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Mittwoch, 8. Juni 2022

Orhan Pamuk 70. Geburtstag

Orhan Pamuk

Orhan Pamuk wurde vor 70 Jahren am 7. Juni 1952 in Istanbul geboren. Orhan Pamuk ist ein türkischer Schriftsteller.

Pamuk gilt als einer der international bekanntesten Autoren seines Landes und wurde als erster türkischer Schriftsteller 2006 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet.

Pamuk studierte Architektur und Journalismus und lebte mehrere Jahre in New York. Sein Werk umfasst 11 Romane (Stand 2021), ein autobiografisches Erinnerungsbuch sowie zahlreiche Essays. Es ist in 35 Sprachen übersetzt und in über 100 Ländern veröffentlicht worden.

In seinen Arbeiten vermittelt Pamuk zwischen dem modernen europäischen Roman und der Erzähltradition des Orients.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Rot ist mein Name", "Istanbul", "Das neue Leben", "Die weiße Festung", "Das schwarze Buch", mit denen er einem breiten Publikum bekannt wurde.

Pamuk hat sich in seinen Romanen immer auch als politischer Grenzgänger zwischen den Welten hervorgetan, der in der Großstadt die Gegensätze einer moslemisch geprägten, eher ländlichen Tradition mit den neuen Gegebenheiten einer westlich-urbanen Weltsicht aufeinanderprallen ließ.

Für seine Romane erhielt er 1990 den "Independent Foreign Fiction Award", 1991 den "Prix de la decouverte europeene", 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2006 den Nobelpreis für Literatur.

Auch sein im Wesentlichen menschenrechtlich begründetes politisches Engagement zeigt ihn in einer beide Seiten fordernden Mittlerposition zwischen der Türkei und Europa.

Orhan Pamuk ist in der Türkei nicht umsonst umstritten, legt er doch mit feinem Gespür für die Realitäten in seiner Heimat kritisch und trotzdem mit großer Empathie den Finger in diverse Wunden und zeigt auf literarisch sehr schönen Art, wie facettenreich an Kulturen und Traditionen die heutige Türkei noch ist. Klischees oder schnelle Urteile greifen nicht, wenn man die Türkei und ihre Menschen beurteilen oder verstehen will.

Sonntag, 5. Juni 2022

»An Pfingsten« von Ludwig Amandus Bauer



Um Pfingsten, wenn der Holder blüht,
Will’s Wandern uns gefallen,
Wenn frisch und rot das Röslein glüht,
Und tausend Lieder schallen.

Du Stadt mit deinen Mauern grau,
Ade, wir ziehn ins Weite,
Hoch, über uns der Himmel blau,
Der Frühwind gibt’s Geleite.

Kein Buch, als nur die grüne Flur,
Draus wir in tausend Weisen
Die Wunder lesen der Natur,
In Liedern sie zu preisen.

Kein Hörsaal, als der grüne Wald,
Der blüht und jubilieret,
In Rauschen und Duften tausendfalt
Weltweisheit und doziert.

Kein Karzer, — dass sich Gott erbarm’!
Als hangend, mit Verlangen
Von einem runden Mädchenarm
Recht enge sein gefangen.

Um Pfingsten, wann der Holder blüht,
Will’s Wandern uns gefallen,
Wenn frisch und rot das Röslein glüht
Und tausend Lieder schallen.

»An Pfingsten« von Ludwig Amandus Bauer


Donnerstag, 2. Juni 2022

Wolfgang Hilbig 15. Todestag

Wolfgang Hilbig


Wolfgang Hilbig starb vor 15 Jahren am 2. Juni 2007 in Berlin. Wolfgang Hilbig war ein deutscher Dichter und Schriftsteller.

Er war der einzige echte Arbeiterschriftsteller der DDR und damit zugleich eine schreibende Koryphäe, denn Schriftsteller gehörten nicht zum Repertoire und Leitbild der Arbeiterklasse in der DDR.

Aufgewachsen in der Familie der Großvaters in Meuselwitz in Sachsen, absolvierte er eine Lehre als Werkzeugmacher, ging anschließend zur Armee, arbeitete dann als Tischabräumer in einem Ausflugslokal, als Erdbauarbeiter und als Monteur. Ab 1970 war er Heizer und blieb diesem Beruf viele Jahre lang treu.

