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Samstag, 16. August 2025

»Madame Bovary« Gustave Flaubert

Madame Bovary

»Madame Bovary: Sitten der Provinz« von Gustave Flaubert ist das Hauptwerk des französischen Realisten Gustave Flaubert. Der Roman handelt von der Zerstörung des bürgerlichen Lebens durch seine Ideale. Der Roman erzählt vom Schicksal einer unglücklich verheirateten, ehebrechischen Frau, die aus den traditionellen Konventionen der Gesellschaft ausbrechen will und aufgrund ihrer Treulosigkeit scheitert.

Madame Bovary: Sitten der Provinz
Madame Bovary: Sitten der Provinz



Die junge, ein wenig verträumte Emma Rouault heiratet den biederen Landarzt Charles Bovary in der Hoffnung auf ein beschauliches Leben. Schon bald aber nimmt ihr die erdrückende Enge dieser Ehe die Luft zum Atmen. Erst flüchtet sie sich in die berauschende Scheinwelt der Literatur, dann gibt sie den Verheißungen nach, findet aber auch in ihren Abenteuern mit wechselnden Liebhabern nicht, was sie sucht. Ihr Leben gerät aus der Bahn. Der Roman führte nach seinem Erscheinen 1856 zum Skandal. Mitreißend und brisant ist er bis heute geblieben. (Flaubert, Gustave 1821 - 1880)

Madame Bovary, verheiratet mit dem Arzt Charles Bovary, bewohnt sie bis an ihr Lebensende die Einöde in Frankreichs Provinz. Sie träumt von dem magischen Ort Paris, ihren ritterlichen Romanhelden und sucht Befriedigung in der Liebe, die ihr ihr Mann nicht geben kann. Sie wird von den Männern viel umworben, sie ist ein Anziehungspunkt und eine Augenweide.

Madame Bovary

Bald beginnt sie Affären mit Léon und Rodolphe. Dabei fühlt sie sich wie beflügelt, frei und dennoch trägt sie Verantwortung für ihren Ruf, ihren Mann und ihr gemeinsames Kind. Letztendlich wird sie von Unmengen an Schulden heimgesucht und gibt sich dem Gift hin, um ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Flauberts Roman erregte viel Aufsehen, da er - so der Untertitel des Buchs - "ein Sittenbild der Provinz" aufweist, einen Maßstab an Moral und Werten, der für die damalige Gesellschaft maßgebend war und eingehalten werden musste, wenn man nicht verstoßen werden wollte. Doch Emma Bovary durchbricht diese Regeln, sie schafft ihr eigenes Leben, um vollauf befriedigt zu werden, um der Gesellschaft zu trotzen, um sich den eigenen Freuden hinzugeben.


»Madame Bovary« ist eine Revolution, ein klassisches Werk, das dennoch in der heutigen Zeit stets aktuell ist und die unermüdlichen Bedürfnisse der Menschheit wiederspiegelt, die, unter gegebenen Umständen zu Problemen führen und letztendlich ins Verderben.



Die Geschichte vom unglücklichen Schicksal der Emma Bovary löste Mitte des 19. Jahrhunderts einen Sturm aus. Flaubert hatte die zeitgenössische Bourgeoisie mitten ins Herz getroffen und eine der großartigsten Figuren der Weltliteratur geschaffen.

Sein Roman »Madame Bovary«‹ löste bei seinem Erscheinen 1857 einen literarischen Skandal aus, in dessen Folge Flaubert vor Gericht erscheinen musste. Der einzige Kontakt zur Außenwelt war ein reger Briefwechsel mit seiner Geliebten Louise Colet und zahlreichen Schriftstellerkollegen wie z.B. Ivan Turgenjew.

Dem Romancier Gustave Flaubert ist der eigentliche Durchbruch zum Realismus dem mit seinem Roman »Madame Bovary«, einer Alltagsgeschichte der Desillusionierung einer an romantischen Idealen orientierten Ehefrau in der Provinz, welche im Ehebruch und Selbstmord endet, im Jahre 1857 gelungen.


