er-Jahre und mauserte sich zur Stilikone. Die Vorlage zu dieser von leichter Hand geschriebenen Komödie von Blake Edwards lieferte kein Geringerer als Truman Capote.

Es gibt kaum eine literarische Figur, deren Kontur derart stark durch ihre filmische Umsetzung fixiert wurde wie die Gestalt von Holy Golightly in der Darstellung der feenhaften Audrey Hepburn. Es gibt aber auch nur wenige Bücher, deren Tendenz und Stimmung durch ihre Verfilmung derart verfälscht wurden wie Truman Capotes Meisterwerk "Frühstück bei Tiffany".


Literatur:

Frühstück bei Tiffany
Frühstück bei Tiffany
von Truman Capote

Breakfast at Tiffany's
Breakfast at Tiffany's
von Truman Capote

»King Lear« von William Shakespeare

King Lear
King Lear

Mit seiner 1606 uraufgeführten Tragödie »King Lear« beschreibt Shakespeare Zerrissenheit und Leid menschlicher Existenz. Er zeichnet ein negatives Menschenbild, das von Wankelmut und Unzuverlässigkeit, Verrat und Hinterhältigkeit dominiert wird.

Die Person König Lears und seine Geschichte basieren auf der Figur des König Leir (auch Llyr oder Lir), eines der legendären Könige Britanniens aus der vorrömischen Zeit. Die Sage von Leir und seinen Töchtern war zu Shakespeares Zeit in verschiedenen Fassungen überliefert und bereits in Erzählungen, Gedichten und Versen sowie zu Dramen verarbeitet. Ihre Grundstruktur findet sich in der »Historia Regum Britanniae «(um 1136) des Geoffrey von Monmouth aus Wales.

Im Elisabethanischen Zeitalter fand sie Eingang in alle bekannten historischen Darstellungen, so auch in Holinsheds »Chronicles of England, Scotland, and «(1577 und 1587), die Shakespeare als eine seiner wesentlichen Quellen für die englische Geschichte nutzte.
König Lear will sein Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen, und zwar nach dem Maß ihrer Vaterliebe, die sie um die Wette bekunden sollen. Regan und Goneril überbieten sich in Liebesbezeugungen, die jüngste Tochter Cordelia erklärt nur schlicht ihre Liebe. Daraufhin enterbt sie ihr Vater. Regan und Goneril, die das Reich erben, verstoßen Lear. Cordelia kehrt als Ehefrau des Königs von Frankreich mit einer Armee zurück, um ihren Vater zu unterstützen, wird aber besiegt und schließlich getötet. Am Ende stirbt aus Kummer auch Lear.

"Was mir nützt, ist gute Beute" (Edmund I,2). Über die Zeiten hinweg vermutlich unverändert herrschende Meinung.

King Lear
King Lear

"Weisheit und Tugend scheinen dem Schlechten schlecht." Wer wollte schon von sich behaupten, er habe für sich Weisheit und Tugend gepachtet? Doch gibt es nicht solche, die eben dies für sich - in Shakespeare abstoßender absoluter Weise- in Anspruch nehmen? Und für genau diejenigen mag dann wohl gelten: "Schmutz riecht sich selbst nur gut" (jeweils Albanien V,3).

"Dem Hunde im Amt gehorcht man" (Lear IV,6). Bis in den Untergang. Zweifelt jemand ernsthaft daran?

»King Lear« ist immer wieder als Shakespeares größtes Werk, als das beste seiner Stücke beschrieben worden, als die Tragödie, in der sich seine zahlreichen Fähigkeiten am zahlreichsten entfalten.


Literatur:

King Lear
King Lear
von William Shakespeare

Mittwoch, 16. Juni 2021

Stefan George und sein Dichterkreis

Stefan George


Stefan George war unter den deutschen Dichtern im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zweifellos der einflussreichste. Er hat die deutsche Lyrik entscheidend geprägt. Seinen Ruhm verdankte George allerdings weniger seinen Gedichten als vielmehr der Tatsache, dass er sich so perfekt inszeniert hat wie kaum jemand vor ihm.