Wolfgang Hilbig war ein Arbeiterschriftsteller, aber nicht im Sinne des "Bitterfelder Weges". Um diese staatlich kontrollierte Richtlinie des Literaturbetriebs zu befolgen, war er einerseits zu sehr tatsächlicher Arbeiter, andererseits literarisch zu begabt.

Hineingeboren in eine Umgebung aus Sprachlosigkeit, galt er spätestens seit seinem Roman »Ich« als einer der sprachmächtigsten Autoren der deutschen Literatur – und blieb doch ihr geheimnisvollster Außenseiter. Hilbig, der jahrelang als Heizer arbeitete, war in der DDR gezwungen, eine Doppelexistenz zu führen.

Seitdem er sich, losgeworden von der lästigen Doppelexistenz Anfang der 80er Jahre als freischaffender Schriftsteller etablierte, überraschte Hilbig seine Leserschaft allmählich mit längeren Texten, nicht mehr nur Lyrik und Kurzprosa, ab 1989 kann man sich auch über seine Romane freuen.

Nach dem positiv aufgenommenen Erstling "Eine Übertragung", äußert er sich in "Ich" auf 378 Seiten zum Thema der Stasi-Debatte um die enttarnten Literaten der Prenzlauer Berger Szene.

1979 machte sich Wolfgang Hilbig als Schriftsteller selbstständig, seine Aufenthaltsorte wechselten zwischen Ost-Berlin und Leipzig. 1985 verließ er mit einem Reise-Visum die DDR in Richtung Westdeutschland.

Der Heizer schaufelte ein Leben lang Wörter aus den Schächten der Arbeit und der Erinnerung. Häufig ist es Hilbig selbst, über den der schreibt - einer, den die DDR kaputtgemacht hat.

„Die Literatur kann es sein, die der

Gesellschaft ihre noch ungelösten Aufgaben stellt.“


Wolfgang Hilbig

Der Ost-Schriftsteller übersiedelte 1985 aus der DDR in die Bundesrepublik über, wo Hilbig mit Preisen geradezu überhäuft wurde. Der Schriftsteller erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Bremer Literaturpreis, den Berliner Literaturpreis, den Literaturpreis des Landes Brandenburg, den Lessing-Preis, den Fontane-Preis, den Stadtschreiberpreis von Frankfurt-Bergen-Enkheim, den Peter-Huchel-Preis und den Erwin-Strittmatter-Preis.

Wolfgang Hilbig wurde am 31. August 1941 in Meuselwitz bei Leipzig in Sachsen geboren. Als „Kleinstadt des ewigen Nachmittags“ hat Wolfgang Hilbig dieses thüringische Meuselwitz bezeichnet, wo er am 31. August 1941 zur Welt kam.

Weblinks:

Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft: Aktuell - www.wolfgang-hilbig.de

Biografie - Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft - www.wolfgang-hilbig.de/wolfgang-hilbig/biografie

Erinnerung an Wolfgang Hilbig: Eine Liebe von damals - www.tagesspiegel.de › Kultur

Biographie über Wolfgang Hilbig: Ein Betriebsheizer der Weltlietratur schrieb - www.deutschlandfunkkultur.de


Literatur:

Ich
Ich
von Wolfgang Hilbig

Biografie:

Wolfgang Hilbig. Eine Biografie
Wolfgang Hilbig. Eine Biografie
von Michael Opitz

Samstag, 28. Mai 2022

»Der Schlaf in den Uhren« von Uwe Tellkamp

Der Schlaf in den Uhren



Nach zehn Jahren Wartezeit hat Uwe Tellkamp nun die Fortsetzung seines Romans »Der Turm« vorgelegt, die als unübersichtliche Mediensatire und Gesellschafts-Dystopie daherkommt. 14 Jahre nach seinem gefeierten Bestseller »Der Turm« legt Uwe Tellkamp einen lang erwarteten Fortsetzungsroman vor. In »Der Schlaf in den Uhren« geht es um das Ende der DDR, die "Meinungskorridore" der Medien und die Flüchtlingskrise. Dieses Mal liegt ihm die Literaturkritik jedoch nicht zu Füßen. Sein neuer Roman ist überwiegend verrissen worden.