»Das neunzehnte Jahrhundert glänzt mit dem französischen Roman, wie das sechzehnte von italienischen Bildern und Palästen strahlt. Von 1850 bis 1880 sitzt Flaubert auf dem Lande, oft monatelang ohne Menschen, und schreibt seine sechs Bücher. Hier vollzieht sich die letzte Anstrengung, die repräsentative Kunstgattung der Zeit auf ihren Gipfel zu führen.«

Beginn von Heinrich Manns Essay aus dem Jahre 1905: »Gustave Flaubert und George Sand«; zitiert nach: Heinrich Mann: »Geist und Tat«, dtv 100, München 1963; S. 74

Für Maupassant, Zola, Proust, Heinrich Mann und andere wurde »Madame Bovary« zum absoluten Maßstab des eigenen Schaffens, für alle Späteren - auch für Kritiker wie Sartre - zu einem Bezugspunkt, an dem die Entwicklung des modernen Romans gemessen werden kann.

Als diese lang erwartet Neuübersetzung von »Madame Bovary« erschien, dem Hauptwerk des französischen Realisten Gustave Flaubert, bescheinigte ihr die Kritik, die »beste, die am meisten Flaubertsche« zu sein.

Weltliteratur, die man gelesen haben sollte:

Madame Bovary: Sitten der Provinz
Madame Bovary: Sitten der Provinz
von Gustave Flaubert

»Der Mensch lebt im Holozän« von Max Frisch


Der Roman »Der Mensch lebt im Holozän« von Max Frisch spielt in einem einsam gelegenen Bergtal in den Schweizer Alpen. Die Erzählung ist eine eindrückliche Schilderung des Berglebens und der Bergwelt und so manches über das Dichterdorf Berzona, in dem Max Frisch gelebt hat, findet sich in Frischs Erzählung wieder.

Wegen seiner Ursprünglichkeit und Abgeschiedenheit hat diese karge Berglandschaft immer wieder Fremde angelockt. Romanciers und Revolutionäre, Aussteiger und Asylsuchende. Anfang des vorigen Jahrhunderts waren es vor allem Künstler, die das Tal für sich als unberührten Ort entdeckten. Um hier den Erholungsurlaub zu verbringen, zu studieren oder schöpferisch tätig zu sein.

Es ist August in den Alpen. Die Wolken haben sich zwischen den Bergen verkeilt. Der Dauerregen weicht den Boden auf. Es heißt, ein Felssturz habe das Tal abgeriegelt. An Gartenarbeit ist nicht zu denken. Herr Geiser sitzt in seinem Haus fest und versucht, sich die Zeit zu vertreiben. Er fertigt Gebäude aus Knäckebrotscheiben, bestimmt die unzähligen Arten des Donners, schlägt Begriffe im Lexikon nach. Um nicht beständig dem Regen zu lauschen, beginnt er zu lesen. Die Gedanken aber schweifen ab.

Max Frisch hat auf anrührend-bedrückende Weise den Verfall des Menschen zum Thema dieser Meistererzählung gemacht. Mit schlichter Sprache und einfachen Sätzen beschreibt er das Kreisen der Gedanken um Nebensächlichkeiten, das Abgleiten in Erinnerungen, das Verschwinden der Grenzen zwischen Realität und Einbildung. Ganz beiläufig schildert Frisch die kleinen Missgeschicke, die Herrn Geiser widerfahren, die symptomatisch seinen seelischen und körperlichen Zustand verdeutlichen. Noch mehr aber ist in den Freiräumen zwischen den kurzen Absätzen ausgedrückt, die der Leser unwillkürlich mit seinen eigenen Erfahrungen und Empfindungen ausfüllt. In dieser knappen Prosa wird eine fantastische Ballance von Gesagtem, Ungesagtem und Unsäglichem hergestellt.

Der Text dient Frisch auch dazu, die Stellung des Menschen im Gefüge der Natur zu relativieren. Der geistige Riese nimmt sich zwergenhaft aus neben den gewaltigen Gesteinsformationen des Gebirges. Die Natur bleibt ungerührt davon, dass menschlicher Geist sie zu begreifen, ordnen und kategorisieren sucht. Sie kennt keine Katastrophen und wird das Verschwinden des Menschen verschmerzen. Verbleiben werden nur Spuren im ewigen Gestein, Ablagerungen im Sediment, so wie es den gewaltigen Dinosauriern erging. So wie der Mensch erschienen ist, wird er auch verlöschen.

"Der Mensch erscheint im Holozän" ist eine stimmige, anregende Lektüre, die den eigenen Gedanken weiten Raum lässt. Es ist Philosophie im literarischen Gewand. Man sollte es sich zur Regel machen, dieses schmale Bändchen in regelmäßigen Abständen erneut zu lesen. Mit zunehmendem Alter wird man diese Erzählung anders und wieder anders und doch nie ganz endgültig deuten. Ein bewegendes Buch und wahrhaft bleibende Literatur.