Als Dichter, Prophet und Mittelpunkt eines Kreises ihm grenzenlos ergebener Jünger zählte Stefan George zu den einflussreichsten Figuren der deutschen Geistesgeschichte. Legendär – und bis heute umstritten – war auch der so genannte George-Kreis, ein dem Dichter treu ergebener Männerbund. An diesem Kreis schwärmerisch begeisterter Jünglinge entwickelte Max Weber sein Modell der »charismatischen Herrschaft«.

Der Dichter Stefan George hat den Kampf gegen den "Ungeist der Städte" beschworen und von einem Ideal eines "geheimen, heiligen Deutschland" in der Tradition von Stauferkaiser Friedrich II. geschwärmt.

Sämtliche Werke in 18 Bänden
Sämtliche Werke in 18 Bänden

An der Person Georges lässt sich zeigen, was Macht über Menschen wirklich bedeutet. In seinem Werk finden sich zahlreiche Berührungspunkte mit dem Nationalsozialismus (George starb 1933), viele sahen in ihm einen »Wegbereiter«. Und doch steht am Ende dieses Weges das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944: Verübt hat es Claus von Stauffenberg, einer der letzten Vertrauten Georges.

Die führerorientierte, geheimbündlerische Organisation seines Kreises ist nur wenig kompatibel mit dem demokratischen Grundkonsens unserer Zeit und gehört mit zu den geistigen Strömungen, die der Weimarer Republik das Überleben schwer gemacht haben. Führerkult, nationale Orientierung und verdeckter Antisemitismus bringen die weltanschauliche Ausrichtung des George-Kreises in bedenkliche Nähe zum Nationalsozialismus, eine deutliche Abgrenzung sucht man vergebens.

Fast schon neigt man zu der Ansicht, dass man es eher zu gut mit George meint, wenn an sein »Schweigen« von 1933 als Distanzierung deutet und den Schlusspunkt setzt mit dem über ein Jahrzehnt nach Georges Tod versuchten Attentat auf Hitler, das geradezu als späte aus den Idealen des George-Kreises resultierende »Tat« gewertet wird.

George zählt heute zu den vergessenen Dichtern.

Weblinks:

Prophet des geheimen Deutschlands - Junge Freiheit - jungefreiheit.de/kultur

Geheimes altes Deutschland - ulmer-tagebuch.blog.de

Geheimbund: Der George-Kreis existiert noch. Eine Sensation - www.welt.de/kultur


Literatur:

Gesamtausgabe
Gesamtausgabe
von Stefan George

Sämtliche Werke in 18 Bänden
Sämtliche Werke in 18 Bänden
von Stefan George

Sämtliche Gedichte
Sämtliche Gedichte
von Stefan George

Gedichte (insel taschenbuch)
Gedichte (insel taschenbuch)
von Ernst Osterkamp und Stefan George


Biografie:

Stefan George
Stefan George
von Thomas Karlauf

Dienstag, 15. Juni 2021

Tolstoi und die Sonne von Austerlitz


Die Sonne über Austerlitz, die Tolstoi aus dem Nebel emporsteigen sah, und der Himmel, den er sich über dem verwundeten Andrej Bolkonski öffnen sah, entsprangen Beobachtungen, die er selbst im Kampf gemacht hat.

Aus seinen Beobachtungen auf dem Schlachtfeld entstand später das Panorama einer Schlacht und ein Blick ins Innere der Kämpfenden, deren Begeisterung zunächst ins Hurra der Kolonne einstimmte, um in der Trance des letzten Lebensaugenblicks zu verstummen. Nicht der Held interessiert Tolstoi, sondern die innere Karriere seiner Tapferkeit.

Die extreme Erfahrung des Krieges lässt Tolstoi auch im Frieden nicht los. Der Krieg war Tolstois Trauma, weil sich in ihm immer wieder die Frage nach dem Sinn des Daseins stellte.

Auf die frühen Erzählungen „Wie russische Soldaten sterben“ (1854) und die drei Erzählungen über „Sewastopol“ folgen die „Kosaken“ und „Hadschi Murad“, die Geschichte eines Outlaw und „Menschenschlächters“, der an der Seite der Russen seinen eigenen tschetschenischen Stamm bekämpft. Der Krieg war Tolstois Trauma, weil sich in ihm immer wieder die Frage nach dem Sinn des Daseins stellte.