Als vor fast 15 Jahren »Der Turm« erschien, wurde der damals noch nicht mal 40-jährige Schriftsteller Uwe Tellkamp schon als möglicher Nachfolger Thomas Manns gehandelt. Mehr als eine Million Mal verkaufte sich der Roman, der auch verfilmt wurde. 14 Jahre fällt die Kritik wenig wohlwollend aus: »Der Schlaf in den Uhren« wird von der Kritik, man kann es nicht anders sagen: brutal niedergemacht.

Uwe Tellkamp: »Der Schlaf in den Uhren« ist mir als Titel deshalb wichtig, weil es ein doppelt oder mehrfach sinniges Bild ist: Es gibt den Schlaf in den Uhren von dem, was immer währt, was in den Uhren schläft und erwachen kann. Und es gibt den Schlaf, der nicht kommt.

Ich merke in unserer Situation in der Gesellschaft, dass es Themen gibt, die im medialen Fokus oder der medialen Aufmerksamkeit, was Wirklichkeitsherstellung ist, verdrängt oder "durch" sind, wie es so schön heißt – aber sie sind es nicht wirklich für den Einzelnen, da spielen sie eine andere Rolle. Es gibt dann kleine Momente, in denen sie wiederkommen und plötzlich, als wäre keine Zeit vergangen, sind sie wieder da. Die Zeit ist natürlich trotzdem vergangen.


»Der Schlaf in den Uhren« ist streng genommen kein Roman, sondern eine Fortsetzungsgeschichte, denn diesmal ist nicht Christian Hoffmann der Protagonist, sondern sein Cousin Fabian.

In diesem Werk tauchen alte Bekannte aus seinem Roman »Der Turm« als Figuren wieder auf, aber die gesamte Umgebung ist fiktiv und eigentlich haben die Settings der beiden Bücher nicht mehr allzu viel gemein.

Der Turm Geschichte aus einem versunkenen Land.
Die Fortschreibung seines »Turm«-Projekts mit den Familien Hoffmann und Rohde wird durchmischt mit einer unübersichtlichen Mediensatire und einer Gesellschafts-Dystopie, bei der die Rückkehr des Stasi-Staates nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit verlegt wird.

Die Erzählzeiten changieren zwischen 1989 und 2015, denn ein bischen Deutsche Einheit und Wiedervereinigung muss schon sein. Diesmal ist nicht Christian Hoffmann der Protagonist, sondern sein Cousin Fabian. Handlungsort ist Treva, ein hanseatischer Stadtstaat und ein kafkaeskes Bürokraten-Gebilde. Fabian Hoffmann arbeitet für die "Tausendundeinenachtabteilung" an einer Chronik zum 25-jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung. Die Trevische Nachrichtenagentur kontrolliert sämtliche Medien: Zeitungen, Rundfunk und Internet.

Der ganze Mut, die Hoffnung und Aufbruchstimmung, mit der allen Gefahren am Ende der DDR-Zeit getrotzt worden ist, lässt Tellkamp noch einmal literarisch aufleben, indem er Fabian Hoffmann mit seiner Mutter Anne unter die Demonstrierenden auf die Straße schickt, während andere aus der Familie eingesperrt waren. 



Die 2015 spielende Geschichte um den Ich-Erzähler Fabian Hoffmann, Sohn eines Stasi-verfolgten Dissidenten und nunmehr selbst für die geheime Sicherheitsbehörde tätig, nimmt zunehmend verschwörungstheoretische Züge an und läßt Erinnerungen an fremdenfeindliche Äußerungen des Autors aufkommen.


Uwe Tellkamp: Für mich ist das Verbindende zwei Dinge: der Name Hoffmann. Ich dachte nämlich, dass das Modell E.T.A. Hoffmann die Entbindung der Gespenster aus der Gegenwart und aus dem Alltag nur für den Sozialismus möglich ist. Das ist ein Irrtum. Den gibt es heute genauso, aber anders. Auch heute werden wieder Gespenster aus dem Alltag entbunden. Die kommen aus Codierungen, aus Algorithmen, aus künstlicher Intelligenz heraus, beeinflussen aber unser Leben. Schon eine simple Nachricht kann das tun, sie kann über eine Karriere von einem Politiker entscheiden, ob er Fraktionsvorsitzender bleibt oder nicht, das kann an einem Tweet liegen. Und wenn ich solche Formen darstellen will, muss ich sie so gut wie möglich kennenlernen. Und ich muss mir Gedanken darüber machen, wie ich sie formal fasse.

