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Freitag, 28. November 2025

»Der Zauberberg« 1925 erschienen

Der Zauberberg
< 1924 entstand sein zweites zentrales Werk »Der Zauberberg«, der auf einem zweiwöchigem Aufenthalt im Kurort Davos basiert. Der Roman war ein Roman über das abseitigen Leben ein paar Dutzend Lungenkranker, aber auch der europäische Roman zur Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges - ein zeitkritischer Roman im Horizont der politischen Ereignisse.

Thomas Manns Bildungsroman "Der Zauberberg" erschien vor 100 Jahren am 28. November 1925 im Berliner S. Fischer Verlag.

Der Zauberberg Der Roman richtete sich gegen die überkommene Lebensweise und Weltsicht der adelig-bürgerlichen Gesellschaft des Wilhelminischen Zeitalters. Der junge Protagonist Hans Castorp durchlebt in der scheinbar zeitlosen Kulisse eines Sanatoriums in Davos einen Läuterungsprozess, der ihm die Augen für ein neues Humanitätsideal öffnet.

Ursprünglich wollte Thomas Mann nur eine kurze, humoristische Skizze über das Leben in mondänen Kurorten anfertigen. Auf das Thema wurde er im Umkreis der Novelle "Tod in Venedig" (1913) aufmerksam. 1912 besuchte er mit seiner Frau Katia ein Lungensanatorium in Davos.

Literatur:

Der Zauberberg

Samstag, 14. Juni 2025

»Buddenbrooks« von Thomas Mann

Buddenbrooks
Buddenbrooks

Die »Buddenbrooks« von Thomas Mann ist eine Geschichte von vier Generationen einer Lübecker Kaufmannsfamilie, deren Aufstieg und Niedergang sich zwischen den 30er und den späten 70er Jahren des 19. Jahrhunderts zuträgt.

Bereits der Untertitel »Verfall einer Familie« macht deutlich: Es handelt sich um die Verfallsgeschichte einer Familie - der Buddenbrooks. Der Roman zeigt die Mechanismen des Aufstiegs und Untergangs dieser Familie. Es ist die Geschichte einer Familie und gleichzeitig die Rekonstruktion des Auftauchens und des Verschwindens bürgerlicher Werte.

Der Autor erzählt vor der Kulisse Lübecks nur wenig verschlüsselt die Geschichte seiner eigenen Familie und ihrer Stellung in der Vaterstadt Lübeck, soweit er sie nachvollziehen, in Einzelheiten überblicken konnte, ja sogar noch miterlebt hat. Verwandte, Honoratioren und markante Persönlichkeiten seiner Jugend werden integriert.

Thomas Mann zeichnet in seinem gewaltigen Zeitgemälde des 19. Jahrhunderts das Bild eines deutschen Bürgertums, das in seinem traditionellen Status gefangen ist. Der Ehrenkodex der rechtschaffenen Kaufleute und der unverrückbare Glaube in den dauerhaften Fortbestand ihrer Wertvorstellungen macht die Buddenbrooks blind für die Umwälzungen ihrer Gegenwart.

Mit dem "Verfall einer Familie" ist gleichzeitig der Untergang einer Schicht bezeichnet, der es nicht gelingt, sich der neuen kapitalistischen Realität zu eröffnen. Die Mitglieder der Familie sind dazu verurteilt, ihr eigenes Schicksal dem Wohlergehen des Unternehmens zu opfern. Und nicht allen gelingt es, die damit einhergehenden Leiden zu verschmerzen.


Die »Buddenbrooks« ist der erste Roman von Thomas Mann, an dem der damals 22-Jährige vier Jahre schrieb und 28 Jahre später den Nobelpreis für Literatur erhielt. Der Romancier zeichnet in seinem gewaltigen Zeitgemälde des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Kulisse seiner Heimatstadt Lübeck ein Bild seiner Zeit und Gesellschaft.

Der Autor lässt in den »Buddenbrooks« eine ganze Welt und mit Hanno Buddenbrook den Bruder oder Vetter all dieser Künstlerfiguren mit nur schwach ausgeprägtem Lebenswillen zugrunde gehen. Und man kann erschrecken über Heinrich Manns Aussage, er habe seinen Bruder nie wieder am Leben leiden gesehen, als sein Roman mitsamt dem Erfolg da waren, man kann erschrecken, aber auch zu verstehen versuchen, was jenseits des Erfolges in den »Buddenbrooks« alles gebannt sein mag, was für ein grosser Abwehrzauber im Faktischen und Kontrafaktischen das Buch für Thomas Mann wohl auch gewesen ist.

Im Hintergrund spiegelt der Roman Aspekte der deutschen Geschichte wieder, vor allem fängt er den Zeitgeist ein zwischen 1835 und 1877 in einer “mittelgroßen Handelsstadt” an der Ostsee aus großbürgerlicher Sicht.

28 Jahre nach Veröffentlichung der »Buddenbrooks« im Jahr 1901 im S. Fischer Verlag, erhielt Thomas Mann im Jahr 1929 den Literaturnobelpreis ausdrücklich für diesen Roman.

Literatur:

Buddenbrooks
Buddenbrooks
von Thomas Mann


Rezension:

Buddenbrooks Rezension
Buddenbrooks Rezension
von Joachim Weiser

Sonntag, 4. August 2024

»Moby Dick« von Herman Melville

Herman Melville

Seit er auf hoher See im Kampf mit dem legendären weißen Wal ein Bein verloren hat, ist Ahab, der selbstherrliche Kapitän des Walfängers "Pequod", von grenzenlosem Hass erfüllt. Von Rachegelüsten getrieben und ohne Rücksicht auf Verluste macht sich Ahab auf die erbitterte Jagd nach seinem gespenstischen Widersacher.

Die dramatische Jagd des zu allem entschlossenen Kapitäns Ahab auf den weißen Wal Moby Dick ist eine der wildesten, mitreißendsten und gedankenreichsten Lektüren - die Geschichte einer Obsession.

Das Walfangschiff "Pequod" läuft 1814 unter dem Kommando von Kapitän Ahab zu einer verhängnisvollen Reise aus. Ahab hat nur ein Ziel: den weißen Wal zu jagen, der ihn zum Krüppel gemacht hat.

Bevor der junge Ishmael zusammen mit dem Eingeborenen Queequeg an Bord der "Pequod" geht, prophezeit ihnen ein Landstreicher, dass sie dem Tode geweiht sind.

Auf der langen Reise lässt sich der geheimnisumwitterte Kapitän Ahab zunächst nicht blicken. Den Kontakt zu den Walfängern hält sein Steuermann Starbuck. Eine erste Walsichtung führt zu einem erfolgreichen Fang. Danach will Kapitän Ahab in den Indischen Ozean und schließlich von dort in den Pazifik zum Bikini-Atoll segeln.


Moby Dick

Im Lauf der Fahrt, in der seine Männer unter Windstille und sengender Sonne leiden und Ahab eine mögliche große Beute ziehen lässt, enthüllt sich der Mannschaft das wahre Ziel ihrer Reise: die Suche nach Moby Dick. Bei Neumond im April will Ahab Moby Dick stellen und alle offenen Rechnungen begleichen - koste es, was es wolle.

Mit "Moby Dick" schuf Herman Melville im Gewand eines packenden Seefahrer- und Abenteuerromans eine grandiose Allegorie auf die Unbezwingbarkeit der Natur und des Schicksals.

Dabei entsteht das eindringliche Bild einer Tier-Mensch-Beziehung: Nach dem Verlust seines Beins macht Ahab aus dem Walfisch ein vernunftbegabtes, verschlagenes Wesen mit menschlichen Zügen. Das wahre Wesen des Tiers verschwindet hinter der fanatischen Projektion des Mannes, der im Wal nur das eigene Spiegelbild, seinen eigenen Hass und seine Ängste zu entdecken vermag.

Herman Melvilles Roman "Moby Dick", der 1851 erschienen ist, gehört zu den großen Werken der Weltliteratur. John Hustons packende Verfilmung mit Gregory Peck und Orson Welles nutzt die abenteuerlichen Elemente des Romans, ohne seine hintergründige Symbolik preiszugeben.

Literatur:

Moby Dick


Moby Dick oder Der weiße Wal von Herman Melville

Moby Dick


Moby Dick oder Der weiße Wal von Herman Melville

Samstag, 29. Juni 2024

»Die Verwandlung« von Franz Kafka als Parabel der Moderne



»Die Verwandlung« ist eine im Jahr 1912 entstandene Erzählung von Franz Kafka. Die Geschichte handelt von Gregor Samsa, dessen plötzliche Verwandlung in ein Ungeziefer die Kommunikation seines sozialen Umfelds mit ihm immer mehr hemmt, bis er von seiner Familie für untragbar gehalten wird und schließlich zugrunde geht. Der Roman wurde zumeist als absurde Allegorie oder als kafkaeske Parabel gelesen.

"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte,
fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt."





Kafka schildert gleich zu Beginn dieses Romans die groteske Situation, in dem ein junger morgens in seinem Bett als Käfer verwandelt aufwacht und schildert damit zugleich eine absurde Kafkaeske der Moderne und in coronalen Zeiten, den stellen Sie sich vor, sie wachen morgns auf und finden sich infiziert oder gar als infizierten Käfer verandelt vor. Die Erzählung ist


Da erwacht also dieser Gregor, ein junger Handlungsreisender, der unter seinem Beruf und der Lieblosigkeit seiner Umwelt leidet, eines Morgens als riesiges Insekt. Zur Arbeit zu gehen, macht in seinem Zustand wenig Sinn. Schon taucht der erboste Prokurist auf und verlangt wütend eine Erklärung für Gregors Fernbleiben. Diese Szene, in der Gregor hinter verschlossener Tür sein Verhalten entschuldigt, seinen Käferkörper zur Tür quält und sich schließlich zu erkennen gibt, ist so haarsträubend kafkaesk, daß spätestens jetzt dieser Begriff jedem einleuchten dürfte. Gregors Familie ist angewidert, läßt den Sohn aber bei sich wohnen, bis schließlich -- nun, Sie werden es erfahren.