Die ausgeruhte Darstellung der leidvollsten Epoche der russischen Geschichte, Napoleons Einmarsch in Russland und sein Rückzug konnte erst gelingen, nachdem Tolstoi sein unruhiges Soldatenleben mit der ungefährdeten Existenz eines Ehemannes vertauscht hatte.

Montag, 14. Juni 2021

Harriet Beecher Stowe 210. Geburtstag

Harriet Beecher Stowe


Harriet Beecher-Stowe wurde vor 210 Jahren am 14. Juni 1811 in Litchfield, Connecticut geboren.

Harriet Beecher-Stowe war ein amerikanische Schriftstellerin von der Ostküste und erklärte Gegnerin der Sklaverei. Aus einer streng puritanischen Familie stammend, wurde sie Lehrerin. Sie heiratete einen Professor für Bibelkunde. In den Grenzen, die ihre religiöse Gesinnung ihr setzte, trat sie schon früh für Frauenrechte ein und kämpfte in den Nordstaaten gegen die Sklaverei.

Schon früh hat sie sich mit der Sklavenfrage beschäftigt und noch eingehendere Studien und Beobachtungen machte sie, als sie mit ihrem Ehemann wiederholt den Süden bereiste und die Pflanzungen von Louisiana, Tennessee, Georgia, North und South Carolina, die Sklavenzüchtereien von Virginia, die „Negermärkte“ von New Orleans usw. sah, wo die Südstaaten glaubten, nicht ohne Sklaverei auskommen zu müssen. Als 1850 das „Fugitive Slave Law“ im Kongress angenommen wurde, fühlte Beecher Stowe die Zeit gekommen, über das harte Los der Sklaven zu schreiben.

Die auf den Reisen empfangenen Eindrücke verarbeitete sie in ihrem berühmten, die traurige Lage der versklavten Schwarzafrikaner in den nordamerikanischen Sklavenstaaten darstellenden Roman »Onkel Toms Hütte«.

Ihr bekanntestes Buch »Onkel Toms Hütte« (1852) entstand nach einer Reise in die Südstaaten und beschreibt als erstes Werk der damaligen Zeit klar und deutlich die Differenzen zwischen beiden Staatsregionen. Gegen die Intention der Autorin trug das Buch zum Ausbruch des Bürgerkriegs bei. Heute wird das Werk wegen seiner vereinfachenden Sichtweise der Farbigen als simple und schutzbedürftige Menschen kritisiert.

Der Roman beeinflusste die politische Meinung in den USA zu diesem Thema wesentlich und wurde zu einer wichtigen Kampfschrift im Bürgerkrieg der Nordstaaten gegen die Südstaaten (Sezessionskrieg). Bereits im ersten Jahr des Erscheinens wurden 300.000 Exemplare verkauft; zahlreiche Neuauflagen und Übersetzungen in andere Sprachen folgten.

Harriet Beecher-Stowe starb am 1. Juli 1896 in Hartford, Connecticut.

Literatur:

Onkel Toms Hütte Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher-Stowe

Samstag, 12. Juni 2021

»Die Judenbuche« von Annette von Droste-Hülshoff

Die Judenbuche

»Die Judenbuche« ist eine 1842 in der Zeitschrift »Morgenblatt für gebildete Leser« erschienene Novelle von Annette von Droste-Hülshoff. »Die Judenbuche« ist - wie der Untertitel anklingen lässt - ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen - eine szenische Schilderung des Dorflebens und den Menschenschlag in Westfalen in der Mitte des 18. Jahrhunderts.

!-- Die Szene ist in einem westfälischen Dorf in der Mitte des 18. Jahrhunderts. -->Unter den Dorfbewohnern herrscht Hochmut, kleinere und größere Straftaten sind an der Tagesordnung. Friedrich Mergel, die Hauptfigur dieser bekanntesten Novelle der deutschsprachigen Literatur, erschlägt im Streit den Juden Aaron und flieht. 28 Jahre später kehrt er in seine Heimat zurück und erhängt sich am Ort des Verbrechens, an der so genannten Judenbuche, an der steht: -Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast-.

