Schweigt der Menschen laute Lust: Rauscht die Erde wie in Träumen Wunderbar mit allen Bäumen, Was dem Herzen kaum bewusst, Alte Zeiten, linde Trauer, Ach, es schweifen leise Schauer Wetterleuchtend durch die Brust.
Mondbeglänzte Zaubernacht , die den Sinn gefangen hält , wundervolle Märchenwelt , steig auf in der alten Pracht !
Liebe lässt sich suchen , finden , niemals lernen, oder lehren, wer da will die Flamm entzünden ohne selbst sich zu versehren , muß sich reinigen der Sünden .
Alles schläft , weil er noch wacht , wenn der Stern der Liebe lacht , goldene Augen auf ihn blicken , schaut er trunken vor Entzücken Mondbeglänzte Zaubernacht.
Alle Menschen seh ich leben Viele leicht vorüberschweben Wenig mühsam vorwärtsstreben Doch nur Einem ists gegeben Leichtes Streben, schwebend leben.
Wahrlich der Genuß ziemt Toren In der Zeit sind sie verloren, Gleichen ganz den Ephemeren[.] In dem Streit mit Sturm und Wogen Wird der Weise fortgezogen Kämpft um niemals aufzuhören Und so wird die Zeit betrogen Endlich unters Joch gebogen Muß des Weisen Macht vermehren.
Ruh ist Göttern nur gegeben Ihnen ziemt der Überfluß Doch für uns ist Handeln Leben Macht zu üben nur Genuß.
Das 1844 veröffentlichte „Wintermärchen“ ist eine Symbiose aus versifizierter Reisedokumentation und politischer Satire und fußt auf einer tatsächlich stattgefundenen Reise, die Heine nach 13-jährigem Pariser Exil im Oktober 1843 von Paris nach Hamburg unternimmt. Das Motiv der Reise gibt dem „Wintermärchen“ den einheitlichen Rahmen für die Darstellung des vorrevolutionären Deutschland.
Bei dieser Reise ist sehr interessant, dass die einzelnen Stationen der Reise durch preußisch regiertes Land führen, wo die Schriften des Jungen Deutschlands verboten sind, das Reiseziel Hamburg jedoch von Preußen politisch unabhängig ist.
Die im „Wintermärchen“ erwähnten Reisestationen sind real existierende Städte und Gegenden. Den Charakter dieses Reiseberichts unterstreicht Heine durch die scheinbar authentische Darstellung der Sachverhalte. Zum Beispiel benennt er die Kapitel mit dem wissenschaftlichen Terminus „Caput“ und verwendet seine reale Reiseroute als Vorlage für das „Wintermärchen“.
Heine schrieb sein kunstvolles Versepos "Deutschland. Ein Wintermärchen" im Januar 1844 in Paris, »und die freie Luft des Ortes wehete in manche Strophe weit schärfer hinein, als mir eigentlich lieb war. Ich unterließ nicht, schon gleich zu mildern und auszuscheiden, was mit dem deutschen Klima unverträglich schien«.
In diesem Gedichtszyklus verarbeitet Heine die Eindrücke, die er bei seiner Deutschlandreise ein Jahr zuvor unternommen hat. Er zeigt die Misere der deutschen Verhältnisse auf. Dabei besitzen die Verse eine beißende Satire. Man kann den Text so erklären: Heine besucht seine Mutter in Deutschland, die er viele Jahre schon nicht mehr gesehen hat und verarbeitet das in seinem „Wintermärchen". Es ist grundsätzliche Kritik an den deutschen Verhältnissen der Zeit in einer Bissigkeit, die sie nur außerhalb des Einflußbereichs der deutschen Zensoren haben konnte.
Trotz des starken Realitätsbezugs und der realistischen Schreibart darf man nicht vergessen, dass das „Wintermärchen“ im doppelten Sinne ein Kunstwerk ist, das in 27 Capita und durchgehend vierzeiligen Strophen, die aus jeweils zwei Langzeilen bestehen, humoristisch-pointiert über Deutschlands politischen Winterschlaf während der Restauration berichtet. „Diese Art des Beschreibens ist nachromantisch, biedermeierlich, der Stil im Vormärz“ , damit ähnelt es Heines ersten politischen Schriften, den Reisebildern: nicht umfassend oder objektiv, dafür aber ironisch pointiert.
Die Hauptfigur des Kunstepos ist eine Heine ähnliche, aber nicht dem Autor entsprechende Person. Sie trägt keinen Namen, wird weder innerlich noch äußerlich explizit beschrieben und reist durch Deutschland, um seinen „Freunden“ ein „neues Lied“ zu dichten und seine Mutter in Hamburg zu treffen. Aber, auch wenn man den Reisenden nicht mit dem Autor gleichsetzen kann, stehen durch die ständige Gegenwart des Dichters [...] im Wintermärchen satirische Kritik und heiteres oder pathetisches Bekenntnis besonders eng nebeneinander.