Keine Erklärung, nur dieser Hilfeschrei! Solche Radikalität war neu in der Literatur. Deutungen gab es viele. Gregor, wie Kafka, ein schwacher Mensch, der Tag für Tag mitansehen muß, wie diese Welt mit Schwachen umgeht, droht daran zugrundezugehen und vollzieht Die Verwandlung. Das ist seine "Rettung".

„Ohne jetzt mehr nachzudenken, womit man Gregor einen besonderen Gefallen machen könnte, schob die Schwester eiligst, ehe sie morgens und mittags ins Geschäft lief, mit dem Fuß irgendeine beliebige Speise in Gregors Zimmer hinein, um sie am Abend, gleichgültig dagegen, ob die Speise vielleicht nur verkostet oder – der häufigste Fall – gänzlich unberührt war, mit einem Schwenken des Besens hinauszukehren.“
»Die Verwandlung« - Franz Kafka

Wie kaum ein anderes Stück Literatur hat »Die Verwandlung« die Leser zugleich begeistert und verstört und zu verschiedensten Deutungen des vielschichtigen Textes angeregt. Kafkas Erzählung unterläuft und übertrifft jedoch jegliche Interpretationsschemata und ist über alle verkürzenden Zugänge zum Text erhaben.

Die Metamorphose des Prokuristen Gregor Samsa zum Käfer ist ein Kafkeske, welche von Kafka selbst nicht als beängstigendes Geschehen entworfen wurde. In einem Gespräch mit Gustav Janouch antwortete er angeblich auf dessen Vergleich mit der Devise »Zurück zur Natur«: »Doch heute geht man weiter. Man sagt es nicht nur - man tut es. Man kehrt zum Tier zurück. Das ist viel einfacher als das menschliche Dasein.«

»Die Verwandlung« von Franz Kafka ist Kafkas Ausdruck seines Seelenlebens und eine Parabel auf den seelenlosen Zustand der Welt. »Die Verwandlung« von Franz Kafka ist auch eine Parabel in coronalen Zeiten,
in der sich der Mensch plötzlich in einer verändertren Lebenssituation wiederfindet. Wie so oft trifft Kafka ins Schwarze. Eine beissende Gesellschaftskritik, die mittels einer skurrilen Idee zeigt wie Menschen sich in auswegslosen Situationen verhalten. Empathie, und deren Verblassen, Trotz, Scham, Widerstand und Verzweiflung werden gelungen thematisiert.


»Die Verwandlung« von Franz Kafka ist auch eine Parabel in coronalen Zeiten,
in der sich der Mensch plötzlich in einer veränderten Lebenssituation wiederfindet.

Die Geschichte um Gregor Samsa macht sehr betroffen. Wie schnell ein geliebter Mensch einfach mal so im Stich gelassen wird da dieser sich in ein Insekt verwandelt hat. - Diese Lektüre muss man gelesen haben, um die Verwandlung zu verstehen.

Literatur:

Die Verwandlung


Die Verwandlung


Die Verwandlung


Die Verwandlung


Die Verwandlung


Die Verwandlung


Samstag, 15. Juni 2024

Parzival-Epos

Pazival

Parzival ist ein Epos von Wolfram von Eschenbach. Eschenbach konnte weder lesen noch schreiben. Seine Gedichte sagte er einem Schreiber vor. Sein Parzival ist eine der tiefsten und gedankenreichsten Schöpfungen mittelalterlich-höfischer Dichtung, die zwischen 1203 und 1210 entsanden sein muss. Im Parzival verschmolz Eschenbach zwei große Sagenkreise: die Sage vom heiligen Gral und die Sage von König Artus und der Tafelrunde. Auch Elemente der Lohengrin-Sage sind hierin angelegt. Die Wandgemälde im Sängersaal von Neuschwanstein zeigen verschiedene Episoden aus dem Parzival-Epos.

Wolfram von Eschenbachs Roman über den "tumben Tor" Parzival, der unter allen Umständen Ritter von König Artus und seiner Tafelrunde werden wollte, gilt als Literaturschlager seiner Entstehungszeit. Mit fast 25.000 Versen ist der "Parzival" das längste deutsche Erzählwerk dieser Epoche und mit über hundert Abschriften auch eines der beliebtesten im Mittelalter. Das liegt vor allem an den Themen, die Wolfram von Eschenbach ansprach:

Es geht um ritterliche Ideale, verwoben mit christlichen Tugenden – um weltliche und religiöse Lebensfragen. Der naive Adlige, der nichts von höfischen Sitten und ritterlichen Idealen weiß und sie erst mühsam erlernen muss, wird nach harten Prüfungen schließlich zum Hoffnungsträger: Er soll eine Welt aus Gewalt und Leid erlösen und christliche Ideale erneuern.

Im Parzival-Epos wuchs der Titelheld ohne Kenntnis seiner adligen Abstammung in der Wildnis auf. Als er Rittern begegnete, machte er sich auf die Reise, selbst ein Ritter zu werden. Sie führte ihn auf die Gralsburg, wo ein neuer Gralskönig gesucht wurde. Doch Parzival stellte nicht die alles entscheidende Frage, die ihn als würdigen Nachfolger für Anfortas erwiesen hätte.

Seine Suche nach dem Heiligen Gral ist zugleich die Suche nach einem gottgefälligen Leben, ohne der Welt zu entsagen. Die Geschichte Wolframs spiegelt die Ordnung in Europa um 1200 wider, mit all ihren Vorstellungen, Tugenden und Werten, aber auch Fehden, Konflikten, Kriegen. In einer Zeit des Umbruchs ist der Roman nicht nur eine kritische Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen jener Epoche, sondern auch die Suche nach einem neuen Selbstverständnis des Ritterstands. Die Kreuzzüge im fernen Orient, der Thronstreit im eigenen Land und das Aufstreben der Ritterorden bilden den Hintergrund, vor dem Parzival seinen Weg zu Gott finden muss, um christlichen Begriffen wie Liebe und Hoffnung neuen Sinn zu verleihen.

Weblink:

Das Parzival-Epos

Samstag, 17. Juni 2023

»Mrs. Dalloway« von Virginia Woolf


Virginia Woolfs berühmtester Roman spielt an einem Junitag des Jahres 1923 in London, strukturiert durch den Stundenschlag des Big Ben.

Clarissa Dalloway, eine Dame der upper class im Herbst ihres Lebens, bereitet eine ihrer berühmten Abend
gesellschatten vor. Parallel dazu wird das Schicksal des von seinen Kriegseindrücken verfolgen Veteranan Septimus Warren-Smith geschildert, von Virginia Woolf als eine Doppelgänger Clarissas angelegt.

»Mrs. Dalloway« gilt als Virginia Woolfs doppeltes literarisches Selbstportrait als junger Mann und ältere Dame. Die Oberfläche von Konventionen und Partygeplauder wird von Gefühlen von Haß und Glück, homoerotischen Reminszenzen, Gedankenfetzen und Reflexionen durchzogen. Der Roman gilt als ein Meilenstein der modernen Erzählkunst - vergleichbar mit Joyces "Ulysses" und Prousts "A la recherche de ternps perdu."


Zwar gilt auch für ihre Literatur wie für viele Andere, dass es nicht mehr zeitgemäß ist, umständlich und zeitweise ermüdend langweilig, aber trotzdem zieht sie einen in ihre Charaktere, hält einem so im Text. Sie kann Emotionen wecken, oder anders herum, man kommt garnicht umhin, in ihren Texten emotional mitzugehen, das macht es so traumhaft.


Melancholie und tiefgründiger Witz machen den Klassiker von Virginia Woolf zu einem Lesegenuss der besonderen Art.



Literatur:

Mrs. Dalloway
Mrs. Dalloway
von Virginia Woolf

Mrs. Dalloway
Mrs. Dalloway
von Virginia Woolf

Dienstag, 2. Mai 2023

»Das Maskenspiel der Genien« von Fritz von Herzmanovsky-Orlando

Das Maskenspiel der Genien
Das Maskenspiel der Genien

Die habsburgische Vergangenheit beherrscht weiterhin das literarische Bewusstsein Österreichs. Der 1929 abgeschlossene Roman »Das Maskenspiel der Genien« von Fritz Herzmanovsky-Orlando ist ein Werk der phantastischen Literatur, das in der neuerwachten Gotik der Levante spielt. Es ist sein Hauptwerk und zugleich ein Hauptwerk der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts, ein von Einfällen und Witz überquellender, wunderschöner Alptraum. Ein Werk in der Tradition des österreichischen Humors und unter dem Einfluß von Alfred Kubins fin de siecle-Roman »Die andere Seite«.