Buchempfehlung:

Der Mensch
Der Mensch lebt im Holozän
von Max Frisch

»Der Mensch erscheint im Holozän« von Max Frisch



»Der Mensch erscheint im Holozän« von Max Frisch ist eine Erzählung über das Vergessen und Vergehen. Mit dem Verlust des Gedächtnisses verschwindet auch der Mensch, verliert sich und die Kontrolle über das eigene Leben.

Ein Gefühl der Heimat bleibt, die vertraute Umgebung, die Natur, die Berge, der Schnee, wie das Licht ins Tal fällt zu verschiedenen Jahreszeiten. In einem durch ein Unwetter von der Außenwelt abgeschlossenen Bergdorf kämpft Herr Geiser gegen den fortschreitenden Verlust seines Gedächtnisses. Mit Hilfe kleiner Zettel, die er in seinem Haus verteilt, baut er sich eine Wissensdatenbank auf. Die Isolation macht Herrn Geisers zurückgezogenes Leben noch einsamer. Hinzu kommt die Sorge, dass durch den andauernden Regen der ganze Berg ins Rutschen geraten könnte.

Die Erzählung des Schweizer Autors Max Frisch erscheint 1979. Ein lange verkanntes Spätwerk. Der Regisseur Alexander Giesche nimmt den Text als Ausgangspunkt für seine Inszenierung am Schauspielhaus Zürich, die ganz um die Trias Mensch, Natur, Technik kreist. Er folgt dabei nur lose der Erzählung, sie ist vielmehr Stichwortgeber für immer neue Bilder, die dem Verlust, dem Vergessen, dem Abschied eine Form geben.

Eine Schauspielerin und ein Schauspieler berichten fragmentarisch über Herrn Geisers Zustand und den des Tals, mal aus seiner Perspektive, mal als Beobachter. Alexander Giesche nennt seine Werke Visual Poems. Die Inszenierung besteht aus klar voneinander abgegrenzten Bildern. Er lässt Krankenhausbetten und elektrische Rollstühle tanzen, zaubert Hologramme auf die Bühne und lässt einen erstaunlich realistischen Dinosaurier auftreten. Die verschiedenen Elemente und theatralen Mittel stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander, sind alle Teil seines Gedichts.

Ein Abend, der scheinbar die Schönheit des Untergangs besingt. Auch die Menschheit wird einmal Geschichte sein oder wie Max Frisch es formuliert hat, „Katastrophen kennt allein der Mensch, sofern er sie überlebt; die Natur kennt keine Katastrophen.“ Aber Alexander Giesche schafft es aus diesem Fatalismus einen Hoffnungsschimmer, ein Gefühl der Wärme herauszuschälen. Das Verhältnis Mensch – Natur bleibt ein angespanntes. Unser schädlicher Einfluss auf den Planeten zeigt sich jeden Tag deutlicher.

Montag, 4. August 2025

Hans Christian Andersen 150. Todestag


Hans Christian Andersen

Andersen starb vor 150 Jahren als international verehrter und anerkannter sowie hochdekorierter Künstler am 4. August 1875 in Kopenhagen. Hans Christian Andersen war ein berühmter dänischer Dichter des 19. Jahrhunderts.

Nach dem Tod seines Vaters ging er mit 14 Jahren nach Kopenhagen und bemühte sich, dort als Schauspieler zum Theater zu kommen. Nachdem ihm das jedoch nicht gelang, versuchte er sich ebenso vergeblich als Sänger und verfasste schon erste kleine Gedichte.

1828 machte er sein Abitur. Kurz darauf konnte er sein estes Buch vorlegen.

Er unternahm 30 grosse Reisen durch viele Länder Europas, am häufigsten nach Deutschland, wo auch seine Autobiografie erschien. Dabei verbrachte er insgesamt 10 Jahre seines Lebens im Ausland.


Weltberühmt wurde Hans Christian Andersen vor allem durch seine Märchen, die er 1835 bis 1848 in acht Bänden publizierte. Dabei bearbeitete er Volksmärchen, bis sie seinen literarischen Ansprüchen genügten, gleichzeitig von Kindern verstanden werden konnten und wie gesprochen klangen. Seine romantischen Kunstmärchen werden heute in allen Kinderzimmern dieser Welt vorgelesen.