Heines Kampf für die Freiheit hat seine Hochzeit mit dem „Wintermärchen“ erreicht, was er explizit in seinem Brief an seinen Verleger Campe 1844 ausgedrückt hat:
Es ist ein gereimtes Gedicht, welches, [...] die ganze Gährung unserer deutschen Gegenwart, in der keksten, persönlichsten Weise ausspricht. Es ist politisch romantisch und wird der prosaisch bombastischen Tendenzpoesie hoffentlich den Todesstoß geben. Sie wissen ich prahle nicht, aber ich bin diesmal sicher daß ich ein Werkchen gegeben habe, das mehr furore machen wird als die populärste Broschüre und das dennoch den bleibenden Werth einer klassischen Dichtung haben wird. [...] Aber zugleich werden Sie sehen, daß dieses Büchlein durch keine Censur gehen darf. [...] Kurz ich will überraschen, einen Schlag machen –
Durch das „Wintermärchen“ will er Deutschland aus seinem politischen Winterschlaf wecken, jedoch nicht – wie man, durch den Titel gelenkt, erwarten könnte – märchenhaft, mittelalterlich und ritterlich, sondern er möchte durch die romantisch anmutende, schnell umschlagende Erzählstruktur “überraschen, einen Schlag machen“, der ganz Deutschland aus dem schläfrigen, vergangenheitsbehafteten Zustand weckt.
Ehret die Frauen! sie flechten und weben Himmlische Rosen ins irdische Leben, Flechten der Liebe beglückendes Band, Und in der Grazie züchtigem Schleier Nähren sie wachsam das ewige Feuer Schöner Gefühle mit heiliger Hand.
Ewig aus der Wahrheit Schranken Schweift des Mannes wilde Kraft; Unstät treiben die Gedanken Auf dem Meer der Leidenschaft; Gierig greift er in die Ferne, Nimmer wird sein Herz gestillt; Rastlos durch entlegne Sterne Jagt er seines Traumes Bild.
Aber mit zauberisch fesselndem Blicke Winken die Frauen den Flüchtling zurücke, Warnend zurück in der Gegenwart Spur. In der Mutter bescheidener Hütte Sind sie geblieben mit schamhafter Sitte, Treue Töchter der frommen Natur.
Feindlich ist des Mannes Streben, Mit zermalmender Gewalt Geht der wilde durch das Leben, Ohne Rast und Aufenthalt. Was er schuf, zerstört er wieder, Nimmer ruht der Wünsche Streit, Nimmer, wie das Haupt der Hyder Ewig fällt und sich erneut.
Aber, zufrieden mit stillerem Ruhme, Brechen die Frauen des Augenblicks Blume, Nähren sie sorgsam mit liebendem Fleiß, Freier in ihrem gebundenen Wirken, Reicher, als er, in des Wissens Bezirken Und in der Dichtung unendlichem Kreis.
Streng und stolz, sich selbst genügend, Kennt des Mannes kalte Brust, Herzlich an ein Herz sich schmiegend, Nicht der Liebe Götterlust, Kennet nicht den Tausch der Seelen, Nicht in Thränen schmilzt er hin; Selbst des Lebens Kämpfe stählen Härter seinen harten Sinn.
Aber, wie leise vom Zephyr erschüttert, Schnell die äolische Harfe erzittert, Also die fühlende Seele der Fraun. Zärtlich geängstet vom Bilde der Qualen, Wallet der liebende Busen, es strahlen Perlend die Augen von himmlischem Thau.
In der Männer Herrschgebiete Gilt der Stärke trotzig Recht; Mit dem Schwert beweist der Scythe, Und der Perser wird zum Knecht.
Es befehden sich im Grimme Die Begierden wild und roh, Und der Eris rauhe Stimme Waltet, wo die Charis floh.
Aber mit sanft überredender Bitte Führen die Frauen den Scepter der Sitte, Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht, Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen, Sich in der lieblichen Form zu umfassen, Und vereinen, was ewig sich flieht.
»Würde der Frauen« von Friedrich Schiller
In dem Gedicht »Würde der Frauen«, das im Jahr 1800 von Friedrich Schiller verfasst wurde, geht es um die nach Schiller gänzlich verschiedenen Eigenschaften von Männern und Frauen und um den Stellenwert der Frauen in der Welt.
In neun Strophen stellt Schiller Mann und Frau kontrastierend, antithetisch gegenüber. Auf eine Strophe über die Frauen folgt eine über die Männer, wobei den Frauen insgesamt 5 und den Männern lediglich vier Strophen zuzuordnen sind.
Die Strophen über die Männer sind in der vorliegenden Ausgabe des Textes eingerückt, was diese Einteilung zusätzlich verdeutlicht.