»Das Maskenspiel der Genien« thematisiert die Spiegelung von Traum und Realität und ist eine Mischung aus antikem Mythos und Commedia dell` arte zum Zwecke der Vervballhornung der Habsburger Monarchie und ihres willfährigen und selbstgefälligen Beamtentums. Es ist die Wiederauferstehung des Mittelalters mit seinen Gauklerfiguren unter der Maske der Commedia dell` arte. Der Roman ist ein wahres Königtum des phantasievollen Einfallsreichtums und frechen Gauklertums. Die K.u.K.-Groteske spielt in der Tarockei. Der zu Lebzeiten unveröffentlichte und zunächst deutlich gekürzt publizierte Großroman »Das Maskenspiel der Genien« wurde 2011 in einer für breite Leserschichten angelegten unkommentierten "Volksausgabe" veröffentlicht.


Cyriacus von Ancona

Den ersten Teil der Reise führt den Abenteurer und Forscher Cyriak von Pizzicolli, eine literarische Verfremdung des Vorbildes Cyriacus von Ancona, in die Tarockei. Den zweiten Teil der Reise führt Pizzicolli nach Arkadien und in das antike Griechenland. Ins Bizarre gleitet die Reise nach Griechenland zur Zeit der Gotik ab. Hier spielt das Maskenspiel in der neuerwachten Gotik der Levante. Durch ungeheure Tragik gerät er in ein antikes Göttermysterium.

Arkadien ist ein ägäisches Wunderland voller mondäner Feste, bizarrer Einsiedler, berückender Landschaft und undeutlicher politischer Zugehörigkeit – die Türken werden nicht wirklich geleugnet, spielen aber nur eine untergeordnete dekorative Rolle – ist die eigentliche politisch-surrealistische Erfindung Herzmanovskys vorgelagert: die Tarockei, ein vom Fürsten Metternich geschaffener Pufferstaat im Süden der Donaumonarchie, der den Namen von seiner monarchischen Konstitution her trägt: Er wird nach den Regeln des Tarock-Spieles regiert.

Die Tarockei ist keine Insel der Seligen, obwohl von der Außenwelt der Nachbarstaaten gut abgeschirmt. Sie enthält natürlich Elemente einer Satire auf das alte Österreich mit seiner im Rückblick von heute bewunderten Bürokratie, die vor allem durch die von ihr entwickelte Sprache zu ihrer Zeit aber auch in manchem administrativen Exzess im Gedächtnis geblieben ist.


Die vier Könige des Landes werden ausschließlich nach ihrer physiologischen Ähnlichkeit mit den Spielkarten ausgesucht, und so gelangen die erstaunlichsten Personnagen auf den Thron. Hinter den Tetrarchen aber steht der eigentliche Machthaber, ein unheimlicher, nie erblickter Rat der Drei, bestehend aus den Tarockkarten Sküs, Mond und Pagat.

Durch eine Kastentür gelangt der verwaiste, ledige Cyriak von Pizzicolli, der sein Leben lang nie weit von Graz weggekommen ist, auf Traumpfaden in die Tarockei, „das einzige Nachbarland der Welt“, ein magisch bevölkertes Phantasiegebilde eines österreichisch-byzantinischen Utopia, dessen Verfassung auf den Regeln des Tarockspiels gründet. Was ihm dort widerfährt, nachdem er der atemberaubend schönen Cyparis - einer Verkörperung und Wiedergängerin der Helena - ansichtig wird, und warum er am Ende ein Hirschgeweih auf dem Kopf trägt, kann Ihnen nur dieses Buch erzählen und niemand anderer als Fritz von Herzmanovsky-Orlando. „

Pizzicolli landet am Ende auf der Insel Kreta. Dort erfolgt auch die Auflösung des geheimnisvollen Mysterienspieles /. des Mysteriums am Ende. Geheimes Wissen um eine versunkene Welt. Ein Mann in einer Mönchskutte offenbart ihm das geheime Wissen um eine versunkene Welt und das Wissen, wie sich die Dinge für ihn zusammenfügen. In der Offenbarung des Mönches in der weißen Kutte Fra Hugo ging Pizzicolli nun ein Licht auf über den geheimen Sinn der Mysterienspiele.

Die ganze religiöse Geschichte hat einen Angelpunkt: das Erscheinen des Erlöses, des Jesus Christos. Alle antiken Mysterien sind nutzlos. Hier in diesem weltvergessenen Stück Europas leben, sehr verborgen, die seltsamsten Bewahrer uralten mystischen Wissens der Tempeleisen, der Träger heiligster Traditionen, von Dingen, die am europäischen Kontinent längst abgeschafft und vorläufig noch vergessen sind.


Nach der Offenbarung gehen dem eingeweihten Pizzicolli nun zahlreiche Spukbilder durch den Kopf. Zum Schluss dann der Auftritt der Harlekine, welche die Maske lüpfen und das Rätsel der Mysterien auflösen. Bald erfuhr Pizzicolli, daß die Herren aus der ganzen Welt an dieser Stelle zusammengekommen seien. S. 487

"Man plane eine Durchwebung der antiken Mysterien mit den Figuren der Commedia dell`Arte ... wie wenn es geworden wäre, wenn Venedig wirklich den ganzen Orient für immer beherrscht hätte."

Am Ende trägt er selbst ein Hirschgeweih auf dem Kopf.


Fritz von Herzmanovsky-Orlando hat 1929 seinen weithin berühmten, jedoch vollkommen unbekannten Roman »Das Maskenspiel der Genien« abgeschlossen. Der Roman ist ein wahres Königtum des phantasievollen Einfallsreichtums. Die K.u.K.-Groteske spielt in der Tarockei. Der zu Lebzeiten unveröffentlichte und zunächst deutlich gekürzt publizierte Großroman »Das Maskenspiel der Genien« wurde 2011 in einer unkommentierten "Volksausgabe" veröffentlicht.

Der Abkömmling der Donaumonarchie hat der Monrachie mit seinem Werk ein groteskes Denkmal gesetzt. Ein traumhaftes Werk nicht nur für phantasiebegabte Leser mit Sinn für Ironie und Komik. Sehr empfehlenswerter Lesestoff für alle, die wirklich gute phantastische Literatur und nicht nur "Fantasy" lesen wollen.



Blog-Artikel:

Fritz von Herzmanovsky-Orlando 140. Geburtstag

»Der Mann ohne Eigenschaften« von Robert Musil


Weblink:

Cyriacus von Ancona – Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki


Literatur:

Das Maskenspiel der Genien
Das Maskenspiel der Genien
von Fritz von Herzmanovsky-Orlando

Phantastik auf Abwegen. Fritz von Herzmanovsky-Orlando im Kontext
Phantastik auf Abwegen. Fritz von Herzmanovsky-Orlando im Kontext
von Bernhard Fetz und Klaralinda Ma



Tarockspiel:

Tarock - Wikipedia - de.wikipedia.org

Samstag, 10. September 2022

»Der abenteuerliche Simplicissimus« von Jacob Grimmelshausen


»Der abenteuerliche Simplicissimus« von Jacob Grimmelshausen ist das bedeutendste Werk der deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts.
Der bedeutendste barocke Schelmenroman in deutscher Sprache erschien 1668 und gilt als ebenbürtiger Bruder von Cervantes' »Don Quijote«.
»Es hat mir so wollen behagen, mit Lachen die Wahrheit zu sagen«, schrieb der Dichter zu seinem berühmten Werk, das er als humorvolle autobiographische Ich-Erzählung seines Helden präsentiert. Kein anderes Werk des Barock hat dieses Zeitalter zwischen derber Sinnenfreude und vom Kriege gezeichneter Jenseitssehnsucht so plastisch einzufangen vermocht und in unsere Zeit vermittelt.

Der 1668 erschienene »Simplicissimus« ist eine Darstellung der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und eine anschauliche Schilderung des Alltags im währen dieser Zeit aus der Sicht eines Zeitzeugen.Grimmelshausen hat mit dem Volk gelebt. Er hat fünfzehn Jahre im Krieg verbracht, wurde als Knabe von Soldaten verschleppt, war Trossknecht, Musketier, Schreiber, später Verwalter, Gastwirt und Schultheiß. Er weiß, wovon er spricht.

Vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges entwickelt sich die abenteuerliche Lebensgeschichte eines nur scheinbar einfältigen Knaben aus dem Spessart in bunten Episoden: Bei einem Eremiten, als Hausnarr des Stadtkommandanten von Hanau und als Knecht eines Dragoners wächst der Junge heran, stellt sich in den Dienst kaiserlicher Truppen und besteht als »Jäger von Soest« vielfältige Abenteuer. Sein Weg führt ihn nach Paris und Wien und zurück in den Schwarzwald, wo er sich als Bauer niederläßt. Von dort bricht er nach Moskau auf und landet schließlich nach einem Schiffbruch auf einer paradiesischen Insel im Indischen Ozean, wo die Lebensbeschreibung in einer beschaulichen Robinsonade ausklingt.


Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622 - 1676), Regimentsschreiber in der kaiserlich Habsburger Armee, veröffentlichte im Jahre 1669 einen Roman, der den 30jährigen Krieg (1618 - 1648) aus erster Hand schilderte: "Der abenteuerliche Simplicissimus". Viele Landstriche in Deutschland fanden die Chronisten erst um 1700 wieder leidlich bevölkert.

Wie aber dokumentierte der Zeitzeuge Gimmelshausen die wütenden Schlachtengemetzel und die furchtbaren Leiden der Bevölkerung? Verlieh er seiner tiefen Betroffenheit Ausdruck oder schockierte er mit schonungslosem Realismus? Tobte er mit zornigem Ingrimm oder zählte er die Opfer mit sachlicher Nüchternheit? Das Titelbild des historischen Hörspiels, ein rechter Wolpertinger aus Satyr und Chimäre (künstlerisch authentisch, da dem Frontispiz des Erstdrucks entlehnt), liefert einen ersten Eindruck von der Intention des Autors. Ein Mischwesen aus Spott und Abenteuer wollte er schaffen, nichts weniger als - Satire.