Hans Christian Andersen


Im Lauf seines Lebens hat der dänische Schriftsteller und Dichter an die 160 Märchen geschrieben. Bis heute haben diese Geschichten von der kleinen Nixe, die sich unsterblich in einen Menschen verliebt, dem hässlichen Entlein, aus dem ein wunderschöner Schwan wird, oder dem eitlen Kaiser, der sich von zwei Betrügern unsichtbare Kleider weben lässt, nichts von ihrer Magie verloren.

Mit seinen schillernd fantasievollen Märchen verzauberte Hans Christian Andersen bereits ganze Generationen von Lesern. Sein Weltruhm gründet darin, dass er es besonders in diesen Geschichten wie kaum ein Zweiter verstand, die Erlebniswelten des Alltagslebens in seinen farbenprächtigen und vor Einfallsreichtum glänzenden Erzählkosmos hinaufzuheben.


Zu seinen bekanntesten Märchen von Hans Christian Andersen gehören das »Hässliche Entlein«, »Des Kaisers neue Kleider«, »Das Mädchen mit den Schwefelhölzern«, »Die kleine Seejungfrau«, »Die Schneekönigin«.

Hans Christian Andersen wurde am 2. April 1805 als Sohn eines verarmten Schuhmachers in Odense geboren.


Weblinks:

Hans Christian Andersen

Hans Christian Andersen | Klassiker der Weltliteratur www.ardmediathek.de


Literatur [ >> ]:

Märchen von Hans Christian Andersen
Märchen von Hans Christian Andersen
von Hans Christian Andersen

Märchen von Hans Christian Andersen
Märchen von Hans Christian Andersen
von Hans Christian Andersen und Anastassija Archipowa

Samstag, 19. Juli 2025

»Der grüne Heinrich« von Gottfried Keller


Gottfried Keller erzählt in seinem Bildungsroman »Der grüne Heinrich« die stark autobiografisch geprägte Lebensgeschichte des jungen Heinrich Lee, der wegen seiner uniformgrünen Jacken und Röcklein »Grüner Heinrich« genannt wird.

Der Roman »Der grüne Heinrich« ist ein Entwicklungsroman, der das Werden einer Persönlichkeit von frühester Kindheit bis zum frühen Erwachsensein beschreibt. Das also, was wir heute mit dem Begriff "Sozialisation" beschreiben.

Kindheitserinnerungen, Wahrheit und Dichtung flossen ineinander. Ein einsamer junger Mann verlässt seine Schweizer Vaterstadt. Er bricht auf, um in der Großstadt Maler zu werden. Ein Aufbruch in eine bisher unbekannte und vielfältige Bürgerwelt, dabei ist das Ziel ungewiss. Nachdem sich der erhoffte Erfolg nicht eingestellt hat und er keinen geeigneten Platz in der Gesellschaft gefunden hat, kehrt der grüne Heinrich schließlich als gescheiterte Existenz in sein Dorf zurück.

Der Protagonist, Heinrich Lee, trägt den Spitznamen »Grüner Heinrich«, weil seine Kinderkleidung aus den grünen Uniformen seines früh verstorbenen Vaters geschneidert wurde. Eines Tages bricht er aus dem konventionellen Leben aus und begibt sich auf Wanderschaft, wo er so einiges erlebt.

»Der grüne Heinrich« erzählt Heinrichs Jugendgeschichte in der Schweiz, Heinrichs Aufenthalt in Deutschland und Rückkehr, von intensiven und poetischen Naturerfahrungen.

Nun ist das gewissermaßen einschneidenste Erlebnis des Übergangs von Kindheit zum Erwachsensein die Entdeckung der Sexualität in der Pubertät. Dieses Buch kann das aber letzlich nicht zum Thema machen, die Sexualität als solche bleibt in diesem Buch einfach völlig tabu.

Zur epischen Breite des Buches trägt auch dazu bei, daß es sich mit dem Thema Malerei und der Selbstwerdung des Künstlers in aller Breite auseinandersetzt, vielleicht auch in etwas zu großer Breite.

Gottfried Keller besticht im "Grünen Heinrich" neben dem, was im Roman dargestellt wird, durch höchste Sprachkunst. Seine Sätze in brillantem Deutsch sind mitunter die reinsten Kompositionen und erzeugen geradezu eine Melodie. Fast jeder einzelne Satz tut das wohlgemerkt!