Die Judenbuche
Die Judenbuche: Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen


Die Einordnung dieser Geschichte aus dem 18. Jahrhundert in ein bestimmtes Genre ist eine schwer lösbare Aufgabe. "Die Judenbuche" ist eine relativ kurze, krimiähnliche Erzählung mit Neigungen zum Schauerroman. Zunächst erscheint sie als romantische Doppel- oder Wiedergänger-Geschichte, dann wiederum wähnen wir uns aufgrund des nahezu naturalistischen Dekors und der Schilderung des mühsamen Landlebens in einem Sozialdrama, ehe der Fortzug des Helden in die Türkei wieder Assoziationen an die romantische Tradition des Abenteurer- und Entwicklungsromans weckt. Am Ende verblüfft Droste-Hülshoff mit einem echten Paukenschlag. Und es ist wohl dies alles zusammen, was "Die Judenbuche" den Status einer nahezu singulären Erscheinung in der deutschen Literatur eingebracht hat.

Literatur:

Die Judenbuche
Die Judenbuche: Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen
von Annette von Droste-Hülshoff

Die Judenbuche
Die Judenbuche: Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen
von Annette von Droste-Hülshoff

Weblink:

Die Judenbuche - www.hs-augsburg.de

»Das Buch der Lieder« von Heinrich Heine

Das Buch der Lieder



Das »Buch der Lieder« ist Heines berühmteste Gedichtsammlung, sie erschien erstmals 1827 und erlebte noch zu seinen Lebzeiten 13 Auflagen, die er teilweise selber redigierte und veränderte. Das »Buch der Lieder« begründete Heines Weltruhm als Dichter.

Das »Buch der Lieder« enthält in fünf Zyklen chronologisch geordnet, 237 Gedichte, das Fazit von Heines lyrischem Jugendleben. Dieses wurde - bei aller Originalität - angeregt von unterschiedlichen literarischen Traditionen. Deren wichtigtste, auch im Selbstverständnis des Autors, ist die des Volksliedes.

Viele der knapp 240 Gedichte wurden vertont, darunter die Lorelei (»Ich weiß nicht, was soll es bedeuten«) oder »Im wunderschönen Monat Mai«. Vielfach greifen sie auf altes Volksliedgut zurück und sind ihrerseits zu Volksliedern geworden.

Das Thema der Lieder, Sonette, Romanzen und Gedichte in freien Rhythmen ist fast ausnahmslos die unerfüllte Liebe, der Schmerz, die Sehnsucht, der Traum. Unerreicht ist ihre Mischung aus Ironie und tiefem Gefühl.


Das Buch der Lieder

Das Buch der Lieder





Heinrich Heine, der deutsche Dichter der Romantik, legt sein wahrscheinlich schönstes Buch vor. In unzähligen Variationen erforscht und durchleidet Heine das wohl intensivste Gefühl des Menschen. Die Angebetete stellt sich dabei in den unterschiedlichsten Gestalten dar, erscheint mal als verlockende Kindfrau, mal als unnahbare Göttin, mal als Dame, "schön und hold", mal als "banges, bekümmertes Weib".

Durch alle Stadien der Liebe, von der ersten Verliebtheit in Kindertagen zum besinnungslosen Taumel der Jugend, über Enttäuschungen, Wirrungen und Verwirrungen des Herzens hindurch, bis hin zur völligen Taubheit desselben, verzaubert Heine den Leser mit jeder Zeile, jedem Vers aufs Neue und hinterlässt bei seinen Lesern nichts als ein tiefes Säufzen der eigenen Seele.

Heines Gedichte erweichen selbst versteinerte Herzen, angesichts der ehrlichen wie auch hoffnungslosen Zuneigung des Liebenden, und malt uns so ein Bild von der Zerbrechlichkeit der (meist ungleichen) Liebe. Die Eindringlichkeit seiner Verse ist unübertroffen und für mich der unumstritten beste Dichter, nicht nur der Liebeslyrik.

Im Stile der griechischen Poeten ruft Heine im Vorwort die Götter an: "Lasst mich ein Greis werden, der die Jugend liebt und trotz der Altersschwäche noch immer teilnimmt an ihren Spielen und Gefahren!"