Das Personal der Geschichte verkörpert seine Ideen. Närrische Gesellen wie der verdrehte "Jupiter" oder das "Kalb von Hanau" halten ihren Zeitgenossen den Spiegel vor. Und hohe Militärs machen sich entweder zum Affen oder sie wählen den Ausstieg aus der Gesellschaft.

Durchaus moderne Verhaltensweisen, so oder so. Grimmelshausens Werk bleibt zeitlos aktuell: Hohe Offiziere verkünden den "einzig wahren" Glauben und versuchen ihn dadurch zu beleben, indem sie ihre Soldaten in den Tod hetzen. Bankiers und Kriegsgewinnler betrügen ihre Klienten für ein bisschen Rendite. Die einzig Weisen sind und bleiben: die Narren. Der Autor verfasste demnach einen Schelmenroman, keinen Kriegsbericht.

Seine Biografie steht in krassem Gegensatz zu den Lebensläufen der zeitgenössischen Gelehrtendichter, und obgleich sein »Simplicissimus« sofort ein großer Erfolg wurde, blieb er stets ein Außenseiter im Literaturbetrieb seiner Zeit. Sein Roman strotzt nicht nur von Alltagsdetails und verschiedenen Spezialkenntnissen, etwa wie man im Würfelspiel betrügt oder die braven Bauern mit medizinischen Tinkturen übers Ohr haut, sondern er zeugt auch von einer unheimlichen Belesenheit.

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Dies ist ein Schelmenroman, ein Entwicklungsroman, eine soziale Satire, und ein Kompendium verschiedenster Erzählweisen. Grimmelshausen mischt fröhlich Lebenserzählung und Traktat, collagiert Gedichte und Briefe, Reportage und Phantastik. Mangel an Anschaulichkeit kann man ihm nicht vorwerfen.Kühn werden theologische, philosophische, politische, naturkundliche, astrologische Wissensdiskurse seiner Zeit in den Fluss der Lebenserzählung des »Simplicissimus« integriert.

Literatur:

Der abenteuerliche Simplicissimus
Der abenteuerliche Simplicissimus
von Jacob Grimmelshausen

Samstag, 20. August 2022

»Der König von Korsika« von Michael Kleeberg

Der König von Korsika



Der westfälische Baron Theodor von Neuhoff hat den Korsen im Jahr 1736 in einem schwachen Moment ihrer Geschichte beigestanden und dabei selbst Geschichte geschrieben.

"Auch ein Dilettant kann zu wunderbaren Resultaten gelangen im Leben." So gesehen hat der westfälische Baron Theodor von Neuhoff dem "Rad der Weltgeschichte in die Speichen" gegriffen. Immerhin hat es der Geheimagent, der Luftikus, Liebhaber und hochstapelnde Alchimist, der Abenteurer und Glücksritter und kaiserliche Gesandte bis zum König von Korsika (1736) gebracht. Zwar dauerte seine Herrschaft nur einen Sommer lang, ein Histörchen - für einen Eintrag in die Geschichtsbücher reichte es aber allemal.

Geheimagent, Liebhaber, hochstapelnder Alchimist und kaiserlicher Gesandter - Theodor Neuhoff ließ sich von den Wellen des Geschicks durch ganz Europa tragen, weiß zu parlieren, zu brillieren und zu blenden. Und wird am Ende Opfer der eigenen Selbstüberschätzung. Als er sich - überzeugt, die Politik sei ein Spiel - im April 1736 von korsischen Aufständischen zum König ausrufen läßt, war sein Untergang besiegelt.



Im Jahr 1729 begannen auf der Insel mehrjährige Aufstände gegen die Herrschaft der Genuesen. Am 15. April 1736 machten korsische Rebellen den deutschen Abenteurer Baron Theodor von Neuhoff (1694–1756) im Kloster von Alesani (in der Castagniccia) zum König. Das Königreich Korsika bestand jedoch kaum ein Jahr.


Begabt für das Leichte sein, an der Oberfläche der Dinge leben, dem Glück folgen: das war und tat Baron Theodor Neuhoff - bis er sich zum König von Korsika krönen ließ und daran scheiterte. Das Leichte ist so trügerisch wie vergänglich, Michael Kleebergs Roman ein sprachliches Meisterwerk.

Von der ersten bis zur letzten Seite inszeniert der Autor Michael Kleeberg, der zuletzt mit dem Roman Ein Garten im Norden auf sich aufmerksam machte, seine fiktive Biografie des historisch belegten Scharlatans, Spions und Frauenhelden als tragikomisches Welttheater. Und das wohl ganz zu Recht: Glücklich nämlich ist auch die wechselvolle Karriere des wirklichen Theodor von Neuhoff ganz und gar nicht verlaufen. 1694 in Köln geboren, machte der westfälische Baron schon früh durch Liebschaften und alchemistische Spiegelfechtereien bei Hofe auf sich aufmerksam. Nachdem er den Korsen Waffen und Aufbauhilfe versprochen hatte, ließ er sich 1736 als Theodor I. zum König der Insel krönen. Neuhoff aber thronte nur einen Sommer: Ein Jahr später musste er Korsika Richtung England - und damit Richtung Gefängnis -- verlassen.

Bei Kleeberg wird die Geschichte des »Königs von der traurigen Gestalt« zu jenem grotesk-barocken Puppenspiel, das als Motiv immer wieder durch die faszinierende Handlung geistert. Vielleicht ist das nicht immer alles so ganz wahr, was sich unter der Regie des Autors da im Buch an vermeintlich Faktischem abspielt.

Literatur:

Der König von Korsika Der König von Korsika von Michael Kleeberg

Mittwoch, 10. August 2022

»Mittwochs am Meer« von Alexander Oetker

Mittwochs am Meer



Alexander Oetker ist bisher nur von seinen schönen, Frankreich-Sehnsucht weckenden Krimis bekannt. Aber auch als Thriller-Autor hat er seine Fangemeinde. »Mittwochs am Meer« ist nun als Novelle ein ganz anderes Genre. Bestsellerautor Alexander Oetker erzählt von der großen Liebe in einer kleinen Pension am Meer.
Maurice van den Berge ist Insolvenzverwalter und jeden Mittwoch fährt er in die Bretagne um einen maroden Betrieb zu retten oder abzuwickeln. Je nachdem die Entwicklung verläuft. Eines Tages lernt er an der Hotelrezeption Dominique Vial kennen und es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Aber Dominique ist verheiratet, auch wenn ihr Mann nur sporadisch in Bretagne kommt. Und sie hat noch ein besonderes Geheimnis, das eng mit Maurice erster großer Liebe verknüpft ist.

Korrekt und zuverlässig, so ist Maurice. Jeden Mittwoch nimmt er denselben Zug nach Cancale, wird dort abgeholt, checkt im Hotel ein, geht zur Fabrik, arbeitet in seinem Büro und fährt am nächsten Tag wieder zurück nach Paris. Doch dieses Mal ist alles anders. Kein freies Zimmer mehr, eine andere Rezeptionistin und ein Liebesbrief verändern sein Leben. Der verlässliche Maurice wird vergesslich, er folgt nicht mehr strikt seiner Agenda und vergisst sogar seine Arbeit. An allem ist Dominique schuld, seine Affäre. Doch alles ist noch viel komplizierter als es auf den ersten Blick erscheint.

Die sommerlich leichte Liebesgeschichte, mit einer kleiner Brise Melancholie hat mir gefallen. Sie ist gekonnt und mit leichter Hand geschrieben. Charmant wird die Wandlung eines Menschen erzählt, der sich keine Gefühle mehr gestattet. Der sich in seine Arbeit vergräbt und dem es lange genügte, die Erwartungen seiner Eltern, seines Milieus zu erfüllen. Aber von einem Augenblick zu nächsten ist alles anders, sein Leben wird auf den Kopf gestellt. Es ist ein vom Umfang her kleiner Roman, an einem Sommernachmittag ausgelesen, aber eine Geschichte, die den Leser beschwingt zurücklässt.

Alexander Oetker baut den Spannungsbogen gekonnt auf. Seine Erzählung ist eine Offenbarung auf 176 Seiten. Am Anfang weiss man als Leser noch nicht, auf welche Geschichte man sich da einlässt, es hört sich zu Beginn mit der Zeichnung des peniblen Maurice so gar nicht als »Mittwochs am Meer« an. Als es soweit ist, eben »Mittwochs am Meer«, spürt man die Liebe der Protagonisten sowie die Zweifel und fragt sich, ob einer der beiden einen Fehler machen oder sich zurück ziehen wird und wie das Ganze wohl ausgehen wird - alles wäre möglich.

Am Ende wird der Leser, auch aufgrund persönlicher Rückblicke der Charaktere, überrascht von der Komplexität der Geschichte, die der Autor auf diesen wenigen Seiten zum Besten gibt.

Eine sehr schöne Novelle, in die die Leser mit allen Sinnen mit hineingezogen werden und die in einem überraschenden Finale gipfelt. Eine spannende Liebesgeschichte nicht nur für Lieberhaber der Bretagne. Und gegen Ende, bevor das Ganze im rosaroten Meer versinkt, gibt es eine überraschende Wendung.

