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Samstag, 25. September 2021

»Versuch über den Pilznarren« von Peter Handke

Versuch über den Pilznarren


Versuch über den Pilznarren: Eine Geschichte für sich


Herbstzeit ist Pilzezeit, in der Natur zu wandern und Zeit, um Bücher zu schreiben oder zu lesen. Der Herbst ist die Zeit der Poesie, die ihre Flügel ausbreitet. Kein Wunder also, daß die Poeten in dieser Jahreszeit ihre besten Romane, Essays und Gedichte schreiben.

Peter Handke beschliesst die Reihe seiner Versuche mit einem fünften und letzten erzählenden Essay, dem »Versuch über den Pilznarren« – worin die Pilze für den Helden der Geschichte nicht nur Passion, sondern das letzte Abenteuer, das Abenteuer an sich sind.

Pilze, das weiß jeder, kann man nicht suchen. Sie müssen sich dem Wandernden vielmehr von Selbst zeigen. Diese Erfahrung plötzlichen Entbergens wählt Peter Handke zum Thema seines »Versuch über den Pilznarren«.




»Wie in allen Versuchen ist auch hier die Sprache der Schauplatz der Abenteuer, in Rede und Gegenrede, im Rhythmus.
Der Satzbaukünstler, der sie verfasst hat, ist kein Tüftler und Drechsler, sondern ein Zungenredner,
der an manchen Stellen das Myzel-Geflecht aus der die Pilze herausschießen, in seiner Sprache nachbildet.«


Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung 14.09.2013
Wie Handkes vorherige vier Bände der Reihe, etwa sein »Versuch über die Jukebox« oder »Über den gelungenen Tag«, kreist damit auch dieses Werk um ästhetische Erfahrungen der Öffnung und des biografischen Wandels.

Handkes vorherige vier Bände der Reihe, etwa sein »Versuch über die Jukebox«, »Der Chinese des Schmerzes« oder »Die Geschichte des Bleistifts« - um nur einige zu nennen.

Leider hat der Erfolg wohl auch seinen Preis: die letzten Bücher von Handke und eben auch der Versuch über den Pilznarren atmen die Selbstsicherheit eines Autors, der sich selbst zu den Großen zählt. Das wäre ja eigentlich nicht schlimm, wenn nicht dabei der Eindruck entstehen würde, dass Handke eine Über- und Bearbeitung des Textes nicht mehr für nötig hält.

Der Text von »Versuch über den Pilznarren« wirkt an vielen Stellen nicht nur unfertig (was bei einem Versuch ja durchaus drin ist), sondern auch wenig sprachlich geschärft, wenig ausgearbeitet – Gedanken des Autors ohne weitere Nacharbeit auf die Seiten gebracht.


Literatur:

Versuch über den Pilznarren
Versuch über den Pilznarren: Eine Geschichte für sich
von Peter Handke

Samstag, 10. September 2016

So ein Pilzsammler - Abschluss einer literarischen "Versuchsreihe"

Versuch über den Pilznarren
Versuch über den Pilznarren: Eine Geschichte für sich



Mit seinem neuen Buch „Versuch über den Pilznarren“ beendete Peter Handke seine großartige Versuchsreihe, die damit auf fünf Titel angewachsen ist: „Versuch über die Müdigkeit“ (1989), „Versuch über die Jukebox“ (1990), „Versuch über den geglückten Tag. Ein Wintertagtraum“ (1991), „Versuch über den Stillen Ort“ (2012).

In „Versuch über den Pilznarren“ erzählt Handke von einem Anwalt, der zum „Pilzforscher“ wird. Der Autor nennt ihn einen "verschollener Freund", manchmal einen "Dorffreund" oder "Waldfreund". Bereits in den Nachkriegsjahren hat dieser als Kind Pilze gesammelt und sie zur örtlichen Sammelstelle gebracht, um sich so das Taschengeld aufzubessern.