Durch die vollmundige romantische Sprache mit all ihren Facetten, Schnörkeln und Ausschmückungen wird das Lesen, für den, der sich darauf einlässt, zu einem Fest der Sinne.


Literatur:

Der grüne Heinrich
Der grüne Heinrich
Fischer Klassik

»Romeo und Julia« von William Shakespeare

Romeo und Julia


»Romeo und Julia« ist die bekannteste Liebesgeschichte der Weltliteratur, die in vielen Fassungen unterschiedlicher Autoren und Kulturkreise erhalten und historisch überliefert ist.

»Romeo und Julia« von William Shakespeare erzählt die Geschichte der beiden Liebenden aus Verona, die wegen einer Familienfehde nicht zusammenkommen konnten. Diese traurige Liebesgeschichte ist dank William Shakespeare weltberühmt geworden.

»Romeo und Julia« ist eine Tragödie, neben »Hamlet« die bekannteste und beliebteste, die Shakespeare je geschrieben hat. Romeo und Julia, die tragisch Verliebten, gehören zwei verfeindeten Familien an, den Montagues und Capulets, die verhindern, dass sie ihre Liebe offen leben. Heimlich lassen sie sich trauen.

Um der vom Vater geplanten Hochzeit mit einem Dritten zu entgehen, trinkt Julia einen Betäubungstrank, der sie für vierzig Stunden in einen todesähnlichen Schlaf versetzt. Doch Romeo kommt zu spät. Wie tot liegt Julia vor ihm und aus Verzweiflung trinkt er Gift. Wenige Augenblicke später erwacht sie und erblickt das Unglück. Mit seinem Dolch folgt sie ihm nach.


Die Geschichte endet tragisch durch den Liebestod der beiden Liebenden: Romeo, durch einen fatalen Zufall nur unzureichend über den Plan informiert, glaubt Julia tot und vergiftet sich in ihrer Gruft. Julia erwacht und ersticht sich mit Romeos Dolch.

Verona Balkon


William Shakespeares »Romeo und Julia« ist die berühmteste und beliebteste Liebestragödie der Weltliteratur, auch heute noch, mehr als 400 Jahre nach ihrer Entstehung. Das Stück wurde schon zu Shakespeares Zeit häufig gespielt, hat viele Bearbeitungen erfahren und wurde zur Grundlage zahlreicher Novellen, Musikkompositionen und Verfilmungen. Shakespeare aber erfand zu seiner Zeit mit »Romeo und Julia« etwas völlig Unbekanntes: die erste englische Liebestragödie.

Das Stück wurde schon zu Shakespeares Zeit häufig gespielt, hat viele Bearbeitungen erfahren und wurde zur Grundlage zahlreicher Novellen, Musikkompositionen und Verfilmungen.

Das Motiv der Liebenden, die durch widrige Umstände getrennt werden, wurzelt tief in Mythologie und Märchen. Beispiele oder Entsprechungen für solche Liebespaare finden sich etwa in den Sagen von Hero und Leander, Pyramus und Thisbe, Tristan und Isolde, Flore und Blanscheflur und Troilus und Cressida.

In der Novellenliteratur der Renaissance wird die Geschichte in den grundlegenden Zügen bereits im »Novellino« des Masuccio von Salerno (ca. 1474 – 1476) dargeboten. Durch neue Eigennamen und zusätzliche Handlungselemente wie etwa die Balkonszene oder den doppelten Selbstmord am Ende erhält sie bei Luigi da Porta um 1535 ihre vertraute Gestalt.


Arthur Brooke, The Tragicall Historye of Romeus and Juliet, 1562
Arthur Brooke, The Tragicall Historye of Romeus and Juliet, 1562


Das Schicksal von Troilus und Cressida wurde bereits von Geoffrey Chaucer in seinem Epos »Troilus and Criseyde« dargestellt. Dieses Werk beeinflusste stark Shakespeares unmittelbare Vorlage, Arthur Brookes Epos »The Tragical History of Romeus and Juliet« von 1562.

Sowohl Brooke als auch sein Landsmann William Painter mit »Rhomeo and Julietta« von 1567 benutzten die französische Fassung von Pierre Boaistuau (1559), die wiederum auf Matteo Bandellos »Romeo e Giulietta« (1554) und Luigi da Portos »Giuletta e Romeo« (um 1530) zurückgreift. Die unter diesen Versionen bekannteste Fassung von Bandello weist bereits im Wesentlichen den gleichen Handlungsverlauf und das gleiche Figurenensemble auf wie Shakespeares »Romeo und Julia«.