Literatur:

Mittwochs am Meer Mittwochs am Meer von Alexander Oetker

Samstag, 18. Juni 2022

»Die Vermessung der Welt« von Daniel Kehlmann - in einzelnen Kapiteln

1. DIE REISE

Widerwillig macht sich der berühmte Mathematikprofessor Gauß 1828 mit seinem Sohn Eugen von Göttingen aus auf den Weg nach Berlin. Alexander von Humboldt hatte Gauß gedrängt, dort an einem Naturforscherkongress teilzunehmen. Die Reise wird für Gauß wie erwartet qualvoll. Er beleidigt Eugen und wirft dessen Buch über Turnkunst aus dem Fenster der Kutsche. Gauß besitzt keinen Pass und ein Gendarm will ihm die Einreise von Hannover nach Preußen verwehren. Dank eines unbekannten Mannes, der den Polizisten provoziert und ablenkt, können Vater und Sohn ihre Reise fortsetzen. In Berlin versucht Daguerre, einer der Erfinder der Fotografie, ein Foto von Humboldt und Gauß zu machen. Ein Polizist tritt dazwischen und das Bild misslingt.

2. DAS MEER

Das zweite Kapitel schildert, wie Alexander von Humboldt und sein älterer Bruder Wilhelm aufwachsen. Während Alexander zum Naturwissenschaftler erzogen wird, erhält sein Bruder Sprachenunterricht und ist das Lieblingskind aller. Als Alexander den Entschluss fasst, den Fluss Orinoko entlangzufahren und zu erforschen, wird er von Wilhelm verspottet. Alexander von Humboldt studiert in Frankfurt an der Oder und an der Bergbauakademie in Freiberg. Er wird an das Sterbebett seiner Mutter gerufen und beschließt nach ihrem Tod, in die Neue Welt zu reisen. In Paris begegnet er zufällig dem Naturwissenschaftler Bonpland und macht ihn zu seinem Reisegefährten. In Spanien besteigen sie ein Schiff und kommen zunächst nach Teneriffa, wo Humboldt gerührt einen uralten Baum umarmt. Auf der Weiterfahrt bricht auf dem Schiff ein gefährliches Fieber aus. Die gesamte Besatzung und auch Bonpland erkranken. Nur Humboldt ignoriert das Virus und bleibt gesund. Er seziert unterdessen Quallen und nimmt Messdaten von Luftdruck und Wassertiefe.

3. DER LEHRER

Gauß stammt aus einfachen Verhältnissen. Schon als Kind vollzieht er überragende Gedankengänge und entwickelt sich vom begabten Grundschüler zum genialen Mathematiker. Alle anderen Menschen sind seiner Meinung nach nur zu bequem zum Denken. Ein Stipendium des Herzogs von Braunschweig ermöglicht Gauß ein Universitätsstudium. Als einer der ersten Ballonfahrer nach Braunschweig kommt, erbittet Gauß sich erfolgreich einen Platz im Korb. Während der Fahrt beobachtet er begeistert den Sternenhimmel.

4. DIE HÖHLE
Die Expedition führt Humboldt und Bonpland zunächst nach Neuandalusien (heute Venezuela). Sie überreden einige Indianer, sie durch eine als »Totenreich« verschrieene Höhle zu führen. Je weiter sie hineingehen, desto weniger Indianer folgen ihnen, bis sie schließlich ganz allein sind. Als Humboldt seine Mutter halluziniert, verlassen sie die Höhle. Jetzt will Humboldt mit Hilfe einer Sonnenfinsternis ihren genauen Standort messen und den sagenumwobenen Kanal zwischen dem Orinoko und dem Amazonas finden. Humboldt schreibt einen begeisterten Brief an seinen Bruder und einen weiteren an Immanuel Kant. Durch den Angriff eines Eingeborenen wird Bonpland verletzt, die Messinstrumente zu Humboldts Erleichterung jedoch nicht beschädigt.

5. Die Zahlen

Im Alter von 19 Jahren löst Gauß eines der ältesten mathematischen Probleme, ein 17-Eck nur mit Lineal und Zirkel zu konstruieren. Er schließt sein Studium summa cum laude ab und veröffentlicht als Zwanzigjähriger bereits sein Lebenswerk, ein Buch über die Grundlagen der Arithmetik. Seinen Unterhalt verdient er als Landvermesser. Das Mädchen Johanna lehnt den Heiratsantrag des kauzigen Wissenschaftlers ab. Nach einem deprimierenden Besuch bei dem von ihm verehrten Immanuel Kant in Königsberg, macht Gauß Johanna einen zweiten Antrag. Im Fall einer erneuten Absage will Gauß sich mit Curare vergiften, das auf Umwegen in seine Hände gelangt ist. Humboldt hatte es aus Südamerika nach Berlin gesandt. Johanna nimmt den Antrag jedoch an.

6. DER FLUSS

Humboldt und Bonpland reisen wochenlang durch den Urwald, um den legendären Kanal zu kartieren. Die Tour ist strapaziös, Moskitoschwärme und Krokodile sind allgegenwärtig und mehrfach geraten die Wissenschaftler in Lebensgefahr. Unterwegs finden sie Aufnahme in Missionsstationen. Von einem Curaremeister lernen sie alles über Herstellung und Wirkung des Giftes. Nach dem Erreichen des Kanalendes will Humboldt kein Risiko mehr eingehen und die Aufzeichnungen über die Expedition, Präparate und Herbarien so schnell wie möglich nach Europa senden. Der einsetzende Dauerregen hindert sie jedoch zunächst an der Weiterreise. Hilflos sehen sie von einer kleinen Insel aus zu, wie ihr Boot mitsamt den Ruderern fortgeschwemmt wird.

7. DIE STERNE

Gauß heiratet Johanna und zieht mit ihr nach Göttingen. Er will Direktor der dort geplanten Sternwarte werden. Unterdessen überziehen die vorrückenden Truppen Napoleons das Land mit Krieg. Das Observatorium wird nicht gebaut und Gauß stattdessen verpflichtet, Studenten zu unterrichten. In seiner Weltabgewandtheit versäumt Gauß die Geburt seines ersten Sohnes. Im Alter von dreißig ist Gauß kränklich und leidet unter Konzentrationsschwäche. Er meint, dass er nicht alt werde. Johanna stirbt bei der Geburt ihres dritten Kindes. Gauß erwägt, wieder zu heiraten, damit die Kinder versorgt seien.

8. Der Berg

Bonpland und Humboldt besteigen den Chimborazo, der damals als höchster Berg der Welt gilt. Infolge des Sauerstoffmangels in der Höhe werden sie von Wahnvorstellungen gequält. Sie brechen ab, ohne den Gipfel erreicht zu haben. Sie erwägen, der Welt trotzdem zu erzählen, sie hätten den Berg bestiegen. Wieder unten schreiben sie nach Europa, sie seien von allen Menschen am höchsten gelangt.

9. DER GARTEN

Gauß hat Johannas Freundin Minna geheiratet. Er kann sie nicht ausstehen und ist nur ungern zu Hause. Deshalb arbeitet er wieder als Landvermesser. Sein Sohn Eugen hilft ihm dabei, doch Gauß ärgert sich über dessen beschränkten Verstand. Als er auf das Land des Grafen von der Ohe zur Ohe kommt, stehen seiner Vermessungsarbeit ein Schuppen und einige Bäume im Weg. Im Gespräch mit dem Grafen stellt sich heraus, dass dieser genau weiß, wer Gauß ist. Der Graf überlässt ihm kostenlos Schuppen und Bäume und Gauß wundert sich über seine eigene Berühmtheit.

10. Die Hauptstadt

Humboldt und Bonpland gelangen nach Acapulco (damals Neuspanien, heute Mexico). Humboldt ist voller Elan, während man dem rasch alternden Bonpland die Strapazen der Reise ansieht. Inzwischen begleiten internationale Zeitungsreporter die Expedition und die Wissenschaftler sind zu Gast beim Vizekönig. Humboldt will jetzt einen Atlas von Neuspanien erstellen. Er vermisst und erforscht das Land, darunter Silberminen und das Erbe der Azteken. In der prähistorischen Stadt Teotihuacan entdeckt er einen riesigen Kalender. Auf dem Vulkan Jorullo seilt er sich in den Krater ab und behauptet anschließend, den Neptunismus widerlegt zu haben. Mit Kisten voller Gesteins- und Pflanzenproben sowie Käfigen mit exotischen Tieren treten Humboldt und Bonpland die Heimreise nach Europa an. Unterwegs werden sie im nordamerikanischen Philadelphia von Präsident Jefferson empfangen, dem sie Bericht über das neu erforschte Gebiet erstatten sollen. Humboldt will fortan in Paris leben.

11. DER SOHN

Nach Humboldts Rückkehr treffen er und Gauß in Berlin aufeinander. Sie sitzen bei Tisch und unterhalten sich über ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse und Theorien. Nach schwierigen Jahren in Paris ist Humboldt jetzt Kammerherr des preußischen Königs Friedrich Wilhelms. Im Gegensatz zu Napoleon schätzt dieser Humboldts Forschungen. Gauß beleidigt wiederholt seinen ebenfalls anwesenden Sohn Eugen, der schließlich gekränkt den Raum verlässt. Humboldt erzählt, dass Bonpland sich nach der Reise im bürgerlichen Leben nicht mehr zurechtgefunden habe, nach Südamerika zurückgekehrt sei und in Paraguay unter Hausarrest stehe.