Heine Volkslieder zählen zum schönsten Liedgut der Deutschen. "Ich weiß nicht was soll es bedeuten... ", mit diesen Worten beginnt das Lied über die schöne Jungfrau Loreley, durch deren Gesang Schiffer samt Kahn in den Wellen versinkt. Wessen Gedanken wandern bei diesen Strophen nicht zu Homers Helden, der, an den Mast gekettet, dem unwiderstehlichen Gesang der Sirenen lauscht.

Literatur:

Das Buch der Lieder
Das Buch der Lieder
von Heinrich Heine

Videos:

»Das Buch der Lieder« von Heinrich Heine - Youtube - www.youtube.de

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Lessing - zwischen Tradition und Neuanfang

Mit Lessing läßt man in der deutschen Literaturgeschichte die Neuzeit anfangen, Lessing scheint beinahe schon einer der ›Unseren‹: Wegbereiter dessen, was man dann ab den 1770er Jahren als ›moderne Literatur‹ bezeichnen kann.

Dieses Bild des Neubegründers, der die deutsche Literatur vom ›französirenden‹ Irrweg abbringt und ihr die "der deutschen Denkungsart" gemäße Richtung zum "Genie" Shakespeare weist, hat nicht zuletzt Lessing selbst im kulturellen Gedächtnis verankert: durch wirkungsmächtige polemische Vernichtung seiner Gegner, durch rhetorisch ebenso glanzvolle Befestigung der eigenen Gegenposition.

Und um Gegen-Positionen handelt es sich im wahrsten Sinn des Wortes, sucht er doch - anders als Goethe es zum Signum seiner Generation macht - nicht ›alles in sich selbst‹, greift nicht ›in seinen Busen‹, sondern setzt sich mit Tradition auseinander, verbeißt sich geradezu in sie, um aus der Auseinandersetzung, ihrer argumentativen und dramatischen Inszenierung die eigene Position überhaupt erst zu entwickeln.

Donnerstag, 3. Juni 2021

Monika Maron 80. Geburtstag



Monika Maron wurde vor 80 Jahren am 3. Juni 1941 in Berlin geboren. Monika Maron ist eine deutsche Schriftstellerin, die von 1951 bis 1988 in der DDR lebte. Ihr Debütroman »Flugasche« durfte in der DDR nicht erscheinen und wurde stattdessen 1981 im westdeutschen Verlag S. Fischer veröffentlicht. Der Roman gilt als erste weithin bekannt gewordene literarische Auseinandersetzung mit der Umweltverschmutzung in der DDR.
Im Jahr 1981 veröffentlichte sie ihren ersten Roman »Flugasche«, in dem sie unter anderem Erfahrungen als Industriereporterin im Chemierevier der DDR verarbeitete. »Flugasche« war das erste „Umwelt-Buch“ der DDR, in dem offen die Umweltsünden beklagt und angeprangert wurden. So bezeichnete sie B[itterfeld] als „die schmutzigste Stadt Europas“. Wegen des kritischen Inhalts konnte das Buch, das Maron weithin große Anerkennung eintrug, in der DDR nicht erscheinen.

Seitdem schrieb Monika Maron mehr als zehn Romane und andere Werke mit Essays und Erzählungen, von denen besonders der Roman »Animal triste« von 1996 auf großes Echo stieß.

Sie veröffentlichte zahlreiche weitere Romane, darunter »Endmoränen«, »Ach Glück« und »Zwischenspiel«, außerdem mehrere Essaybände, darunter ›Krähengekrächz‹, und die Reportage ›Bitterfelder Bogen‹. Zuletzt erschien der Roman »Munin oder Chaos im Kopf«.

Die Schriftstellerin wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem »Kleist-Preis« (1992), dem »Friedrich-Hölderlin-Preis« der Stadt Bad Homburg (2003), dem »Deutschen Nationalpreis« (2009), dem »Lessing-Preis des Freistaats Sachsen« (2011) und dem »Ida-Dehmel-Preis« (2017).

Nach zunehmender politischer Entfremdung verließ sie 1988 zusammen mit ihrem Mann, dem Naturwissenschaftler Wilhelm Tappe, und dem gemeinsamen Sohn Jonas mit einem Drei-Jahres-Visum die DDR. Sie lebte bis 1992 in Hamburg und zog dann wieder nach Berlin.