Literatur:

Der Schlaf in den Uhren
Der Schlaf in den Uhren
von Uwe Tellkamp

Der Turm Geschichte aus einem versunkenen Land.
Der Turm
von Uwe Tellkamp

Mittwoch, 25. Mai 2022

»Mailied« von Johann Wolfgang von Goethe



Wie herrlich leuchtet
mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
aus jedem Zweig
und tausend Stimmen
aus dem Gesträuch.

Und Freud und Wonne
aus jeder Brust.
O Erd, o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb, o Liebe!
So golden schön,
wie Morgenwolken
auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich
das frische Feld,
im Blütendampfe
die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen,
wie lieb ich dich!
Wie blinkt dein Auge!
Wie liebst Du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
und Morgenblumen
den Himmelsduft,

wie ich dich liebe
mit warmem Blut
die du mir Jugend
und Freud und Mut

zu neuen Liedern
und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
wie du mich liebst!

»Mailied« von Johann Wolfgang von Goethe



Johann Nepomuk Nestroy 160. Todestag

Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy starb vor 160 Jahren am 25. Mai 1862 in Graz. Johann Nepomuk Nestroy war ein volkstümlicher österreichischer Schriftsteller, Schauspieler und Bühnendichter des 19. Jahrhunderts. Als Schauspieler, Sänger, Stückeschreiber, Possendichter wurde Nestroy zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der österreichischen Bühne.

Im Jahr 1816 schloß Nestroy das Gymnasialstudium ab und bezog 1817 die Wiener Universität. Er studierte zunächst Jura in Wien, ehe er sich der darstellenden Kunst zuwendete. Immatrikulierte im Jahr 1820 an der juridischen Fakultät. Nebenbei arbeitete er als Sänger.

Von 1819 bis 1822 war Nestroy Stammsänger der Gesellschaft für Musikfreunde in Wien. 1820 lernte Nestroy auch Sprechrollen, manches speziell aus dem Bereich des volkstümlichen Theaters, kennen. Die sängerischen Ambitionen Nestroys traten trotzdem in den Vordergrund.

Johann Nepomuk Nestroy

Nestroy schrieb als Bühnendichter volkstümliche Schauspiele, Komödien, Possen und Zauberstücke. Zu seinen bekanntesten Werken gehören »Der böse Geist Lumpazivaganbundus« (1835), »Einen Jux will er sich machen« (1844) und »Der Zerissene« (1845).
Johann Nepomuk Nestroy war zudem auch Schauspieler und spielte seine eigenen Rollen meisterhaft.

Johann Nepomuk Nestroy wurde am 7. Dezember 1801 in Wien geboren.

Samstag, 21. Mai 2022

»Die Leiden des jungen Werther« von Johann Wolfgang von Goethe

Die Leiden des jungen Werther


Goethes »Werther« ist neben dem »Faust« das berühmteste Werk des großen Weimarer Klassikers und nicht umsonst einer der meist gelesenen Romane der deutschsprachigen Literatur überhaupt. Von unvergleichlicher Schönheit und Melancholie ist die Dreiecksgeschichte um Werther, Lotte und Albert. Eine ergreifende Erzählung von Liebe, Jugend und Schmerz. (Fassung von 1787)

Die Leiden des jungen Werthers, im Herbst 1774 anonym erschienen und als authentisches Konvolut von Briefen eines Selbstmörders aus Liebe sich gebend, mischen die literarische Szene der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in bis dahin ungekannter Weise auf.



"Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bisschen,
das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel aufsuchen,
um es los zu werden."


Johann Wolfgang von Goethe, »Die Leiden des jungen Werther«


Und genau genommen nicht nur die literarische Szene, wird in der zeitgenössischen Erstrezeption dieses provokant über alle Konventionen sich hinwegsetzenden Textes seine Literarizität doch vielfach gerade übersprungen.



Hinter der in der Rezeption gefeierten, verdammten oder einfach nur als Wirkung erfahrenen Unmittelbarkeit des Werther, die auch Werther selbst in seinen Briefen nicht müde wird zu beschwören, steht ein aufs raffinierteste kalkuliertes Kunstwerk eines gerade einmal fünfundzwanzigjährigen Autors.

Literatur:

Die Leiden des jungen Werther
Die Leiden des
jungen Werther
von Johann Wolfgang Goethe


Video:

„Die Leiden des jungen Werther" – Ein Bestseller seiner Zeit - Youtube