12. DER VATER

Nach den Beleidigungen durch seinen Vater zieht Eugen verdrossen durch Berlin. Durch Zufall begegnet er Studenten, die ihn zu einer geheimen politischen Veranstaltung mitnehmen. Eugen erkennt in dem Redner den Mann wieder, der ihn und seinen Vater am Vortag an der Grenzstation davor bewahrt hat, festgenommen zu werden. Das Treffen ist von den »Jungen Patrioten« organisiert, die polizeilich verfolgt werden. Als die Gendarmerie eintrifft, wird Eugen mit allen anderen Beteiligten verhaftet.

13. DER ÄTHER

In Berlin hält Humboldt vor einem illustren Publikum einen Vortrag über seine Erkenntnisse der Welt und des Kosmos. Auch Gauß ist anwesend. Beim Verlassen des Saals hält Humboldt ihn auf und stellt ihn zahllosen Berühmtheiten vor, darunter auch seinem Bruder Wilhelm von Humboldt. Die vielen Menschen sind eine Qual für Gauß und endlich gelingt es ihm, zu entkommen. Er irrt durch die Straßen Berlins und findet zu Humboldts Haus zurück. Als Humboldt ebenfalls eintrifft, kommt es zu einem disput darüber, was Wissenschaft eigentlich sei. unterbrochen werden die beiden von der nNchricht, dass eugen verhaftet worden sei.

14. DIE GEISTER

Gauß und Humboldt brechen auf, um sich bei dem Gendarmeriekommandanten Vogt für Eugen einzusetzen. Sie treffen ihn bei einer spiritistischen Sitzung an. Humboldt bittet Vogt um die Freilassung von Eugen. Vogt zögert und Gauß unterstellt ihm Bestechlichkeit. Es kommt zum Streit; Humboldt und Gauß machen sich unverrichteter Dinge auf den Heimweg. Unterwegs sprechen sie über ihre jeweiligen Zukunftspläne.

15. DIE STEPPE

Humboldt reist zu Forschungszwecken nach Russland. Der Zar finanziert das Unternehmen, legt aber zugleich die Reiseroute fest und stellt Humboldt unter Aufsicht. Der alternde Wissenschaftler wird zwar überall im Land als Berühmtheit gefeiert, von seinen Begleitern jedoch belächelt. Man lässt ihm keine Zeit für die Forschung und es gelingt ihm nicht, seine Untersuchungen des Magnetismus sinnvoll durchzuführen. Unterdessen stellt Gauß, mit dem

Unternehmen, legt aber zugleich die Reiseroute fest und stellt Humboldt unter Aufsicht. Der alternde Wissenschaftler wird zwar überall im Land als Berühmtheit gefeiert, von seinen Begleitern jedoch belächelt. Man lässt ihm keine Zeit für die Forschung und es gelingt ihm nicht, seine Untersuchungen des Magnetismus sinnvoll durchzuführen. Unterdessen stellt Gauß, mit dem Humboldt in regem Briefkontakt steht, eigene Versuche zum Magnetismus an. Später verlegt Gauß sich auf Sterbestatistiken. Gegen Ende der Reise gerät das Schiff mit Humboldt und seinen Begleitern im Kaspischen Meer in dichten Nebel. Humboldt erhält Gelegenheit, seine Fähigkeiten als Navigator unter Beweis zu stellen.

16. DER BAUM

Seit seiner Verhaftung befindet Eugen sich in der Gewalt der Geheimpolizei. Humboldt kann ihm eine Ausreisemöglichkeit nach Übersee verschaffen. Anders als Gauß und Humboldt zeigt Eugen kein Interesse für das Neue, das ihm unterwegs begegnet. Der Baum in Teneriffa, den Humboldt umarmt hatte, lässt ihn kalt. Er fühlt sich vom Vater verlassen und hat Heimweh. Der Kapitän seines Schiffes besitzt einen Chronometer und verkündet, die Zeit der großen Navigatoren sei vorbei. Während der Überfahrt nach Amerika lernt Eugen einen Iren kennen. Die beiden schmieden Pläne für eine gemeinsame Firma.


In prägnanten Szenen und mit knappen Sätzen skizziert Daniel Kehlmann das Leben der Zeitgenossen Gauß und Humboldt. Die beiden Wissenschaftler kannten sich flüchtig. Beide wollten die Welt vermessen, der eine im Königreich Hannover, der andere im südamerikanischen Urwald, beide wollten den Erdmagnetismus verstehen und den Kosmos erklären. Ihre Herangehensweise war jedoch denkbar verschieden: Während Humboldt im Geist von Goethe die Natur als ein großes Ganzes versteht und nach greifbaren Zusammenhängen sucht, tüftelt Gauß im Verborgenen und findet Erklärungen in abstrakten mathematischen Formeln. Es ist dem Autor gelungen, die Fülle des biografischen Materials zu reduzieren und einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen. Dass er sich dabei nicht strikt an historisch belegbare Fakten hält, entspricht dem Genre des Romans.

Mittwoch, 15. Juni 2022

»Eugen Onegin: Roman in Versen« von Alexander Puschkin

Jewgeni Onegin


»Eugen Onegin« von Alexander Puschkin ist ein Roman in Versen. Die Versdichtung erzählt die unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem großstädtischen Dandy Jewgeni Onegin und der Schönheit vom Lande Tatjana Larina. Der Versroman erschien in den Jahren zwischen 1825 bis 1833. Ein Werk, das sprudelt vor Leben - wie Champagner.

Gelangweilt vom müßigen Leben in Petersburg macht sich der junge Adelige Jewgeni Onegin begierig auf Abwechslung und Abenteuer zum soeben, von seinem verstorbenen Onkel, geerbten Landgut auf. Dort lernt er den jungen Dichter Vladimir Lenski kennen, der ihm von seiner Jugendliebe Olga Larin erzählt.

In der Gestalt des Onegin erfaßte Puschkin charakteristische Züge der Jugend seiner Zeit. Der Rausch der Vergnügungen vermag Onegin auf die Dauer nicht zu befriedigen; da ihm aber trotz aller Begabung die Fähigkeit zu sinnvollem Tun fehlt, gewinnt das Gefühl der Langenweile und des Weltüberdrusses die Oberhand.

Die Erschütterung, die Onegin erleidet, als er seinen Freund, den romantischen Lenskij, in einem aus nichtigem Anlaß heraufbeschworenen Duell tötet und die jäh aufbrechende Liebe zu Tatjana, deren tief empfundene Zuneigung er anfänglich nicht erwidert hat, lassen ihn reifen.

Elegant und spritzig wie Champagner perlt dieser Versroman dahin. Puschkin ironisiert auf geniale Weise das Leben dieses Dandys. Die bezauberndste Stelle dieses Buches ist die Liebeserklärung Tatjanas. Dieses Buch gehört in die erste Reihe der Weltliteratur.

Alexander Puschkin

Puschkin begriff Byron und verstand das russische Volk und dessen Bestimmung. Diese Voraussetzung gilt für einen einmaligen Roman, in Verse gebannt und in eine Liebeslyrik verwoben, der seinesgleichen sucht. Die Sprachgewalt in Ratio wie Emotio ist unübertroffen, die russische Seele entwächst dem Text in Klarheit in Geist und Gefühl. Sein Protagonist Jewgeni (Eugen) Onegin ist ein russischer Byron, "Phantasmen maßlos sich ergeben, / Mit seinem aufgebrachten Geist, / Der sich in leerem Tun verschleißt", dem im Verhältnis zur russischen Seele auf dem Lande eine Selbstreflektion aufgezeigt wurde durch das Leben eines Mädchen vom Lande ("Daß unsere Blütentraumgefühle / In rascher Folge bald zu Staub zerfielen").

Tatjana, der Inbegriff der phantasievollen und träumerischen Existenz, verliebt sich unsterblich und wird enttäuscht, weil sich dieser Liebe Onegin noch nicht stellen konnte. Ihre Lebensveränderung vom Land- zur Stadterfahrung hilft ihrer Selbstbestimmung ohne die Tradition aufgeben zu müssen. Sie bleibt bei ihrem Ja gegenüber ihrem Mann, obwohl ihre gegenseitige Liebe erst mit erneuten Treffen zwischen Tatjana und Onegin in der Stadt eingestanden wird.

Alexander Puschkin

Puschkin spiegelt in den Personen und in ihren Beziehungen zueinander das Volk im Spiel von Tradition und Erneuerung. In diesem Spiegel kann jeder sich ansehen und im Blick dem Gedanken folgen, das zu lieben, was Puschkin liebt, das zu verehren, was Puschkin verehrt. Damit wird Puschkin nur zu Recht als Nationaldichter gefeiert, als einer, der die russische Seele belebt, in dem er lehrt, sich zu feiern, sich selbst neu zu schaffen. Neben all der Liebe in ihrer Verzweifelung gelten Eifersucht, Duell und Tod als mitbestimmende Größen des Romans.

In allem steckt Reflektion über sich, über die Wünsche und über das Sein in einer Kultur, wie sie das Landleben, die Familie vorgibt ("Das Leben sehen als Ritual / Und mitzutrotten mit der Menge, / Obgleich uns nichts von dem erwärmt"). Puschkin integriert den Leser bis zu letzt. "Leb wohl, da unser Weg sich trennt!" ist jene letzte Botschaft an den Leser, um klar zu machen, dass der Roman dem Leser gilt und dass dieser Abschied nehmen muss am Ende, "Abschied nehmen muss im Nu", damit er auf sein eigenes Leben trifft.