Später wurde aus dem Junge ein Anwalt, der Kriegsverbrecher an Internationalen Strafgerichtshöfen verteidigt. Aber noch immer zieht es ihn in den Wald, hier sucht er Ruhe, um dort in vollkommener Stille seine Verteidigungsplädoyers zu verfassen. Doch das „In-die-Pilze-Gehen" wird für den Anwalt immer mehr zur Sucht. Die Welt da draußen außerhalb des grünen Waldes wird für ihn zunehmend zu einem Kriegsschauplatz. Seine Frau hat ihn verlassen, die Freunde wenden sich von ihm ab. Auch in seiner Berufskarriere geht es bergab. Nur die Pilze bleiben ihm: „Was habe ich doch für Glück gehabt, mein Leben lang! Und wie habe ich mich immer wieder getäuscht, einmal bitter, dann schön. Sich schöntäuschen!“

Wie viele seiner Bücher, besitzt auch „Versuch über den Pilznarren“ zahlreiche autobiografische Bezüge. So ist Handke selbst passionierter Pilzsammler, hat ebenfalls die Mutter verloren und Jura studiert. Wie sein Pilznarr hat er sich seit Jahren von der Gesellschaft, vom Kunstbetrieb zurückgezogen. So sind die knapp 220 Seiten nicht nur eine Betrachtung über Steinpilze und Eierschwammerln, sondern sie sind der Versuch einer Rückschau auf das eigene Leben und das eigene Werk. Mit einem leichten, fast schwebenden Erzählstil lässt der 70jährige Handke den Leser an dieser Selbstbetrachtung teilhaben.

Weblink:

Versuch über den Pilznarren
Versuch über den Pilznarren: Eine Geschichte für sich
von Peter Handke

Samstag, 1. August 2015

»Versuch über die Jukebox« von Peter Handke

Versuch über die Jukebox
Versuch über die Jukebox: Erzählung



Peter Handke erweiert die Reihe seiner Versuche mit einem weiteren erzählenden Essay, dem »Versuch über die Jukebox«. Er versucht mit einem trivialen Gegenstand, nämlich einer Jukebox, einen Zugang zum Schreiben zu finden. Mittelpunkt des Erzählens ist demnach nicht die Jukebox, sondern der Gegenstand des Schreiben selbst. Die Jukebox ist vielmehr Hilfe, die Angel der Tür, die die Verbindung zu dem Raum ist, den er gerne betreten möchte; eine Landkarte auf der Handke zum Ziel, das Schreiben an sich, findet.

Hierbei befasst Handke sich nicht mit der unterschiedlichen kulturellen Bedeutung der Jukebox, sondern es steht vielmehr die Wahrnehmung derselben im Vordergrund. Das bedeutet, dass die Jukebox zwar als zentrales Thema des Textes genannt wird, jedoch - obwohl sie zumeist im Vordergrund steht - im Text selbst, in den Hintergrund gerückt wird.

Handke entwickelt seine eigene Erzähltechnik. Allen voran steht eine Entfremdung, eine Lösung von einer vermeintlichen Umgebung, um das erwünschte Produkt, welches entstehen soll, zu verwirklichen. Der leere Bahnhof zu Beginn zeigt symbolisch, dass der Protagonist etwas hinter sich lassen muss beziehungsweise etwas hinter sich lässt.

So fährt er nach Soria, in eine abgelegene Stadt im kastilischen Hochland, um von der Verlassenheit in eine noch größere Einsamkeit zu kommen. An dieser Stelle glaubt der Protagonist eine Einsamkeit aufsuchen zu müssen, da andernfalls sein Vorhaben nicht funktionieren würde. Jedoch ist es gerade in Wirklichkeit die Einsamkeit, woraus er fliehen möchte und die Jukebox aufsucht, um nicht mehr einsam zu sein.

Die Jukebox vollzieht in der Erzählung einen grundlegenden Wandel: sie wird von einer Maschine zu einem Menschen. Die Jukebox ist keine Maschine oder eine wahrhaftige Box, sondern zu einem Menschen geworden. Eine Person, die Erinnerungen weckt und einen an Ereignisse erinnert, die der Beweis dafür sind, dass man gelebt hat.

Weblink:

Versuch über die Jukebox
Versuch über die Jukebox: Erzählung
von Peter Handke