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Mittwoch, 8. Januar 2014

»Wörterbuch des Teufels« von Ambrose Bierce

Aus dem Wörterbuch des Teufels
Aus dem Wörterbuch des Teufels

Das »Wörterbuch des Teufels« von Ambrose Bierce ist das literarische Vermächtnis eines geistreichen Zynikers, glänzenden Stilisten, politischen Anarchisten und philosophischen Nihilisten und zugleich sein satirisches Programm. Als weithin geduldeter Exzentriker gehörte Bierce zum Kreis von Journalisten und Publizisten, die dem Geistesleben der USA nach den furchtbaren Erfahrungen des Bürgerkriegs und dem nüchtern-rationalistischen Denken der erwachenden Wirtschaftsmacht neue Impulse geben wollten.

Ambrose Bierce begann seine Serie bissiger Definitionen 1881 in der satirischen Wochenzeitschrift »The Wasp« in San Francisco. 25 Jahre setzte er sie – ohne System und mit langen Unterbrechungen – in verschiedenen Zeitungen fort. 1906 erschienen sie unter dem Titel »The Cynic’s Word Book«. Erst die Ausgabe von 1911 trug den Titel, unter dem das Buch Weltruhm erlangte: »Aus dem Wörterbuch des Teufels«.


Bierce liefert in seinem Wörterbuch rund 1.000 meist bitterböse Worterklärungen. Die Definitionen sind selten mehr als zwei bis vier Sätze lang und schließen mit einer zielsicheren Pointe. So bezeichnet der kriegserfahrene Autor z. B. die Armee als »unproduktive Einrichtung, die eine Nation verteidigt, indem sie alles verschlingt, was einen Feind zur Invasion reizen könnte«. Diplomatie hält Bierce für »die patriotische Kunst, gegen Bezahlung für sein Vaterland zu lügen«, Ehrlichkeit im Geschäftsleben für eine schwere Behinderung. Ziel seines beißenden Spotts sind vor allem Geistliche, Politiker und Kapitalisten, deren auf göttliche oder irdische Fügung sich berufende Autorität Bierce angriffslustig auseinander nimmt.

Zum satirischen Programm des »teuflischen Wörterbuchs« gehören u. a. Spottgedichte, Wortspiele, Zitate und Kauderwelsch frei erfundener Experten sowie persönliche Beleidigungen. Bierce hat keine Hemmungen, die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Er wendet sich gegen Engstirnigkeit, Heuchelei, Selbstbetrug und geistige Trägheit im öffentlichen Leben der USA.

In »Des Teufels Wörterbuch« zeigt sich Ambrose Bierce als literarischer Scharfrichter und bissiger Beobachter, der unbarmherzig die Schwächen der menschlichen Existenz bis in unsere Zeit aufzeigt. Daher sind einige seiner Teufels-Definitionen heute geflügelte Worte geworden. Der verbitterte Autor ist im Grunde ein tief verletzter Patriot und Moralist, der den Siegeszug der Spießbürger, der für ihn einzigen wirklichen Weltmacht, nicht verwindet. Inmitten lärmenden Spotts sind auch selbstkritische Töne zu vernehmen:

»Ein Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten.«

Ambrose Bierce


Weblink: Des Teufels Wörterbuch
Des Teufels Wörterbuch
von Ambrose Bierce Aus dem Wörterbuch des Teufels
Aus dem Wörterbuch des Teufels
von Ambrose Bierce

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