Dieser einzigartige Versroman gilt als Puschkins wohl großartigstes Werk; ihm gelingt jene Verbindung herzustellen, die ein Band schnürt zwischen jedem einzelnen Russen, um sich als ein Volk zu fühlen. Peter Tschaikowsky hat diesen Roman und dieses Puschkinsche Credo als Vorlage für sein Libretto seiner gleichnamigen grandiosen Oper gewählt. Mit der Verzweigung dorthin, erfährt der interessierte Leser zusätzlich (in einer weiteren Rezension) jenen Inhalt dieser Liebeslyrik, die Puschkin bravourös als Vorlage geschaffen hat.

»Jewgeni Onegin« ist mehr als nur die unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem großstädtischen Dandy Jewgeni Onegin und der Schönheit vom Lande Tatjana Larina: Es ist die erste umfassende Schilderung der russischen Gesellschaft und war Vorbild für Pjotr Tschaikowskis berühmte Oper.

Literatur:

Jewgeni Onegin: Roman in Versen
Jewgeni Onegin: Roman in Versen
von Alexander Puschkin

Eugen Onegin: Roman in Versen
Eugen Onegin: Roman in Versen
von Alexander Puschkin

Samstag, 14. Mai 2022

»Tell« von Joachim B. Schmidt

Tell


Der schweizer Autor Joachim B. Schmidt, geboren 1981, aufgewachsen im Schweizer Kanton Graubünden und 2007 nach Island ausgewandert, hat aus der Ferne im Frühjahr 2022 seine ganz eigene Adaption der »Tell«-Saga veröffentlicht.

Schmidt wagt es mit seinem literarischen Apfelschuss, den Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell von seinem Sockel zu holen und ihn in einer spannenden Handlung statt eines heldenhaften Widerstandskämpfers gegen den Habsburger Landvogt als einen einfachen, recht eigenbrötlerischen, schon in Kinderjahren vom Schicksal geprägten Bergbauern, Wilderer und Querulanten im Kanton Uri zu schildern. Schmidts »Tell« ist wahrlich kein legendärer Held, sondern ganz im Gegenteil ein Antiheld, der eigentlich nur seine Ruhe und für sich und die Familie ausreichend zu essen haben will.

Dieser Wilhelm Tell ist nur eine fiktive Figur, dessen im Jahr 1307 zur Zeit der Schweizer Habsburger-Kriege verortete Geschichte vom Apfelschuss erstmals 1472 niedergeschrieben wurde. Das Motiv des Apfelschusses wurde sogar schon hundert Jahre vor Tell zu Beginn des 13. Jahrhunderts in der „Geschichte der Dänen“ von Saxo Grammaticus erwähnt. Dort ist es der prahlerische Schütze Toko, der einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen muss. Doch Schmidt lässt diese Fakten in seinem in 100 kurzen Kapiteln von 20 Personen temporeich erzählten Roman schnell vergessen und schafft es spielend, uns an eine tatsächliche Existenz Tells glauben zu lassen.

Analog zum dänischen Apfelschützen Toko, dessen Name sprachwissenschaftlich als „alberner Mann“ gedeutet wird, folgt Autor Schmidt in der Charakterisierung seines Protagonisten Tell auch dessen sprachwissenschaftlicher Bedeutung als „einfältigen Mann“ und charakterisiert Wilhelm Tell als wortkargen bis mürrischen, sturen und nur unwillig als Bergbauer weit abseits von Altdorf Vierwaldstättersee) am Fuß der Voralpen lebenden Kleinbauern. Dort lebt er in seiner Hütte in eheähnlichem Verhältnis mit der Witwe seines verunglückten jüngeren Bruders Peter, den drei Kindern Walter, Willi und Kleinkind Lotta sowie Mutter und Schwiegermutter. Tell hat sich schon in der Jugend von seinen Mitmenschen abgewandt, lässt jedes Mitgefühl anderen gegenüber, auch seiner eigenen Familie gegenüber, vermissen.

Die Geschichte spielt im Jahr 1307 auf den Tell-Hof im Isental in der heutigen Zentral-Schweiz, wo die vielköpfige Familie Tell unter der harten Regentschaft der Habsburger Landvögte um das wirtschaftliche Überleben zu kämpfen hat. Als Tell aus Gründen der Not eine Kuh auf dem Markt in Altdorf verkaufen will, versäumt er es, den auf dem Marktplatz auf einer Stange aufgestellten Hut des habsburgischen Landvogts Gessler untertänig zu grüßen – nicht etwa aus politischem Widerstand, sondern weil er einfach nicht auf den Hut geachtet und nichts von der Grußpflicht gewusst hatte. Der zufällig mit seinem brutalen Truppführer Harras anwesende Landvogt befiehlt ihm zur Strafe, mit der Armbrust aus weiter Entfernung einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Walter zu schießen. Dies gelingt Tell zwar, dennoch wird er gefangen genommen, kann sich aber später selbst befreien und sich rächen.

Es ist nicht nur die episodenhafte, bis in kleinste Einzelheit authentisch wirkende Handlung, die uns von Tells Angehörigen, Nachbarn sowie von seinem Jugendfreund und Pfarrer Tauffer erzählt wird, oder die beeindruckende Charakterisierung jeder einzelnen Figur, die uns an ihrer Welt und ihrem erbärmlichen Leben teilhaben lassen, was uns an eine tatsächliche Existenz des erst durch Schillers Drama (1804) zum Nationalhelden gewordenen Wilhelm Tell glauben lässt. Sondern Schmidt verbindet seine Geschichte im Epilog auch geschickt mit Fakten: So wird Tells Tochter Lotta, inzwischen selbst schon Großmutter, vom Obwaldner Landschreiber Hans Schriber aufgesucht, um mehr über Tell zu erfahren. Tatsächlich ist diesem Landschreiber und Dichter – wenn auch erst 100 Jahre später – die erste, 1472 veröffentlichte Niederschrift der Tell'schen Geschichte zu verdanken.

Lotta täuscht zudem in diesem Gespräch mit Schriber vor, nicht auf dem Tell-Hof, sondern auf dem Tschudi-Hof zu leben, da sie die Witwe des Theodor Tschudi sei. Auch dieser Name ist bezeichnend, war es doch der spätere Chronist Aegidius Tschudi, der in seinem um 1550 verfassten Werk »Chronicon Helveticum« die bis heute gültige Version der Tell-Sage erzählt.

So verleitet Schmidts Roman »Tell« unwillkürlich zur weiteren Beschäftigung mit dem Schweizer Nationalhelden. Man sollte »Tell« sogar zur Schullektüre machen: Wer sich bei Schillers Drama langweilt, findet sicher in dieser Erzählung um den Antihelden Wilhelm Tell den nötigen Anreiz, sich literarisch mit dieser Sagengestalt und historisch mit der Geschichte der Schweiz auseinanderzusetzen. Denn auch für junge Leser, die noch nie von Wilhelm Tell gehört haben, liest sich Schmidts Roman überaus spannend.

Literatur:

Tell Tell von Joachim B. Schmidt
Wilhelm Tell
Wilhelm Tell
von Friedrich Schiller

Mittwoch, 5. Januar 2022

»Geschichte des Agathon« von Christoph Martin Wieland

Die Geschichte des Agathon


»Geschichte des Agathon« ist ein 1766 und 1767 in zwei Bänden erstmals erschienener, 1773 und 1794 jeweils umgearbeiteter Roman von Christoph Martin Wieland. Er gilt als der erste große Bildungs- und Erziehungsroman in der deutschen Literatur und als Vorläufer des modernen psychologischen Romans. Das Werk markiert den Anfang der Geschichte des neueren deutschsprachigen Romans.

Wielands »Agathon« steht als Prototyp am Anfang der Geschichte des modernen Romans und war das Vorbild für viele folgende Werke, darunter für Goethes »Wilhelm Meister«. In diesem Epochenroman, in der fiktionalen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft des antiken Griechenlands, stellt Wieland die entscheidenden Fragen zur eigenen Zeit. In deren Mittelpunkt aber steht das zeitlose Problem, wie sich das Individuum selbst zu finden vermag zwischen hochfliegendem Ideal und persönlicher Erfahrung.

Die Handlung spielt im Übergang vom 5. zum 4. vorchristlichen Jahrhundert, geschildert wird das Heranwachsen des schönen athenischen Jünglings Agathon zu einem reifen Mann.

Christoph Martin Wieland

Wieland schildert in dem Roman, wie Agathon nach und nach durch Desillusionierungen und Enttäuschungen zu einer realistischeren, erfolgversprechenderen und glücklicheren Lebenseinstellung gelangt. Mit diesem vielschichtigen und vielseitigen Werk hat sich Chr. M. Wieland in die Herzen seiner damaligen Leserschaft geschrieben und uns Heutigen ein Buch hinterlassen, das Erstaunen hervorruft.

Der Hauptprotagonist als der Philosoph Agathon entspricht dabei dem griechischen Schönheitsideal der damaligen Zeit. Er sei von einer so vollkommenen Schönheit, dass die Rubens und Girardons dazumals, weil sie die Hoffnung aufgaben eine vollkommnere Gestalt zu erfinden oder aus den zerstreuten Schönheiten der Natur zusammenzusetzen, die seinige zum Muster nahmen, wenn sie den Apollo oder Bacchus vorstellen wollten. Tatsächlich sagte Wieland von sich, dass er selbst eher schmächtig und unschön sei. So kreierte er ein allumfassendes, über jegliche Zweifel erhabenes Schönheitsbild, das den umfassenden ästhetischen Kriterien in jeder Hinsicht scheinbar gerecht wurde. Da die Griechen in der Antike nach körperlichem und geistigem Einklang strebten stellt sein Agathon demzufolge auch ein solcher Archetypus dar. Gleichwohl gebildet und redegewandt, wie auch leidenschaftlich und schwärmerisch veranlagt ist er.