Weblink:

We read Romeo and Juliet ! »Romeo und Julia« Text zum Nachlesen - wereadromeoandjuliet.blogspot.de


Literatur:

Romeo und Julia
Romeo und Julia
von William Shakespeare

Samstag, 12. Juli 2025

»Der Sturm« von William Shakespeare



»Der Sturm« (»The Tempest«) von William Shakespeareist eine Romanze über Grenzen und Triumphe der Menschlichkeit, über Herrschaftsphantasien und Machtansprüche, über zwischenmenschliche Beziehungen, über Wunder und Magie. Schauplatz ist eine einsame, von Geistern bewohnte Insel, auf der Menschen nur Besucher sind.

König Alonso von Neapel erleidet mit seinem Gefolge Schiffbruch. Begleitet wird der König auch von Antonio, Herzog von Mailand. Vor zwölf Jahren hatte dieser seinen Bruder Prospero und dessen 3-jährige Tochter Miranda in einem Boot ausgesetzt. Auf einer Insel haben sie überlebt.

„Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind und unser Leben ist nur ein Moment.“


4. Akt, 1. Szene / Prospero

Durch Zauberkraft hat Prospero die Herrschaft über die Insel übernommen. Mit Hilfe seiner Magie hat er auch den Sturm herbeigeführt, die Schiffbrüchigen landen auf seiner Insel. Während um den Thron ein harter Kampf ausbricht, wächst zwischen Ferdinand, Sohn des Königs, und Miranda eine innige Liebe.

Auf geheimnisvolle Weise lässt Prospero einstige Widersacher auf seiner Insel stranden, um Rache zu nehmen und Reue zu erzwingen. Eine Romanze über den Wandel der Gefühle und die Schwierigkeit des Vergebens.


Durch eine politische Intrige verschlägt es Prospero, den rechtmäßigen Herzog von Mailand, auf eine Insel. Hier herrscht er über Geister, Wind, Wasser und Luft, während er seine Tochter Miranda in Unwissenheit über die Welt und ihre Menschen aufwachsen lässt, bis er die Zeit für gekommen hält, sie aufzuklären.

Mit Hilfe des Luftgeistes Ariel entfacht Prospero einen gewaltigen Sturm, der einen Schiffbruch auslöst und seine ehemaligen politischen Widersacher an den Strand der Insel spült. Hier lässt Prospero die Schiffbrüchigen ein fantastisches Gefühlschaos durchleben: aus Hass lässt er Liebe, aus Dummheit Gewalt, aus Neugier Starrsinn und aus Treue Aufbegehren werden. Ariel braucht seine ganze Kraft, um den Zauber durchzuführen und Prosperos Inszenierung planmäßig ablaufen zu lassen. Währenddessen begegnet seine Tochter Miranda dem gestrandeten Königssohn Ferdinand und entdeckt das Wesen Mann und damit den Schmerz und die Liebe.

Shakespeares Romanze handelt von der Schwierigkeit zu vergeben und ist ein Stück über das Theater, das Spiel mit der Illusion und den Zauber der Kulisse. Mit einer einfachen Bühne als Insel, auf der Prospero durch Ariel eine Versuchsanordnung inszeniert, um seine Opfer zur Reue zu zwingen, begegnet das königliche Gefolge seinen eigenen Abgründen.

Die Figuren, in zeitlos modernen Kostümen, sind nicht zu verorten, sondern könnten sich mit ihren Utopien, Rivalitäten und Eitelkeiten an jedem Ort der Welt begegnen. Hier werden sie einander schonungslos gegenübergestellt, wodurch auch absurder Slapstick und musikalisch untermalte Komik entstehen.


William Shakespeares »Der Sturm« zählt zu den bekanntesten romantischen Komödien der Weltliteratur. Es ist Shakespeares letzter und wahrscheinlich auch originellster Dramentext. In der Geschichte um den mächtigen Zauberer Prospero findet sich alles, was Shakespeare auch heute noch aktuell und lesenswert macht: Sein Werk ist Familiendrama, Liebeskomödie und Märchengeschichte in einem und kreist dabei um die moralische Frage nach der Begründung von Herrschaft und deren zweifelhafter Legitimität.


Literatur:

Der Sturm
Der Sturm, oder Die bezauberte Insel


 Der Sturm. Shakespeare von William Shakespeare und August Wilhelm Schlegel