Agathon ist aber weit vielschichtiger, als man es am Anfang zu denken glaubt. Anfangs ein spekulativer Enthusiast, romantischer Schwärmer und leidenschaftlicher Hedonist entwickelt er sich im Verlaufe des Abenteuers zu einem zweifelnden und hinterfragenden Weltverbesserer. Einem ernsten Realisten und zu einem weisen Pragmatiker. Er lernt, dass die Ideale aus seinen früheren Vorstellungen nicht existieren, nichtsnützig und weltfremd sind. So verändert er sich mit den Erfahrungen zunehmend und findet somit zu einer erfolgsversprechenderen und glücklicheren Geisteshaltung.

Die Reife Agathon`s Charakter wird im Laufe der Geschichte vielfältig auf die Probe gestellt. Als Priester im Tempel zu Delphi ist er erzogen worden. Dort hält es ihn nicht lange und so zieht er in die Welt hinaus. Er trifft unerwartet auf ein Fest thrakischer Weiber und wird daraufhin von kilikischen Seeräubern entführt. Als Sklave wird er so an den Sophisten Hippias verkauft, welcher ihn in der Philosophie und Politik unterweist. Agathon lernt desweiteren eine besonders hochstehende und verführerische Frau kennen, an welcher er die ganzen verwirrenden Auswirkungen der weiblichen Reize erfährt. Später wird er von Hippias verraten und wendet sich ab. In Sizilien wird er Berater und Staatsverwalter des Dionys und wenig später richtet er sich in einer Konspiration gegen dessen Politik. Archytas wird sein neuer Mentor und geistiger Vater und Agathon begegnet seiner damaligen Liebe erneut. Auf Um -und Abwegen findet er letzlich zu sich selbst und zu einer gesunden Lebenseinstellung durch die Ausgeglichenheit von Vernunft, Gefühl und ästhetischem Empfinden.

Ist anfänglich der Eindruck vorhanden, dass der barocke Stil hervortritt und der "Simplicissimus" grüßen lässt, so wird im Laufe der Erzälungen klar, dass es sich auch um einen psychologischen Roman handelt. Das erstaunt einigermaßen, da die Erkenntnisse auf diesem Gebiet erst einige Zeit später so richtig zum Zuge kommen werden.
Literatur:

Die Geschichte des Agathon
Die Geschichte des Agathon von Christoph Martin Wieland

Samstag, 13. November 2021

»Verbrechen und Strafe« von Fjodor M. Dostojewski und Swetlana Geier



Den Roman mit dem ursprünglichen Titel „Schuld und Sühne“ von Fjodor M. Dostojewski hat Swetlana Geier neu übersetzt. Die Neuübersetzung . „Verbrechen und Strafe“ statt „Schuld und Sühne“ – allein am Titel merkt man schon den Unterschied. Swetlana Geier, die Grande Dame der Slawistik an der Freiburger Uni, hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die fünf großen Dostojewskij-Romane neu zu übersetzen. „Verbrechen und Strafe“ war der Erste gewesen. Als russische Muttersprachlerin ging sie mit einem ganz anderen Sprachgefühl an die Übersetzung heran. Und herausgekommen ist dabei ein völlig neues Buch.

Verbrechen und Strafe
Verbrechen und Strafe


Radon Raskolnikow entstammt einer verarmten bürgerlichen Familie. In der schrankähnlichen Enge seines Zimmers ist der »euklidische Verstand«, der der Diener des Lebens sein sollte, zum Herrscher geworden. Raskolnikow ist Utilitarist. Um eines naturgemäß unklar gefaßten Begriffs des wissenschaftlichen oder sozialen Fortschritts willen, scheint es ihm erlaubt, eine alte Wucherin, die »nicht besser als eine Laus ist«, zu töten und mit dem geraubten Geld sein Studium zu finanzieren. Sein Herz wehrt sich ebenso wie sein Unterbewußtsein gegen die geplante Tat, doch von sozialer Not gedrängt und gefangen in lebensfeindlichen Ideen, wird er zum Mörder.

Die in St. Petersburg spielende Geschichte handelt von Rodion Raskolnikow, ein völlig verarmter Student, hat eine Theorie entwickelt, nach der es hin und wieder Menschen gibt, die über den moralischen Wertvorstellungen und den geltenden Gesetzen stehen und die daher für sie nicht von Belang sind. Natürlich ist er selbst einer dieser Menschen und konsequenterweise erschlägt er mit einer Axt eine alte Pfandleiherin, nach seiner Theorie nur eine unnütze „Laus“, um ihr Geld zu rauben. Auch ihre zufällig anwesende Schwester wird von ihm getötet.

Er entkommt unerkannt und muss nun mit diesem Verbrechen leben. Da zeigt es sich, dass er mitnichten über allem steht, er fiebert, es zerfrisst ihn von innen, während parallel dazu in der äußeren Welt die Polizei auf der Suche nach dem Mörder ist. Der frühere Buchtitel „Schuld und Sühne“ hat dabei etwas religiös Moralisierendes, während der neue Titel das Geschehen als das darstellt, was es ist: Ein Verbrechen. Das Strafe verdient. Der Ermittler kommt Raskolnikow schnell auf die Spur, so aberwitzig und wirr wird sein Verhalten. Er kann ihm das Verbrechen aber nicht beweisen, sucht nach Indizien.


"Aus hundert Kaninchen wird niemals ein Pferd und

aus hundert Verdachtsgründen niemals ein Beweis."


Fjodor M. Dostojewski, »Schuld und Sühne«



Ein tiefer Seelenroman. Ein großartiges Buch über die innere Zerrissenheit eines Täters. Wie er immer tiefer in den Strudel seines Wahnsinns hineingezogen wird. Wie er zum Gejagten seiner Selbst wird. Wie er keine Reue empfindet, aber sich vor seiner Tat ekelt. Wie die Justiz ihm das Verbrechen nachweisen will. Wie sich der Kreis der Ermittlungen immer enger zieht. Wer gibt zuerst auf? Ein psychologisches Duell der Extraklasse.

Geschrieben vor beihahe 150 Jahren und immer noch spannend. Immer wieder. Dazu als Kulissse das St. Petersburg von 1860: Pulsierendes Leben auf den Prachtboulevards und eine Straße weiter schmutzige Hinterhöfe voller menschlichem Elend. Arm und reich auf engstem Raum nebeneinander, der Nährboden für die wirren Ideen eines Raskolnikows.

Der psychologisch ausgefeilte Roman erlaubt dem Leser, sich sowohl in die Rolle des Täters als auch des Opfers hineinzuversetzen.

Es reicht nicht, diesen Kriminalroman nur einmal zu lesen: Die faszinierdenden Einblicke in die Psyche des Petersburger Studenten Raskolnikow liefern Denkanstöße für längere Zeit. Verbrechen und Strafe ist ein psychologisches Meisterwerk und meines Erachtens der beste 'Dostojewski' - Ein absolutes Muß für Freunde hochwertiger Klassiker. Dostojewskis Meisterwerk.

Weltliteratur, die man gelesen haben sollte:


 Verbrechen und Strafe
Verbrechen und Strafe
von von Fjodor M. Dostojewskij und Swetlana Geier

Schuld und Sühne
Schuld und Sühne
von Fjodor M. Dostojewski


Der Dostojewskij-Relaunch
- kaffeehaussitzer.de

Samstag, 23. Oktober 2021

»2666« von Roberto Bolano

2666

2666


Der aus Chile stammende Autor Roberto Bolaño ist bereiis seit 2003 tot. Sein Buch ist ein faszinierendes Meisterwerk. Roberto Bolaños »2666« ist eine meisterhaft erzählte unendliche Geschichte.

»2666« ist ein sehr unterhaltsamer Roman, oder vielmehr ein Sammelsurium von interessanten und spannenden Geschichten, die vielfältig und einfallsreich miteinander verwoben sind.

Fünf Literaturwissnschaftler suchen einen deutschen Schriftsteller und ehemaligen Nazi. In der Wüstenstadt Santa Teresa soll er stecken, wo ausgerechnet eine Frauenmordserie die Anwohner in Angst und Schrecken versetzt.

Ein Quartett durchgedrehter Germanisten, das einen verschollenen Schriftsteller jagt. Ein Kommissar in einer mexikanischen Wüstenstadt, in der Hunderte von Frauen vergewaltigt und ermordet wurden. Ein amerikanischer Journalist, der dort über einen Boxkampf berichten soll und sich verliebt.

Und in eben dieser Stadt wurde der Schriftsteller zuletzt gesehen. Alles hängt mit allem zusammen, die Wege und die Spuren kreuzen sich - aber die Welt bleibt ein Rätsel.

Die bis an die Grenze des Vorstellbaren getriebene Gewalt hat Bolaño mit allen ihm zu Verfügung stehenden Mitteln genau inszeniert. Das muste er auch, denn es geht um menschliche Abgründe - vor allem um die Faszination an der Gewalt.

Gleichwohl ist das Buch eine ausgezeichnete Milieustudie, ein spannemder Horroroman, ein veritables Historienepos und ein risikoreiches literarisches Experiment. Der Autor hat viel gewagt und noch mehr gewonnen.

Das Werk ist ein monumentaler Torso über das düstere Herz der Welt.
Roberto Bolaños postum erschienener Roman ist eine atemberaubende Reise ins finstere Herz der Gegenwart, ein Jahrhundertwerk und weltweiter Bestseller.

Weblink:

2666

2666
von Roberto Bolano